Airlines sichern sich beim Ölpreis ab

22.05.2018 - 07:14 0 Kommentare

Der Kerosinpreis hängt direkt vom Ölpreis ab. Doch obwohl die Kosten für den Rohstoff nun wieder anziehen, müssen Airlines vorerst nicht mit Mehrbelastungen rechnen. Das Beispiel Lufthansa zeigt, wieso.

Ein Flugzeug wird betankt: Fuel-Hedging sichert Airlines vor einem zu stark steigenden Ölpreis. - © © dpa - Andreas Gebert

Ein Flugzeug wird betankt: Fuel-Hedging sichert Airlines vor einem zu stark steigenden Ölpreis. © dpa /Andreas Gebert

Eine kurzfristige Verteuerung des Ölpreises ist keine große Belastung für viele Airlines. Denn auch wenn der Preis für Kerosin an den Rohölpreis gekoppelt ist und letzterer aktuell steigt: Viele Fluggesellschaften sichern sich den benötigten Treibstoff bereits im Voraus zu einem garantierten Preis, sagt Michael Santo von der Unternehmensberatung H&Z.

Dieses sogenannte Fuel-Hedging sichert den Kraftstoff zu einem bestimmten Preis x für die Zukunft - allerdings kostet Hedging auch Geld. Doch können hier ganz klar die Vorteile überwiegen, betont Santo: "Die Preisabsicherung ist wie eine Art Versicherung; sprich ich sichere mir als Airline in der Zukunft ein Preisniveau und erhalte dadurch Planungssicherheit für die Kostenseite."

Vor- und Nachteil von Fuel-Hedging

Wenn sich der Ölpreis, und im Gleichschritt der Kerosinpreis, nach unten bewegt, haben Airlines mit Fuel-Hedging zeitweise natürlich höhere Kosten, als jene Fluggesellschaften ohne diese Absicherung. Wenn sich der Ölpreis hingegen nach oben bewegt, sind Airlines über Fuel-Hedging abgesichert und sparen mitunter viele Millionen ein.

Ölpreis

Der Ölpreis hat in den vergangenen Tagen ordentlich angezogen. Ein Fass der Nordseesorte Brent hat sich vergangene Woche erstmals seit Dezember 2014 auf über 80 Dollar verteuert. US-Banken rechnen gar schon mit Preisen von 90 oder 100 Dollar.

Darstellung: airliners.de

Hauptgrund dürfte die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump sein, den Iran mit neuen Sanktionen zu belegen. Infolgedessen muss die Öl-Branche ihre Deals in dem persischen Land überdenken. Unter anderem stoppte Konzern Total ein Milliardenprojekt, das in der Vergangenheit ebenfalls dazu beitrug, das der Rohstoffpreis immer weiter sank.

Wie viel des benötigten Treibstoffs eine Airline vorab hedgt, bleibt natürlich ihr selbst überlassen - die Mengen sind immer auch abhängig von der Risikobereitschaft. Bei Condor sichert man sich "vor Anfang der Saison 80 Prozent des benötigten Kraftstoffs", heißt es auf Anfrage. Der Lufthansa-Konzern hingegen gestaltet Fuel-Hedging flexibel, wenn auch immer 24 Monate im Voraus: "Um an einem eventuellen Preisverfall möglichst weitreichend zu partizipieren, wird nur ein begrenzter Schutz vor einem Preisanstieg in Kauf genommen", so ein Konzernsprecher zu airliners.de.

Die Grafik zeigt den prozentualen Anteil des gehedgten Treibstoffs in den jeweiligen Monaten (X-Achse) nach Einkauf. Quelle: Geschäftsbericht Lufthansa Group, Darstellung: airliners.de

"Kraftstoffmanagement inklusive Fuel-Hedging ist insbesondere bei einigen Legacy-Carriern absolute Königsdisziplin", erklärt Santo. Dabei will sich natürlich keine Fluggesellschaft beim Fuel-Hedging mehr als nötig in die Karten schauen lassen. Doch: "Man kann sich sicher sein, dass dies neben dem Netzwerkmanagement die Paradedisziplin bei den Airlines ist - ausgerüstet mit hervorragenden Ressourcen und immer stark im Fokus der Chefs."

Lufthansa tankte 2017 für über fünf Milliarden Euro

Immerhin wird hier mit horrenden Summen jongliert, die durchaus eine entscheidende und profitabilitätskritische Funktion inne haben. Ein Beispiel: Der Lufthansa-Konzern hat 2017 für 5,2 Milliarden Euro rund 10 Millionen Tonnen getankt. Fiele oder stiege der Ölpreis im laufenden Jahr um zehn Prozent, könnte das den Treibstoffaufwand der Group um zwischen 265 und 284 Millionen Euro beeinflussen - da sind Effekte des Hedgings bereits einkalkuliert.

Gerade bei Lufthansa könnte ein langfristig steigender Ölpreis das Wachstum der vergangenen Jahre auf eine harte Probe stellen, so Santo. "Denn der Rohölpreis war in der Vergangenheit konstant auf einem niedrigen Niveau und hat dadurch das Ergebnis immer wieder stark beeinflusst." Daher gilt für den Experten:

Für ein langfristig und nachhaltiges Geschäftsmodell halte ich ein vernünftiges Kraftstoffmanagement incl. Hedging für unabdingbar.

Michael Santo, Luftfahrtexperte der Unternehmensberatung H&Z
Von: cs
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Lufthansa-Chef Carsten Spohr Spohr bekräftigt Interesse an Alitalia

    Lufthansa-Chef Spohr macht nach der Regierungsbildung in Italien per Brief klar, dass sein Konzern weiterhin Interesse an Alitalia hat. Aber es müssten Bedingungen erfüllt werden, sagt auch Hub-Chef Hohmeister.

    Vom 27.06.2018
  • Johan Lundgren. Easyjet weiter an Alitalia interessiert

    Das Interessenfeld um die italienische Alitalia hat sich noch nicht ganz gelichtet: Neben Lufthansa ist auch Easyjet weiterhin interessiert. Man beobachtet die aktuellen Entwicklungen ganz genau.

    Vom 24.07.2018
  • Alitalia-Maschinen stehen am Flughafen "Leonardo da Vinci" in Rom. Alitalia-Kommissar fordert neue Investitionen

    Italiens neue Regierung befasst sich jetzt mit Alitalia. Ein Sonderverwalter sieht die insolvente Airline auf einem guten Weg. Gleichzeitig drängt er auf eine rasche Entscheidung der Politik.

    Vom 10.07.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »