Alitalia-Kommissar fordert neue Investitionen

10.07.2018 - 16:49 0 Kommentare

Italiens neue Regierung befasst sich jetzt mit Alitalia. Ein Sonderverwalter sieht die insolvente Airline auf einem guten Weg. Gleichzeitig drängt er auf eine rasche Entscheidung der Politik.

Alitalia-Maschinen stehen am Flughafen

Alitalia-Maschinen stehen am Flughafen "Leonardo da Vinci" in Rom. © epa ansa Telenews/ANSA/dpa

Die Zukunft der Alitalia rückt in dieser Woche wieder auf Italiens politische Agenda. Am Mittwoch soll laut Presseberichten das erste Treffen zwischen den drei Sonderverwaltern der Airline und Vertretern der neuen Regierung stattfinden. Die Kommissare werden im Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung empfangen, das Vize-Premier Luigi Di Maio, dem Chef der Fünf-Sterne-Bewegung, untersteht.

Im Vorfeld strich einer Kommissare, Luigi Gubitosi, gegenüber der Zeitung "Corriere della Sera" bereits die großen Fortschritte der Alitalia heraus. Er betonte, dass die insolvente Airline auch ohne durchgreifende Umstrukturierung auf dem Wege der Besserung sei.

Vor einem Jahr waren wir das Aschenputtel Europas.

Luigi Gubitosi, Sonderkommissar der Alitalia

Gubitosi ergänzt: "Dieses Jahr haben wir viele Verbesserungen erreicht und der Markt erkennt das an."

Operatives Ergebnis "fast ausgeglichen"

So verweist er auf einen Anstieg der Verkehrserträge um über zehn Prozent im Juni. Auch das Finanzergebnis habe sich deutlich verbessert: "Im zweiten Quartal wird das Ebidta, das 2017 mit rund 100 Millionen Euro im Minus lag, beinahe ausgeglichen sein, und der Verkehrszuwachs Quartal für Quartal beweist, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Der staatliche Überbrückungskredit in Höhe von 900 Millionen Euro sei "fast noch unberührt": Zum 30. Juni seien davon noch 763 Millionen Euro übrig gewesen, weitere 103 Millionen Euro wurden lediglich als Sicherheit bei der Iata hinterlegt.

"Es gibt kein Beschäftigungsproblem"

Auch zum Abbau von Arbeitsplätzen hat der Kommissar eine klare Meinung: "Es gibt kein Beschäftigungsproblem. Heute belaufen sich die Personalkosten bei Alitalia auf etwa 20 Prozent, die Produktivität ist gestiegen, Fehlzeiten wurden reduziert und vor allem wurden die Arbeitsbeziehungen wiederhergestellt."

airliners.de, Gunnar Kruse Lesen Sie auch: Spohr bekräftigt Interesse an Alitalia

Lufthansa als potenzieller Investor forderte dagegen mehrmals eine Umstrukturierung der Alitalia. Laut Presseberichten ist dabei die Streichung von 4000 Arbeitsplätzen vorgesehen - rund die Hälfte der Belegschaft.

Investitionen in die Flotte gefordert

Gubitosi räumt ein, dass noch "strukturelle Eingriffe" nötig seien, um die Zukunft der Alitalia zu sichern. Er spricht aber vor allem von Investitionen: Die Airline benötige jetzt eine längere Perspektive, als sie unter der Sonderverwaltung möglich sei. "Vor allem brauchen wir einen Plan für mindestens fünf Jahre, der Investitionen in die Flotte einschließt, insbesondere auf der Langstrecke, auf der Italien noch unterversorgt ist."

Damit wie geplant bis zum 31. Oktober über eine Neuordnung entschieden werden könne, müsse jetzt gehandelt werden, mahnt der Kommissar die neue Regierung. Sie hat seit Juni noch keine Entscheidung erkennen lassen, wie sie mit Alitalia verfahren will.

Neue Regierung hat sich noch nicht entschieden

Beide Regierungsparteien, die Fünf-Sterne-Bewegung wie die Lega, haben lediglich eine Abneigung gegen ausländische Investoren beim italienischen National Carrier signalisiert. Sogar ein Einstieg des Staates bei der Fluggesellschaft steht im Raum.

"Um die Zukunft zu entscheiden, brauchen wir eine Entscheidung der Wirtschaftspolitik", sagt Gubitosi dazu. Er gibt nur zu bedenken: "Das Luftverkehrsgeschäft benötigt Kapital, und Alitalia war historisch unterkapitalisiert."

Von: pra
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