Airbus will den Frachtraum für Passagiere nutzen

11.04.2018 - 14:36 0 Kommentare

Airbus arbeitet gemeinsam mit Zodiac an einer Lösung, das Frachtdeck von Großraumflugzeugen für Passagiere zu öffnen. Geplant sind verschiedene Module, die einen Langstreckenflug erheblich angenehmer machen könnten.

Bisher nur ein Modell: Vier Frachtmodule mit Inneneinrichtung für Passagiere. - © © airliners.de - Andreas Sebayang

Bisher nur ein Modell: Vier Frachtmodule mit Inneneinrichtung für Passagiere. © airliners.de /Andreas Sebayang

Auf der Aircraft Interiors Expo in Hamburg haben Airbus und der Kabinenausstatter Zodiac eine Vereinbarung unterschrieben, um das Frachtdeck von Widebody-Flugzeugen zukünftig teilweise auch als Passagierdeck nutzen zu können.

Präsentiert wurde das Konzept auf der Messe mit einem kleinen Modell. In Toulouse soll es bereits ein Modell in realer Größe geben. Das Konzept sieht mehrere Module mit Passagiergerechtem Innenleben vor, die nach Belieben im hinteren Frachtbereich eingesetzt werden können.

Die einzelnen Module können dabei unterschiedliche Angebote erfüllen. So könnten Schlafmodule mit Betten eingebaut werden, aber auch Meetingräume, ein Fitnesscenter oder ein Spielzimmer für die kleinen Fluggäste.

Der Phantasie sind laut Hersteller kaum Grenzen gesetzt. Selbst ein Restaurant samt Küche wäre denkbar, wenngleich Airbus dafür selbst wenig Bedarf sieht. Letztendlich sollen ohnehin die potenziellen Kunden entscheiden, welche Module entwickelt werden.

Upgrade-Option für die Economy-Class

Der Zugang für Passagiere ist am Flugzeugende über einer Treppe geplant. Dabei ist das Treppen-Modul eines der maximal vier Module. Diese sind jeweils vier Meter breit, rund zweieinhalb Meter lang und gerade einmal 1,55 Meter hoch. Es entsteht also ein fast zehn Meter langer Aufenthaltsbereich, der allerdings für die meisten Fluggäste nur gebückt betreten werden kann.

Airbus will künftig Betten im Frachtraum von Flugzeugen einbauen. Foto: © Airbus

Interessant ist vor diesem Hintergrund, dass der Zugang hinten ist, so lässt sich das Produkt schwerer für die vorne sitzenden Business-Class-Fluggäste vermarkten sondern wäre vermutlich durchaus eher eine Aufpreis-Option für Economy-Fluggäste. Ohnehin haben die vorgestellten Stockbetten im Gemeinschaftsmodul eher die Atmosphäre von Hostel-Betten.

Noch gibt es keine Kunden

Wichtig ist den Entwicklern aber zunächst einmal der flexibler Ansatz. Die übliche Aufenthaltszeit zwischen zwei Langstreckenflügen auf einem Flughafen soll laut Airbus für den Ein- oder Ausbau reichen. Braucht eine Fluggesellschaft also statt der neuen Passagierkabine auf einem Flug doch mehr Frachtkapazität, lässt sich das Flugzeug schnell wieder anpassen.

Noch gibt es aber keinen Kunden für das Projekt, das zunächst nur für den Airbus A330 geplant ist. Dabei ist sowohl eine Option für Neuflugzeuge als auch eine Retrofit-Lösung für den nachträglichen Einbau vorgesehen.

Die A330 wurde den Angaben nach deswegen gewählt, weil hier schon ein größerer Markt besteht. In rund 150 Maschinen sollen sogar bereits die wichtigsten Vorkehrungen für das System vorhanden sein. Eine Lösung für A350 soll später folgen.

Umsetzung bis 2020 geplant

Derzeit ist das Produkt noch in der Konzeptphase, soll aber so schnell wie möglich in einem Demonstrationsflugzeug eingebaut werden. Das wird derzeit grob mit 2020 eingeplant. Bis dahin wollen die beiden Unternehmen das Konzept zur Marktreife entwickeln.

Bei der Entwicklung soll die Erfahrung von Airbus und Zodiac bei der Entwicklung von Crew Rest Areas mithelfen. Diese sind bei Airbus-Maschinen teils unter Deck. Von der A340 kennt man außerdem die Installation von Waschräumen im Frachtdeck.

Von: as
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