Airport-Chefs stellen sich gegen Lufthansa-Plan

05.10.2018 - 08:55 0 Kommentare

Vor dem Luftfahrtgipfel wenden sich die Chefs der vier größten deutschen Airports in einem Brief an den Bundeswirtschaftsminister. Die Forderung: Dem Lufthansa-Plan nach einer Slot-Reduzierung eine Absage erteilen.

Die Chefs der vier größten deutschen Flughäfen haben sich in einem Brief an Bundesverkehrsminister Scheuer gewandt. - © © airliners.de -

Die Chefs der vier größten deutschen Flughäfen haben sich in einem Brief an Bundesverkehrsminister Scheuer gewandt. © airliners.de

Die Flughafenchefs der vier größten deutschen Airports aus Frankfurt, München, Berlin und Düsseldorf haben sich im Vorfeld des Luftfahrtgipfels in Hamburg an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gewandt. In einem gemeinsamen Brief, der airliners.de vorliegt, äußern Stefan Schulte, Micheal Kerkloh, Engelbert Lütke Daldrup und Thomas Schnalke ihr Unverständnis für die vom Lufthansa-Management vorgeschlagenen Reduzierungen der Tageseckwerte an ihren Flughäfen. Gleichzeitig bitten sie die Politik, auf Vorschläge einzelner Akteure zur Wiederherstellung der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit zu verzichten.

In einem ersten Schritt fordern sie die Politik auf, den folgenden Passus im Maßnahmenkatalog für den Luftverkehrsgipfel zu streichen. "Die Bundesregierung wird die Verspätungssituation am Ende der Saison im Detail auswerten und bei Flughäfen mit zentraler Slot-Koordinierung überprüfen, ob und inwiefern die zugrunde liegenden Koordinierungs-Eckwerte Einfluss auf die jeweilige Verspätungssituation haben."

Gleichzeitig äußern die vier Airport-Chefs den Wunsch, dass sich die Politik auch weiterhin für den Kapazitätsausbau einbringe. Dazu solle dieser Satz im Maßnahmenkatalog ergänzt werden: "Die Bundesregierung wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass eine bedarfsgerechte Erweiterung der Flughafenkapazitäten erfolgt."

Warnung vor "interessengeleitete Forderungen"

In einem zweiten Schritt bitten sie das Bundeswirtschaftsministerium, "die Anträge der Lufthansa zur Anpassung der Koordinationseckwerte an den Flughäfen Düsseldorf, Frankfurt, München und Tegel abzulehnen". Als Begründung heißt es, dass die vorgeschlagenen Tageseckwerte intransparent seien, unterhalb der tatsächlichen Bewegungen an den Standorten lägen und an den einzelnen Standorten an mehreren Tagen im Jahr zum Teil deutlich übertroffen würden.

Die Flughafen-Chefs warnen: Sollte der Vorschlag tatsächlich umgesetzt werden, müsste der Flughafenkoordinator bereits zugeteilte Slots mit historischen Rechten den Airlines entziehen, was den gültigen Rechtsvorlagen zur Slot-Vergabe widerspreche und zu einer Klagewelle führen würde.

Weiter heißt es, dass eine Absenkung der aktuellen Koordinierungseckwerte ein dramatisches Zeichen der Politik wäre, da bereits heute Projekte zur Erweiterung der Flughafenkapazität nur mit großen Schwierigkeiten umzusetzen seien. Die nötigen Kapazitäten seien nur mit Unterstützung der Politik umzusetzen und "interessengeleitete Forderungen einzelner Akteure dürfen diese mittel- bis langfristig angelegten Aufgaben nicht beeinträchtigen".

Lufthansa-Chef Carsten Spohr fordert Slot-Reduzierung

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte vorgeschlagen, die stündlich erlaubten Starts und Landungen an den vier verkehrsreichsten deutschen Airports zu reduzieren. Konkret beinhaltet der Vorschlag des Kranichs folgende Lösung.

In Frankfurt sollen noch 102 statt 104 Flugbewegungen pro Stunde erlaubt sein, und in München würde sich die Zahl von 90 auf 88 reduzieren. Gleichzeitig sollen Tageseckwerte eingeführt werden: 1560 tägliche Starts und Landungen in Frankfurt und 1260 für München.

Für Berlin und Düsseldorf fordert der Kranich zwar "keine Absenkung je Stunde", dafür sollen aber ebenfalls die Tageseckwerte gedeckelt werden. In Berlin-Tegel sollen noch 690 Starts und Landungen am Tag erlaubt sein und für Düsseldorf schlägt die Lufthansa maximal 590 Flugbewegungen vor.

Experten sehen taktisches Manöver der Lufthansa

Luftfahrtexperten sehen in der geforderten Slot-Reduzierung ein rein taktisches Manöver der Lufthansa mit dem Ziel, der Konkurrenz den Marktzugang zu erschweren. "Sie hat an Slots, was sie braucht, und sichert sich notfalls weitere interessante Slots durch Einsatz kleinerer Flugzeuge. Flughafenausbau befürwortet sie nur, wenn es ihren eigenen Erfordernissen entspricht", so Luftfahrtexperte Manfred Kuhne.

Von: br
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