Airbus setzt wohl Verkauf deutscher Werke aus

07.09.2018 - 08:09 0 Kommentare

Airbus verschiebt offenbar den Verkauf der Tochter Premium Aerotec. Zu riskant sei dies, heißt es vom Konzern. Dabei gibt es genug Interessenten - nicht nur aus China.

Die Airbus-Tochter Premium Aerotec stellt in Augsburg Rumpfteile her. - © © Premium Aerotec -

Die Airbus-Tochter Premium Aerotec stellt in Augsburg Rumpfteile her. © Premium Aerotec

Der Flugzeughersteller Airbus hat sich offenbar entschieden, den Verkauf seiner deutschen Werke zu vertragen. Die Verhandlungen mit mehreren Interessenten über eine Veräußerung seien abgebrochen worden, berichtet das "Handelsblatt" (Paywall) unter Berufung auf Unternehmemskreise. Die vier deutschen Standorte werden von der Tochter Premium Aerotec betrieben.

Laut des Berichts strebt Airbus eine Wiederaufnahme des Verkaufsverfahrens erst an, nachdem im kommenden Jahr Schlüsselpositionen in der Konzernführung neu besetzt sind. Wenn die Nachfolger von Konzernlenker Tom Enders und Finanzchef Harald Wilhelm gefunden sind, dürfte das Thema wieder auf den Tisch kommen. Aktuell gebe es zu viele "operational issues", heißt es.

Weitere Versorgungsprobleme befürchtet

Investoren hofften auf einen raschen Börsengang der deutschen Firma. Blaupause sollte hier Boeings Zulieferfirma Spirit sein, die 2005 den Weg aufs Parkett einschlug. Doch in der Finanzkrise blies Enders den Verkauf der 2009 gegründeten Premium Aerotec ab. Bis heute ist sie eine hundertprozentige Tochter von Airbus.

Die aktuelle Entscheidung ist laut "Handelsblatt" auch auf die Lieferengpässe bei den Neo-Triebwerken zurückzuführen. Man wolle nicht die Kontrolle über einen weiteren Schritt in der Lieferkette verlieren und so neue Versorgungsprobleme riskieren, soll Flugzeugspartenchef Guillaume Faury entschieden haben.

© AirTeamImages.com, Steve Flint Lesen Sie auch: Mit diesen Problemen kämpft Airbus' "Kassenschlager" Hintergrund

Premium Aerotec ist an den Standorten Augsburg, Bremen, Nordenham und Varel für einen besonders sensiblen Bereich der Produktion zuständig: Hier entstehen sämtliche Flugzeugrümpfe.

Innovative Verfahren sind teuer

Dafür beschäftigt die Airbus-Tochter nicht nur rund 10.000 Mitarbeiter, sondern auch 2000 meist mittelständische Zulieferer. Jene Firmen produzieren jährlich Komponenten für mehr als eine Milliarde Euro.

Anzahl der Arbeitsplätze an allen Airbus-Standorten in Deutschland
Aerotec Airbus
Hamburg 150 12000
Donauwörth 0 5700
Manching 0 4500
Augsburg 4000 0
Bremen 500 3000
Ulm 0 3000
Nordham 3000 0
Friedrichshafen 0 2500
Stade 0 2000
Varel 1500 0
Buxtehude 0 340

Die Grafik zeigt die Mitarbeiterzahlen von Airbus und deren Tochter Premium Aerotec an allen deutschen Standorten. Alle Zahlen sind gerundet.Quelle: Unternehmensangaben

Dabei setzt Airbus auf innovative Technologien: Produktionsroboter, 3D-Druckverfahren und die weltgrößten Maschinen zur Kohlefaserverarbeitung. All das verschlingt viel Geld. Die Kosten für die Produktion des Kohlefaserfliegers A350 sind der größte Posten im Jahresverlust von 264 Millionen Euro für 2017. Dazu kommt die unsichere Zukunft bei der Produktion des Doppelstöckers A380.

Interesse nicht nur aus China

Experten sind sich laut "Handelsblatt" einig, dass gerade Premium Aerotec daher mehr als einen Auftraggeber braucht. Hier sei der chinesische Flugzeugbauer Comac im Gespräch. Doch für ein Engagement aus Fernost müsste Airbus die Herrschaft aufgeben, forderten die Chinesen.

Da die Produktion der A320 im kommenden Jahr noch einmal anziehen soll, hätten auch die Investoren KKR, Cerberus und Onex bereits Interesse an Premium Aerotec signalisiert. KKR hatte 2005 MTU an die Börse gebracht.

"Unser langfristiges Ziel mit Blick auf Premium Aerotec bleibt unverändert" bestätigt ein Sprecher dem Bericht zufolge die Verkaufsabsichten. "Wir sind allerdings mit einem Verkaufsprozess nicht in Eile". Premium Aerotec sei ein wichtiger Bestandteil der Produktionskette, und man arbeite "operativ wie finanziell" an Verbesserungsmöglichkeiten.

Von: cs
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