Gewerkschaften pokern zu hoch

Alitalia droht nach gescheiterten Übernahmegesprächen das Aus

03.04.2008 - 15:21 0 Kommentare

Der italienischen Fluggesellschaft Alitalia droht das Aus. Die Übernahmegespräche mit der angeschlagenen Airline seien gescheitert, teilte die französisch-niederländische Konkurrentin Air France-KLM am Mittwochabend mit. Die Gewerkschaften bei Alitalia hätten nach monatelangen Verhandlungen einen neuen Vorschlag unterbreitet, der "unvereinbar" mit den bislang formulierten Zielen sei. Der scheidende italienische Regierungschef Romano Prodi warf den Gewerkschaften einen "großen Fehler" vor. Alitalia-Chef Maurizio Prato trat umgehend zurück.

Die italienischen Gewerkschaften hätten am Mittwoch einen "neuen Verhandlungsrahmen" vorgelegt, der die seit Herbst geltende Gesprächsgrundlage völlig verändert habe, erklärte Air France-KLM. Die Verhandlungsführer des franko-niederländischen Konzerns hätten dafür kein Mandat vom Aufsichtsrat gehabt. Außerdem sei es nicht sinnvoll, Unternehmensbereiche beizubehalten, die "große Verluste" machten, wie es die Gewerkschaften forderten; dies sei "unvereinbar mit dem Ziel, schnell wieder rentabel zu werden". Air France-KLM wollte im Falle einer Übernahme 2100 von rund 11.000 Alitalia-Mitarbeitern entlassen.

In der italienischen Presse wurde das Scheitern der Fusion mit "Chaos" und "Selbstmord" kommentiert. Der zurückgetretene Konzernchef Prato, der die Stelle erst im August angetreten hatte, wurde in der Presse mit den Worten zitiert, Alitalia sei "verflucht". Nur ein "Exorzist" könne das Unternehmen noch retten. Auch der Chef des italienischen Wirtschaftsverbandes Confcommercio, Carlo Sangalli, flüchtete sich in religiöse Vergleiche: "Da ich katholisch bin, glaube ich an Wunder", sagte er der Nachrichtenagentur ANSA. Die Lage sei aber "schwierig oder sogar beklemmend". Die Alitalia macht derzeit täglich eine Million Euro Verlust.

Der italienische Wirtschaftsminister Tommaso Padoa-Schioppa hatte am Mittwoch vor einem schmerzvollen Unternehmensumbau gewarnt, wenn die Fusion scheitern sollte. Die früheren Pleiten der Schweizer Fluggesellschaft Swissair und der belgischen Sabena vermittelten "eine Vorstellung vom düsteren Szenario" eines Konkursverfahrens, sagte er.

Gewerkschaftsführer Raffaele Bonanni forderte Prato in der Zeitung "La Stampa" auf, seinen Rücktritt zurückzunehmen. Er beklagte sich darüber, dass Air France-KLM den Gewerkschaften keine Wahl gelassen habe. Regierungschef Prodi solle auf die Unternehmensgruppe und ihren Chef Jean-Cyril Spinetta einwirken, damit sie zu "ernsthaften" Verhandlungen an den Tisch zurückkehrten.

Italiens rechtsgerichteter Oppositionsführer und früherer Regierungschef Silvio Berlusconi, der sich seinerseits um eine Lösung für Alitalia bemüht, reagierte zunächst nicht. Er hatte wiederholt angedeutet, die Airline durch italienische Investoren retten zu wollen. Handfeste Vorschläge machte er bislang aber nicht. Berlusconi hofft offenbar, bei der Parlamentswahl in zehn Tagen zu punkten und Prodis Mitte-Links-Regierung abzulösen. Am Donnerstag wollte der Aufsichtsrat der Alitalia über das weitere Vorgehen beraten.

Lufthansa zeigt weiterhin kein Interesse an Alitalia

Auch nach dem Scheitern der Verhandlungen für eine Übernahme der Fluggesellschaft Alitalia durch Air France-KLM zeigt die Deutsche Lufthansa kein Interesse an einem Einstieg. «Unsere Einschätzung hat sich nicht verändert», sagte eine Sprecherin am Donnerstag in Frankfurt. Sie verwies dabei auf die Entscheidung von Dezember, wonach Lufthansa sich nicht am Bieterverfahren für Alitalia beteiligte. Damals war unter anderem argumentiert worden, bei einer Übernahme der schwer angeschlagenen Alitalia drohe die Bonitätseinstufung der Lufthansa zu sinken. Den italienischen Markt hatte Lufthansa aber wiederholt als interessant eingestuft.

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Von: AFP
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