Der schwierige Weg des Airport Hahn

24.03.2016 - 16:12 0 Kommentare

Seit einem Jahr läuft der Verkauf des Flughafens Hahn - bisher ohne Erfolg. In der Zwischenzeit muss der Airport einige Rückschläge verkraften. Aber es gibt auch Grund für Optimismus.

Eine Flugzeugtreppe steht auf dem Gelände des Flughafens Frankfurt-Hahn. - © © dpa - Fredrik von Erichsen

Eine Flugzeugtreppe steht auf dem Gelände des Flughafens Frankfurt-Hahn. © dpa /Fredrik von Erichsen

Vor rund einem Jahr ist der Verkauf des Flughafens Frankfurt-Hahn gestartet. Bislang ist für den defizitären Airport noch kein privater Investor gefunden worden. Die Verhandlungen würden weiter laufen, sagt ein Sprecher des rheinland-pfälzischen Innenministeriums jetzt auf Anfrage von airliners.de. Weitere Details wollte er aber nicht nennen. Der Hunsrück-Airport gehört derzeit zu 82,5 Prozent Rheinland-Pfalz, die restlichen 17,5 Prozent besitzt Hessen.

Seit dem Verkaufsstart vor einem Jahr ist am Flughafen Hahn einiges passiert. So sorgt der Wegfall des größten Frachtkunden Yangtze River Express für Einbrüche bei der Fracht. Für das vergangene Jahr hat der Airport beim Cargo-Aufkommen einen Rückgang um fast 40 Prozent auf knapp 80.000 Tonnen registriert. Als Grund nennt der Flughafen eben jenen Rückzug von Yangtze, die nach München gewechselt ist.

Der Hunsrück-Airport

Der Flughafen Hahn ist ein ehemaliger US-Militärflughafen. Er liegt etwas mehr als 90 Kilometer Luftlinie von Deutschlands größtem Airport in Frankfurt entfernt. Als ein gutes Verkaufsargument für den Hunsrück-Airport gilt zum Beispiel die 24-Stunden-Betriebsgenehmigung.

Ein weiterer Rückschlag kommt von Ryanair. Die irische Airline hebt seit 1999 vom Hahn ab und ist größter Kunde am Platz, sie verringert jedoch ihr Engagement am Hunsrück-Airport. Der Lowcost-Carrier Airline hatte angekündigt, eine der sechs Maschinen am Hahn abzuziehen. Ryanair setzt in Deutschland derzeit zwar auf einen Wachstumskurs - aber eben nicht am Flughafen in Rheinland-Pfalz.

Immerhin hat der Hahn seine Passagierzahlen im vergangenen Jahr gesteigert. Die rund 2,67 Millionen Fluggäste entsprechen einem Zuwachs von neun Prozent. Gleichzeitig ist damit wieder das Niveau von 2013 erreicht. Und auch bei der Fracht gibt sich der Airport optimistisch: Mit Etihad als neuem Kunden rechne man, dass es 2016 wieder aufwärts gehe mit dem Cargo-Geschäft, heißt es.

Passagiere und Fracht am Flughafen Hahn
Passagiere in Millionen Fracht in Tonnen
Jahr 2005 3079528 107305
Jahr 2006 3705088 123165
Jahr 2007 4015155 125049
Jahr 2008 3940585 179375
Jahr 2009 3793958 174664
Jahr 2010 3493629 228547
Jahr 2011 2894363 286416
Jahr 2012 2791185 207520
Jahr 2013 2667529 152503
Jahr 2014 2447258 132638
Jahr 2015 2665255 79661

Quelle: Flughafen Hahn

Finanziell schreibt der Airport jedoch weiter rote Zahlen. Für die Geschäftsjahre 2015 und 2016 rechnet Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro (SPD) mit einem Defizit von jeweils 16 Millionen Euro. Im Jahr 2014 hatte das Minus sogar 45,2 Millionen Euro betragen, allerdings einschließlich Sonderabschreibungen. Bei den wirtschaftlichen Kennziffern sei eine positive Entwicklung erkennbar, stellt Airport-Chef Markus Bunk fest.

"Wir dürfen nicht nachlassen, den Standort für unsere Frachtkunden, aber auch für unsere Passagiere zukunftsfähig und attraktiv zu gestalten", so Bunk weiter. Er sieht auch nach dem Abschluss des laufenden Privatisierungsprozesses eine Herausforderung. Sobald ein neuer Partner gefunden sei, müsse man sich aneinander gewöhnen, so Bunk.

© dpa, Fredrik von Erichsen Lesen Sie auch: Politik schätzt Verkauf des Flughafens Hahn unterschiedlich ein

Auch wenn nichts offiziell ist, gibt es derzeit drei bestätigte potentielle Käufer. Diese würden den Hahn als Airport für Passagiere und Fracht weiterführen wollen, sagt Innenstaatssekretär Randolf Stich (SPD). Unter den Interessenten soll sich die chinesische HNA Gruppe befinden - ein milliardenschwerer Großkonzern, der international unter anderem im Hotel- und Tourismusgeschäft sowie im Flughafenmanagement aktiv ist.

Ein Medienbericht hatte neulich einen vierten Kandidaten genannt. Er soll aus dem arabischen Raum kommen, hieß es aus informierten Kreisen. Einem der Interessenten werden Verbindungen zum US-Online-Riesen Amazon unterstellt, wie der rheinland-pfälzische CDU-Fraktionsvize Alexander Licht sagt. Belege für ein größeres Engagement im Hunsrück gibt es aber bisher nicht.

Von: ch
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