Alitalia-Gewerkschaften lehnen Lufthansa-Angebot ab

17.10.2017 - 13:10 0 Kommentare

Insgesamt sieben Bieter haben verbindliche Angebote für Alitalia eingereicht. Wie Lufthansa will auch Easyjet nur Teile der insolventen Airline. Gewerkschaften und Politik zeigen aber kein Interesse an einer Zerschlagung.

Aufgebrachte Alitalia-Mitarbeiter protestieren 2011 in Rom. - © © dpa -

Aufgebrachte Alitalia-Mitarbeiter protestieren 2011 in Rom. © dpa

Beim Bieten um die insolvente Alitalia muss sich die Lufthansa gegen mehrere Interessenten behaupten. Es seien sieben Einsendungen beim zuständigen Notar eingegangen, die nun von den Sonderverwaltern der Fluggesellschaft geprüft würden, teilte Alitalia nach Ablauf der Bieterfrist am Montagabend mit, ohne weitere Details zu nennen.

Bekannt ist, dass neben der Lufthansa auch Easyjet ein Angebot abgegeben hat. Der britische Billigflieger ist nach eigenen Angaben an "passenden Teilen einer restrukturierten Alitalia" interessiert. Weitere Einzelheiten nannte Easyjet nicht.

Aber auch Lufthansa will nur Teilen der maroden italienischen Airline übernehmen. Der Konzern habe ein Angebot zum Aufbau einer neu strukturierten "NewAlitalia" eingereicht, erklärte die Lufthansa am Montag. Damit habe sich das Unternehmen auch "gegen die Abgabe eines Angebots für die gesamte Airline entschieden", hieß es. Über die Details sei mit den Sonderverwaltern von Alitalia Stillschweigen vereinbart worden.

Gewerkschaften bezeichnen Angebote als "unangemessen"

Nach italienischen Medienberichten soll der Lufthansa-Plan den Abbau von rund 6000 Arbeitsplätzen sowie die Streichung von Kurz- und Mittelstreckenflügen beinhalten. Die italienische Gewerkschaft UGL bezeichnete das Angebot der Lufthansa bereits als "unangemessen".

UGL-Generalsekretär Paolo Capone sagte der Zeitung "Secolo D'Italia" man sei für eine Verlängerung der Bieterfristen. Angebote, die rund 6000 Entlassungen vorsehen, seien nicht akzeptabel. "Dies wäre eine weitere Niederlage für unsere Regierung."

© dpa - Bildfunk, Telenews/epa ansa/dpa Lesen Sie auch: Lufthansa bietet wohl 500 Millionen für Alitalia-Teile

Beschäftigte und die italienische Regierung setzen derweil weiter auf eine Komplettübernahme des Unternehmens. Eine Zerschlagung der Airline soll dem Vernehmen nach verhindert werden. Genau wie starke Einschnitte im Personal.

Verkauf zeiht sich weiter

Verkehrsminister Graziano Delrio hatte bereits bekräftigt, dass die Regierung mehr Zeit für die Prüfung der Angebote haben wolle, weil Alitalia nicht "verscherbelt" werden solle. Alitalia hielt sich in den vergangenen Jahren wie Air Berlin nur mit Geldspritzen der arabischen Etihad in der Luft. Das Unternehmen hat mehr als 11.000 Mitarbeiter.

Bis es zu einer endgültigen Entscheidung dürfte es ohnehin noch dauern. Spekuliert wird, dass eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Airline so lange hinausgezögert wird - und der Staat die Linie so lange am Leben hält -, bis Italien ein neues Parlament wählt. Derzeit wird der 4. März als möglicher Wahltermin gehandelt.

Um den Flugbetrieb zu gewährleisten, hatte das Kabinett am Freitag beschlossen, die Laufzeit des Brückenkredits für die insolvente Fluggesellschaft von November in diesem Jahr auf September 2018 auszuweiten. Auch die Frist für den endgültigen Abschluss des Verkaufsprozesses wurde verschoben: Ende April 2018 soll alles unter Dach und Fach sein.

© dpa, Lesen Sie auch: Warum Air Berlin und Alitalia nur fast vergleichbar sind Hintergrund

Allerdings scheint fraglich, ob es überhaupt jemanden gibt, der Alitalia als Ganzes übernehmen würde - die Fluggesellschaft gilt als unsanierbar. Die Airline schreibt seit Jahren Verluste und ist zum Kauf ausgeschrieben. Sie war im Mai unter kommissarische Aufsicht gestellt worden, nachdem ein Sanierungsplan für die verschuldete Fluggesellschaft gescheitert war, der Lohnkürzungen und Stellenstreichungen vorsah.

Von: dh mit dpa, AFP
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