Alitalia steht unter Fremdverwaltung

Die italienische Regierung stellt Alitalia auf Antrag des Managements unter Fremdverwaltung. Gleichzeitig genehmigt Rom einen millionenschweren Überbrückungskredit, der doppelt so groß ist als zunächst geplant.

Absperrband der Alitalia am Flughafen in Mailand - © © dpa - Antonio Calanni/AP/dpa

Absperrband der Alitalia am Flughafen in Mailand © dpa /Antonio Calanni/AP/dpa

Die marode italienische Fluggesellschaft Alitalia wird nach dem gescheiterten Rettungsversuch unter Fremdverwaltung gestellt. Das entspricht einer Insolvenzverwaltung. Das Ministerium für Wirtschaftliche Entwicklung in Rom gab nun einem Antrag des Managements auf "außerordentliche Sonderverwaltung" statt, wie aus einer Mitteilung hervorging.

Wie erwartet beschloss das Kabinett außerdem einen Brückenkredit mit einer Laufzeit von sechs Monaten, mit dem Alitalia zunächst in der Luft gehalten werden soll. Die Kreditsumme ist aber mit 600 Millionen Euro höher als gedacht.

Zunächst war eine Kreditsumme von rund 300 Millionen Euro im Gespräch gewesen. Den Segen Brüssels braucht die Regierung dafür nicht, da dieser Schritt nicht als staatliche Beihilfe anzusehen sei, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission.

Regierung sucht einen Käufer

Die Regierung ernannte per Dekret außerdem drei Kommissare. Sie müssen nun die Geschicke des seit Jahren in der Krise steckenden Unternehmens lenken - und ausloten, ob Alitalia die Wende schafft oder das Unternehmen aufgelöst werden muss. Die italienische Regierung will einen Käufer für die Krisen-Airline finden und lehnt eine Verstaatlichung der einstigen Staatslinie bislang ab. Der Flugbetrieb laufe weiter wie geplant, hieß es zuvor.

Im April hatte die Belegschaft in einer Abstimmung einen Sanierungsplan mit drastischen Sparmaßnahmen abgelehnt. Die italienischen Aktionäre und die arabische Fluglinie Etihad - der mit Abstand größte Aktionär - hatten daraufhin die im Plan vorgesehene Kapitalerhöhung von zwei Milliarden Euro abgesagt.

Etihad-Chef Hogan unterstützt Management-Entscheidung

Etihad-Chef James Hogan sagte: "Ohne die Unterstützung aller für diese Umstrukturierung sind wir nicht bereit, weiter zu investieren." Gleichzeitig begrüßte Hogan den Schritt des Alitalia-Managements: "Wir unterstützen die notwendige Entscheidung des Vorstandes."

Eine Verstaatlichung der ehemaligen Staats-Fluglinie schloss die Regierung in Rom bislang aus. Sie will einen Käufer für die Krisen-Airline finden. Lufthansa hatte indes in der vergangenen Woche mitgeteilt, kein Interesse an einer Übernahme der Fluggesellschaft zu haben.

Alitalia steckt seit Jahren in der Krise. Low-Cost-Carrier wie Ryanair und Easyjet waren in den vergangenen Jahren massiv auf den italienischen Markt gedrängt und hatten die ohnehin schon schwache Alitalia unter Druck gesetzt. Im Jahr 2015 hatte diese fast 200 Millionen Euro Verlust gemacht.

Experten halten die Perspektive für Alitalia für weitaus schlechter als etwa für die andere Etihad-Europa-Beteiligung Air Berlin - auch weil die italienische Belegschaft als wenig kooperativ gilt. Alitalia beschäftigt 12.500 Mitarbeiter.

© dpa, Soeren Stache Hintergrund: Lage von Alitalia ist nicht mit der von Air Berlin vergleichbar

Von: cs, dpa-AFX

Datum: 03.05.2017 - 14:25

Adresse: http://www.airliners.de/alitalia-management-insolvenzverwaltung/41300