Alitalia sucht Investor in China

07.09.2018 - 16:11 0 Kommentare

Italiens Regierung hat für die insolvente Alitalia offenbar neue Optionen im Blick: Als Minderheitseigner kommt laut einem Bericht auch Air China in Frage. Easyjet bekräftigt ebenfalls erneut Interesse.

Eine Boeing 777 von Alitalia. - © © AirTeamImages.com - Alex Filippopoulos

Eine Boeing 777 von Alitalia. © AirTeamImages.com /Alex Filippopoulos

Die italienische Regierung sucht derzeit in China nach potenziellen Investoren für die insolvente Fluggesellschaft Alitalia. Wie die Zeitung "Corriere della Sera" berichtete, fanden am Mittwoch in Peking Gespräche mit zwei Unternehmensgruppen statt, darunter Air China.

Der Verhandlungsführer Michele Geraci, Staatssekretär für wirtschaftliche Entwicklung, bewertete die Gespräche gegenüber der Zeitung positiv. "Ich denke, hier in China gibt es eine wichtige Chance."

Regierung sieht strategisches Interesse in China

Alitalia sei für chinesische Unternehmen von Interesse, weil sie ein interkontinentales Drehkreuz zwischen Südeuropa, Afrika und Lateinamerika biete und als einzige europäische Airline eine Beteiligung von bis zu 49 Prozent ermögliche, so Geraci.

"Wir suchen nicht ein Unternehmen, das die Alitalia rettet, sondern das sie wieder in Schwung bringt, an sie glaubt und dort aus strategischen Gründen investiert", erklärte der Staatssekretär.

Keine rein italienische Lösung

Damit scheint eine "rein italienische Lösung" für Alitalia vom Tisch zu sein. Im August wurde über Pläne der Regierung berichtet, die Fluggesellschaft komplett unter drei Staatsunternehmen aufzuteilen - der Post, der Eisenbahngesellschaft FS und der Investitionsbank CDP.

Die FS hat allerdings klar gemacht, sie wolle sich bei Alitalia nur engagieren, wenn es einen soliden Geschäftsplan unter Beteiligung eines Luftfahrtpartners gebe. Das erklärte der Bahn-Chef Gianfranco Battisti am Donnerstag im Interview mit der Wirtschaftszeitung "Il sole 24 ore".

Zugleich bekundete Battisti grundsätzliches Interesse an einer Partnerschaft mit Alitalia, bei der es auch um eine stärkere Verzahnung von Flug- und Zugverkehr gehen soll. Als Ziele nannte er die Anbindung der Flughäfen an das Hochgeschwindigkeitsnetz und ein gemeinsames Ticket für Flüge mit Bahnzubringer.

Salvini will "öffentliche Kontrolle"

Vize-Premier Matteo Salvini bekräftige in einem Interview mit "Il sole 24 ore" am Mittwoch noch einmal, dass die Regierung eine gewisse Kontrolle über Alitalia behalten will. "Wenn der Tourismus ein grundlegendes Gut ist, können wir es uns nicht leisten, den Flag-Carrier zu verkaufen."

Dabei müsse es aber nicht um Verstaatlichung gehen. "Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mehrere Seiten einzubeziehen. Ich bin für einen gesunden Wettbewerb." Was bisher aber gefehlt habe, sei die "öffentliche Kontrolle", so Salvini.

Anfang August hatte die Regierung ein neues Verkaufsverfahren für Alitalia angekündigt. Dabei soll die Beteiligung ausländischer Investoren auf 49 Prozent beschränkt werden.

Easyjet ist weiter interessiert

Mit dieser neuen Vorgabe kann sich Easyjet offenbar abfinden: Der Billigflieger gehörte vor den Wahlen in Italien neben Lufthansa, Wizzair und dem Finanzinvestor Cerberus zu den verbliebenen Kaufinteressenten für Alitalia. Nun hat Airline-Chef Johan Lundgren erneut Interesse bekundet, die Europa-Strecken der italienischen Carriers zu übernehmen.

"Regierung und Staat wollen eine Beteiligung, aber damit bleibt die Sache immer noch offen für potenzielle andere Partnerschaften", sagte Lundgren laut Reuters beim Aviation Festival London. "Darüber sind wir jetzt in Gesprächen."

Von: pra
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