Alitalia-Mitarbeiter lehnen Sparplan ab

25.04.2017 - 16:46 0 Kommentare

Alitalia steht vor dem Aus: Die Mitarbeiter votieren gegen den ausgehandelten Sparplan. Gibt es keine Lösung, muss die Airline - die wie Air Berlin eine Etihad-Beteiligung ist - Insolvenz anmelden.

Eine Alitalia-Maschine auf dem Flughafen Mailand - © © dpa - Antonio Calanni/AP/dpa

Eine Alitalia-Maschine auf dem Flughafen Mailand © dpa /Antonio Calanni/AP/dpa

Die schwer angeschlagene italienische Fluggesellschaft Alitalia steht vor dem Ende. In einem Referendum stimmten 67 Prozent der rund 12.500 Mitarbeiter gegen einen mit der Regierung ausgehandelten Kompromiss zur Rettung der Fluglinie. Italiens Regierungschef Paolo Gentiloni hatte im Vorfeld gesagt, falls der Plan scheitere, könne Alitalia nicht überleben. Es gebe keinen Plan B, Alitalia sei ein privates Unternehmen.

Der Verwaltungsrat kam am Dienstag zusammen und kündigte eine Aktionärsversammlung für Donnerstag an, teilte das Unternehmen mit. Der Flugbetrieb bleibe aufrecht erhalten. Erwartet wird, dass nun ein Insolvenzverwalter berufen wird. Großaktionär bei Alitalia ist wie bei Air Berlin die arabische Gesellschaft Etihad.

Rettungsplan

Der Sparplan, den die italienische Regierung als Kompromiss für Unternehmensspitze und Gewerkschaften vorgeschlagen hatte, sah vor, dass die Gehälter um durchschnittlich acht statt 30 Prozent gekürzt und 980 statt 1400 der 12.500 Beschäftigten entlassen werden. Auch die Arbeitnehmervertreter unterstützten letztlich die Pläne.

Alitalia steckt seit Jahren in der Krise. Allein im vergangenen Jahr hat die Airline Verluste in Höhe von 460 Millionen Euro eingefahren. Mitte März hatte das Management einen Rettungsplan vorgestellt. Er sieht ein drastisches Sparprogramm vor, der die einstige Staatsfluglinie binnen zwei Jahren wieder in die Gewinnzone bringen soll.

Die Gewerkschaften riefen angesichts der vorgesehenen Stellenstreichungen und Kürzungen der Gehälter des Flugpersonals mehrfach zu Streiks auf. Schließlich einigte man sich vergangene Woche mit der Unternehmensspitze auf einen Kompromiss. Gleichzeitig setzten die Gewerkschaften durch, dass über den Plan abgestimmt werden muss.

Alitalia-Beschäftigte demonstrieren am Ende Febuar 2017 am Flughafen Rom-Fiumicino. Foto: © dpa, Alessandra Tarantino/AP/dpa

Mit "Bedauern und Bestürzung" habe man den negativen Ausgang des Referendums wahrgenommen, der die Rekapitalisierung des Unternehmens gefährde, teilten Wirtschafts-, Arbeits- und Verkehrsministerium in einer gemeinsamen Erklärung mit. Das Ziel der Regierung sei es, die Kosten "für die italienischen Bürger und die Reisenden" zu minimieren.

Auf Milliarden von italienischen Banken gehofft

Alitalias Anteilseigner, darunter die Banken UniCredit und Intesa Sanpaolo, hatten damit gedroht, die Umschuldung von Verbindlichkeiten der Fluglinie zu blockieren, sollte es keinen Sanierungsplan geben. Ursprünglich wollten sie zwei Milliarden Euro zuschießen.

Die Fluggesellschaft hat vor allem mit Billigfliegern zu kämpfen, die auf den italienischen Markt gedrängt sind und mit der Konkurrenz von Schnellzügen innerhalb Italiens. Die Übernahme von 49 Prozent der Anteile durch die arabische Fluggesellschaft Etihad sollte den Neustart bringen. Doch die Beteiligung erwies sich für die Araber bislang als teures Zuschussgeschäft - ähnlich wie ihre Beteiligung an Air Berlin, die Analysten zufolge bislang mehr als eine Milliarde Euro kostete.

Bei der Etihad-Beteiligung Air Berlin steht der Rettungsplan schon etwas länger und wird bereits umgesetzt. So werden beispielsweise Maschinen an die Lufthansa vermietet, die österreichische Tochter Niki wird verkauft und es sollen 1200 Stellen abgebaut werden. Außerdem setzt die deutsche Fluggesellschaft verstärkt auf Langstrecken in die USA- eine Strategie, die auch Alitalia fahren wollte.

Von: cs, dpa
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Flugzeuge von Alitalia und Air Berlin. Warum Air Berlin und Alitalia nur fast vergleichbar sind

    Hintergrund Air Berlin ist pleite, Alitalia auch. Beide Fluggesellschaften waren Teil der Etihad-Equity-Alliance und bei beiden laufen jetzt die Insolvenzverfahren. Da hören die Ähnlichkeiten aber auch schon auf. Ein Überblick.

    Vom 12.09.2017
  • Bei Air Berlin ist die Luft raus. Reaktionen zur Air-Berlin-Übernahme

    Lufthansa übernimmt große Teile der Air Berlin. Verdi mahnt, dass allen Mitarbeitern eine Perspektive geschaffen werden müsse. Auch Monopolkommissionschef Wambach und Berlins Bürgermeister Müller äußern sich.

    Vom 13.10.2017

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Air Berlin Jobs Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »