Airlines spüren weiter die Folgen des Brexit-Referendums

07.07.2016 - 16:25 0 Kommentare

Die Aktienkurse europäischer Fluggesellschaften haben sich auch zwei Wochen nach dem Brexit-Votum nicht wirklich erhohlt. Unter Druck sind dabei auch die Papiere deutscher Gesellschaften - aus verschiedenen Gründen.

Flugzeuge am Köln/Bonn Airport. - © © Flughafen Köln/Bonn -

Flugzeuge am Köln/Bonn Airport. © Flughafen Köln/Bonn

Die Aktienkurse der wichtigsten europäischen Fluggesellschaften haben sich auch zwei Wochen nach dem Brexit-Votum in Großbritannien noch nicht wieder erholt. Direkt nach Bekanntwerden der Abstimmungsergebnisse hatten die Papiere der wichtigen europäischen Fluggesellschaften zum Teil deutlich nachgegeben.

Die größten Börsen-Verlierer sind dabei auch weiterhin die britischen Gesellschaften. So haben die Papiere von Easyjet und der International Airline Group (IAG), zu der neben British Airways auch Iberia, Vueling und Aer Lingus gehören, nach der Abstimmung je rund ein Drittel an Wert eingebüßt.

Easyjet und IAG hatten ihre Gewinnprognosen in der Woche nach dem Referendum gekappt - wobei sich die Begründungen jeweils ähnlich lesen: Der Umsatz dürfte in Folge der Unsicherheit in diesem Sommer deutlich zurückgehen. Erste Anzeichen für einen Nachfragerückgang gibt es bereits.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Brexit wirbelt europäischen Luftverkehr durcheinander

Zudem macht sich der gesunkene Wert des Britischen Pfund im Vegleich zum Dollar negativ bemerkbar. Der Sterling hatte nach dem Brexit rund zehn Prozent gegenüber der Luftfahrt-Leitwährung verloren. Fluggesellschaften müssen etwa beim Kerosineinkauf in Dollar rechnen - ein Problem, wenn man Tickets in einer schwächeren Währung verkauft.

Aktienkurse von EU-Airlines weiter im Minus

Die politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten rund um den angekündigten EU-Austritt Großbritanniens haben aber auch Auswirkungen auf die Börsenkurse nicht-britischer EU-Fluggesellschaften. So steht die Ryanair-Aktie immer noch rund 18 Prozent unter dem letzten Wert vor dem Brexit-Votum. Rund 40 Prozent der Kapazitäten entfallen bei der irischen Billigairline auf Großbritannien.

Deutlich weniger groß ist der Großbritannien-Anteil bei anderen EU-Fluggesellschaften. In der Lufthansa-Group etwa entfallen rund sechs Prozent der Kapazitäten auf Sitze von und nach Großbritannien. Dennoch zeigen die Kursverluste bei der Lufthansa Group und anderen börsennotierten EU-Airlines die anhaltenden Marktunsicherheiten sehr deutlich:

Kursentwicklung europäischer Airlineaktien nach Brexit-Votum
Kursentwicklung in Prozent
(24.06./07.07.2016)
Easyjet -32.8
IAG -32.6
Wizz Air -26.4
Ryanair -18.4
Lufthansa -14.0
Air France/
KLM
-13.4
Air Berlin -5.6

Stand: 07.07.2016, Quelle: eigene Recherche

Aber selbst nicht direkt betroffene Airlines leiden unter den Folgen des Referendums. So hat die britische Investmentbank HSBC jetzt das Kursziel für Air Berlin, derzeit für rund 70 Cent gehandelt, von 0,10 auf 0,01 Euro gesenkt und die Einstufung auf "reduce" belassen. Dabei fliegt Air Berlin nicht einmal von und nach Großbritannien.

Begriffsbestimmung: Viele Analysehäuser nennen Kursziele für die Aktien oder Indizes, die von ihnen beobachtet werden. Damit wird der Kurs angegeben, den die Aktie oder der Index nach Einschätzung des betreffenden Hauses erreichen wird. Mit "reduce" oder "underperforming" werden Papiere eingeschätzt, deren Kurssteigerung aus Sicht der Analysten unter dem Durchschnitt liegt. Die Kategorie "reduce" liegt über "sell" (verkaufen).

Auf dem deutschen Billigfliegermarkt würden allerdings nach der Brexit-Entscheidung höhere Kapazitäten erwartet, so ein Analyst der Bank in einer Studie. Ryanair habe bereits signalisiert, Geschäft aus Großbritannien nach Kontinentaleuropa zu verschieben. Das habe Auswirkungen auf die ohnehin finanziell angeschlagene zweitgrößte deutsche Airline.

© dpa, Thomas Frey Lesen Sie auch: Ryanair will neue Flugzeuge nach Brexit in Kontinentaleuropa stationieren

Von: dh
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