Neue Triebwerksgeneration und "Sharklets" Airbus stellt "A320neo" vor

01.12.2010 - 10:50 0 Kommentare

Airbus modernisiert die A320-Familie. Die Maschinen sollen unter dem Namen "A320neo" ab 2016 ausgeliefert werden, wie das Unternehmen am Mittwoch in Toulouse mitteilte. Unter einem aerodynamisch optimierten Flügel hängen dann entweder LEAP-X oder PW1100G-Triebwerke.

Airbus A320neo - © © Airbus -

Airbus A320neo © Airbus

Airbus will seine Mittelstreckenjets der Baureihe A320 mit neuen Motoren ausstatten und rüstet sich so gegen die aufstrebende Konkurrenz aus Kanada, Südamerika und Asien. «Die "A320neo" wird 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen», teilte das Unternehmen am Mittwoch in Toulouse mit. Die Maschinen der meistverkauften Flugzeugfamilie des Konzerns sollen vom Frühling 2016 an in der neuen Version ausgeliefert werden.

Die Triebwerksoption soll dann für alle Maschinen der A320-Familie mit Ausnahme des A318 verfügbar sein, so Airbus. Die Modifikationen an den Flugzeugen beträfen in erster Linie die Flügel und die Triebwerksaufhängungen. Mehr als 95 Prozent der Fluzeugzelle sei mit den jetzigen Modellen identisch.

Bei den neuen Triebwerksoptionen handelt es sich um das PurePower PW1100G von Pratt & Whitney sowie den LEAP-X-Motor von CFM International. IAE (International Aero Engines), ein Joint Venture zwischen Pratt & Whitney, Rolls-Royce und MTU scheint bei den neuen Triebwerksoptionen für die A320-Familie keine Rolle mehr zu spielen.

Das PW1100G ist ein Geared Turbofan-Triebwerk, das auch für die neue Bombardier CSeries, den neuen Mitsubishi Regional Jet (MRJ) sowie das Irkut MS-21 eingesetzt werden soll. Das LEAP-X des CFM -Joint-Ventures zwischen der US-amerikanischen General Electric und der französischen Snecma ist ein High-Bypass Turbofan ohne Getriebefan und wird auch beim COMAC C919 zum Einsatz kommen.

Abknickende Winglets am Flügelende, von Airbus für die A320-Familie "Sharklets" genannt, sollen ebenfalls dazu beitragen, den Treibstoffverbrauch im Vergleich zu den bisherigen Flugzeugen zu reduzieren. Allein die die neuen Winglets sollen auf längeren Strecken den Spritverbrauch um bis zu 3,5 Prozent reduzieren. Die "Sharklets" werden übrigens bereits ab 2012 an den klassischen A320 eingeführt- Erstkunde soll Air New Zealand sein.

Insgesamt soll sich die Reichweite der "A320neo" im Vergleich zu den jetzigen Modellen der A320-Familie um bis zu 950km erhöhen. Alternativ würde könnte auch die Nutzlast um bis zu zwei Tonnen steigen. Zudem seien die Maschinen leiser und hätten geringere Betriebskosten.

Die Entscheidung von Airbus zum "A320neo" dürfte nun den Druck auf Boeing erhöhen, die Airline entscheidet noch über die Zukunft ihrer 737er Flotte. Der Flugzeugbauer hatte bereits mitgeteilt, dass es sehr unwahrscheinlich sei, diesen Flugzeugtyp mit neuen Motoren auszustatten.

Eine Möglichkeit wäre der Bau eines komplett neuen Flugzeugs, welches Ende des Jahrzehnts in Betrieb gehen könnte. Airbus hat sich unterdessen bereits festgelegt, in den kommenden Jahren kein komplett neues Flugzeug zu entwickeln. Ein neues Flugzeug wäre vor 2025 unwahrscheinlich, hieß es.

Die A320-Familie mit den Typen A318, A319, A320 und A321 ist für Airbus das "Brot und Butter"-Geschäft. Die Mittelstreckenjets mit zwischen gut 100 und 220 Sitzen verfügen über einen Mittelgang und einen Standardrumpf. 4.400 Exemplare sind bereits gebaut, gut 6.700 bestellt. Von der Neuauflage A320neo erwartet sich Verkaufschef John Leahy weitere 4.000 Bestellungen - "vielleicht auch mehr". Die Modernisierung will sich Airbus gut eine Milliarde Euro kosten lassen.

Airbus und Boeing müssen in ihre "Brot und Butter"-Modellreihen investieren, um dem Wunsch der Kunden nach spritsparenden, umweltfreundlicheren Jets gerecht zu werden und zugleich neuen Konkurrenten wie Bombardier, Embraer oder COMAC zu trotzen. Mit ihren Neuentwicklungen wollen die aufstrebenden Konkurrenten Marktanteile der Europäer und US-Amerikaner im Mittelstreckensegment streitig machen und setzen dabei alle auf neue Triebwerks-Technologien.

Von: airliners.de mit dapd, dpa
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