Forderung nach weniger Einmischung

Airline-Weltverband lehnt Staatshilfen ab

18.11.2008 - 19:50 0 Kommentare

Die Luftfahrtbranche hält sich beim Ruf nach staatlicher Hilfe bisher zurück. "Wir bitten nicht um Rettungspakete oder darum, dass sich die Regierungen mehr in unser Geschäft einmischen', sagt Giovanni Bisignani, Chef des Airline-Weltverbandes International Air Transport Association (IATA) der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstagausgabe). Gleichzeitig fordert der Verband erneut für Europa einen vereinheitlichten Luftraum.

IATA Chef Giovanni Bisignani. - © © IATA -

IATA Chef Giovanni Bisignani. © IATA

In den vergangenen Wochen hat allerdings die argentinische Regierung zum Missfallen von Konkurrenten und Branchenverband in einer Notaktion die bis dahin private Aerolineas Argentinas verstaatlicht. "Das ist nicht die Lösung, die wir wollen", so Bisignani.

Stattdessen fordert er, alte Fesseln zu lockern und Fusionen und Übernahmen unter den Airlines durch liberalere internationale Regelungen zu erleichtern. Dadurch würden die Unternehmen wettbewerbsfähiger. Weil Streckenrechte in vielen Teilen der Welt immer noch an die Besitzverhältnisse gekoppelt sind, ist die Konsolidierung der Branche bislang nur sehr langsam vorangekommen.

Single European Sky

Für Europa fordert die IATA zudemerneut die Schaffung eines „Single European Sky“ (SES) bis zum Jahr 2012. „Nach Jahrzehnten von Gesprächen und nur wenigen Handlungen ist es die größte ökologische Peinlichkeit Europas, keinen effektiven Single European Sky errichtet zu haben“, sagte Bisignani in einer Grundsatzrede während des European Air Transport Summit in Bordeaux.

Bisignani weiter: „Im Jahr 2007 resultierte dieses Scheitern in 21 Millionen Minuten Verspätungen und 468 Millionen Kilometer an überflüssiger Flugstrecke. Dadurch wurden 16 Millionen Tonnen an Kohlendioxid verschwendet. Die derzeitige Krise der Luftfahrtindustrie zeigt deutlich auf, dass sich Fluggesellschaften die fünf Milliarden Euro Kosten, die dadurch verursacht werden, nicht leisten können. Europa kann sich zudem die Auswirkungen auf seine Wettbewerbfähigkeit nicht leisten. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.“

Bisignani hob hervor, dass die IATA den Ansatz der Europäischen Kommission, Leistungsstandards für den Single European Sky einzuführen, bedenkenlos unterstütze. Bis zum Jahr 2012, in dem die Luftfahrtindustrie in den europäischen Emissionshandel mit eingebunden werden soll, forderte Bisignani die Schaffung von neun internationalen Einheiten im europäischen Luftraum, die eine Steigerung der Kapazitäten, deutlich weniger Verspätungen, Kostenreduzierungen und eine niedrigere Schadstoffbelastung pro Flug zur Folge hätte.

„Der Single European Sky wird keinen Verlust von Arbeitsplätzen zur Folge haben, sondern 200.000 hochqualifizierte Fachkräfte in Europa benötigen“, betonte Bisignani. „Auch die nationale Souveränität bleibt erhalten und wird mit der unabhängigen National Supervisory Authority neu definiert.“

Von: dpa, IATA
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