Airlines wollen Verschärfung von EU-Flughafenentgeltrichtlinie

17.07.2019 - 09:10 0 Kommentare

Die Interessenverbände der Fluggesellschaften sehen in der gegenwärtigen Entgelt-Politik insbesondere der großen Flughäfen eine Marktmacht, die der Branche schadet. Das sehen die Flughäfen natürlich anders.

Flughafen Frankfurt - © © Fraport -

Flughafen Frankfurt © Fraport

Sowohl der Airline-Verband "Airlines for Europe" (A4E) als auch die Iata mahnen die EU, ihre Flughafenentgeltrichtlinie (ACD) weiterzuentwickeln und so die Verbraucherrechte zu stärken. Die ACD gilt für alle Flughäfen mit mehr als fünf Millionen Passagieren und zielt darauf ab, das Gleichgewicht der Verhandlungsmacht zwischen Fluggesellschaften und Flughäfen zu gewährleisten.

Für die Interessenverbände der Fluggesellschaften wird anhand der nun veröffentlichten Evaluation der Richtlinie klar, dass dem Risiko des Missbrauchs von Marktmacht auf Flughäfen, insbesondere für die größten EU-Flughäfen, mit der ACD nicht wirksam begegnet werde. Laut A4E könnten einige Flughäfen immer noch "Preise und Bedingungen diktieren, die sie auf einem wettbewerbsorientierten Markt niemals erreichen würden."

Der EU-Richtlinie fehle es an detaillierten Anforderungen an die Flughäfen und an die zuständigen Regulierungsbehörden. Diese hätten daher nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, bei Bedarf einzugreifen, um Missbrauch zu verhindern.

© A4E, Lesen Sie auch: Fünf größte europäische Airlines gründen neuen Verband

Der EU-Bericht stelle zudem fest, dass die überhöhten Gebühren, die aus der Marktmacht der großen Flughäfen resultierten zu höheren Kosten für die Fluggesellschaften und damit zu langfristigen Nachteilen für die Passagiere in Bezug auf Auswahl und Erschwinglichkeit führe. A4E fordere die Kommission daher auf, die Richtlinie so schnell wie möglich zu reformieren.

ADV sieht genügend Marktmacht bei den Fluggesellschaften

Das sieht der deutsche Flughafenverband ADV anders: "Obwohl der Evaluationsbericht keinen Missbrauch von Marktmacht oder überhöhte Preise festgestellt hat, überrascht es, dass die EU-Kommission an ihrem Vorhaben zu einer Revision der Richtlinie festhält," teilte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel auf Anfrage von airliners.de mit.

Die in dem Bericht dargelegten Einschätzungen zur Marktmacht der Airlines und zur Rolle der Genehmigungsbehörden könnten aus deutscher Sicht nicht nachvollzogen werden. Die Kommission folge in dem Bericht zwar der Sicht von A4E, jedoch würden andere Studien ein deutliches anderes Bild von der Situation zeichnen.

So habe eine Untersuchung von Copenhagen Economics belegt, dass die Airlines in Europa und insbesondere in Deutschland über Marktmacht verfügen. Änderungen an der Richtlinie und dem bewährten deutschen Genehmigungssystem für Flughafenentgelte wären daher nicht angebracht, argumentiert der Verbandschef. Man bedauere, dass die Argumentation der Flughäfen im Bericht des Gutachters kaum Beachtung gefunden hätte.

© Airline-Webseiten, Screenshot-Kollage airliners.de Lesen Sie auch: Was kostet eigentlich ein Flug? (1) Aviation Management

Von: dk
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