Airportchef: Hamburg durchläuft Wachstumsdelle

18.12.2018 - 08:49 0 Kommentare

Der Flughafen Hamburg meldet für 2018 gesunkene Passagierzahlen. Helfen könnten neue Langstrecken - doch weiterer interkontinentaler Verkehr ist weiterhin nicht in Sicht.

Michael Eggenschwiler, Geschäftsführer des Hamburger Flughafens - © © dpa - Sina Schuldt

Michael Eggenschwiler, Geschäftsführer des Hamburger Flughafens © dpa /Sina Schuldt

Ungewohnte Situation für den Hamburger Airport: Nach Jahren stetigen Passagierwachstum erwartet das Management bis Ende des laufenden Jahres rund 2,2 Prozent weniger Fluggäste im Vergleich zu 2017. "Wir gehen von 17,23 Millionen Ein- und Aussteigern bis Ende Dezember aus", legte sich Airportchef Michael Eggenschwiler auf der Jahresabschlusssitzung des norddeutschen Luftfahrt-Presseclubs gegenüber den 30 teilnehmenden Mitgliedern fest. 2017 verzeichnete der Airport noch 17,62 Millionen Flugreisende - also knapp 400.000 mehr.

Grund für die Delle seien die Pleite von Air Berlin, der Verlust von Niki-Flügen sowie die Halbierung der Easyjet-Flotte, die in Hamburg stationiert war. Dieser Verkehrsverlust sei "kurzfristig nicht kompensierbar" gewesen, so Eggenschwiler. Getrübt werde die Stimmung auch durch den definitiven Weggang von United Airlines, die bisher saisonal (im Sommer) die Strecke Hamburg-New York bediente.

Airlines in Hamburg
Angaben in Prozent
Eurowings 31.7
Lufthansa 19.0
Ryanair 7.6
Easyjet 4.2
Condor 3.8
Swiss 3.6
Emirates 3.1
Übrige Airlines 27.0

Die Grafik zeigt die prozentuale Verteilung der vom Flughafen Hamburg aus angebotenen Sitzplatzkapazitäten im laufenden Winterflugplan. "Übrige Airlines" sind jene mit jeweils weniger als drei Prozent Anteil. Angaben gerundet. Quelle: ch-Aviation

Fehlende Langstrecken sind ein thematischer Dauerbrenner des Flughafens. Mit Ausnahme der zweimal täglich durchgeführten Dubai-Flüge von Emirates herrscht auf diesem Sektor Ebbe. Das werde auch im kommenden Jahr so bleiben, da interkontinentale Routen einer längerfristigen Vorbereitung durch Airlines bedürfen, sagte der Flughafenchef.

Mit A321-Neo-LR-Kunden im Gespräch

Ein Hoffnungsschimmer am Horizont sind Eggenschwilers Worten zufolge Flugzeugtypen wie die für rund 200 Gäste ausgelegte A321 Neo LR (Long-Range), die es nonstop von Hamburg zu Zielen an die Ostküste der USA schafft. Man sei in direktem Kontakt mit einigen Airlines, die dieses Airbus-Modell oder vergleichbare Boeing-Produkte einflotten wollen. Die Vorbereitungszeit für Langstreckenverkehre betrage mindestens ein Jahr, so der Flughafenchef.

Eggenschwiler beklagte zudem, dass die Hamburger zwar gern reisten und sich in der Welt auskennen würden, doch in der Welt kennten zu wenige Hamburg. Es müsse von der Wirtschaft, Verbänden und Politik mehr getan werden, um Deutschlands zweitgrößte Stadt auf die internationale Landkarte zu bringen, forderte der Manager. Die Elbphilharmonie habe große Strahlkraft, aber "ein Leuchtturm allein reiche nicht".

Weniger Verspätungen

Als positiv bewertete Eggenschwiler den Rückgang der Verspätungen, also von Flügen zwischen 23 und 24 Uhr. So waren im November 30 Flüge verspätet, während im September noch 125 zu spät landeten und im Oktober immerhin noch 96. Gespräche mit Vertretern von Airlines, Flugplanumstellungen und die Einplanung größerer Pufferzeiten, um im Laufe des Tages bei Umläufen aufgebaute Verspätungen zu kompensieren, hätten sich positiv ausgewirkt.

Gegen Wetterkapriolen, Fluglotsenstreiks oder anderer externer Einflüsse auf den Luftverkehr gebe es für einen Flughafen aber wenig Handlungsspielraum. Zugleich wies er darauf hin, dass der seit 20 Jahren anhaltende Trend zu geringeren Lärmemissionen dank des Einsatzes moderner Flugzeuge auch 2018 weiter gesunken sei - um 4,9 Prozent gegenüber 2017.

Eggenschwiler antwortet Teckentrup-Kritik

Was 2019 betrifft, geht der Flughafenchef wieder von anziehenden Passagierzahlen aus. "Unser Ehrgeiz ist es, erstmals die Schwelle von 18 Millionen zu überschreiten." Zugleich kündigte er eine Erhöhung der Entgelte von 55 Cent je abfliegendem Passagier an. Trotz dieser Maßnahme "bleibt Hamburg der drittgünstigste Flughafen unter den größeren deutschen Airports".

Diesbezüglich wies er Vorwürfe von Condor-Chef Ralf Teckentrup zurück. Dieser hatte als Präsident des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) kritisiert, dass Hamburg zu viel und zu teure Infrastruktur aufbaue, mit den Airlines als ultimativen Kostenträgern. Kritik, die nicht nur von Eggenschwiler auf der LPC-Sitzung zurückgewiesen wurde:

© AirTeamImages.com, Mehrad Watson Lesen Sie auch: Behörde weist Kritik an Hamburgs Flughafenausbau zurück

Von: Heiner Sigmund für airliners.de
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