Airbus und Siemens beenden gemeinsame Forschung zu Hybrid-Antrieben

Die vor drei Jahren gestartete Zusammenarbeit von Siemens und Airbus zur Entwicklung einsatzfähiger hybrid-elektrischer Flugzeugantriebe findet ein frühes Ende. Was aus dem angekündigten Versuchsflugzeug wird, ist unklar.

Das Ende kommt ebenso überraschend wie beiläufig: Airbus und Siemens lassen ihre bis 2020 verabredete Kooperation zur Erforschung hybrid-elektrischer Antriebe für Flugzeuge bereits in diesem Jahr auslaufen. In einer Pressemitteilung zum Bauhau-Luftfahrt-Symposium werden der zuständige Airbus-Abteilungsleiter Martin Nuesseler sowie Frank Anton von Siemens bei ihren Ausführungen über die Zusammenarbeit nur noch in der Vergangenheitsform zitiert.

Nun wurde das Ende der Kooperation von einem Siemens-Sprecher gegenüber airliners.de bestätigt. Das vereinbarte Ziel der Zusammenarbeit, der Nachweis der technischen Machbarkeit hybrid-elektrischer Antriebe, sei ein Jahr schneller als geplant erreicht worden.

Was aus dem Ende 2017 angekündigten Versuchsflugzeug "E-Fan X" wird, einer Bae 146 mit Hybrid-Triebwerk(en), die 2020 erstmals starten sollte, ist unklar. Laut dem Sprecher sei der "E-Fan X" zwar ein extra Projekt, an dem neben Airbus und Siemens auch Rolls-Royce beteiligt ist, jedoch gäbe es derzeit keinen neuen Stand, wie es weitergeht. "Der E-Fan X ist ein wichtiger Schritt, um elektrisches Fliegen in absehbarer Zukunft zu verwirklichen", sagte Airbus-Technikchef Paul Eremenko seinerzeit zur Vorstellung des Projekts.

Visionärer Beginn der Kooperation

Das kleinlaute Ende der Hybrid-Kooperation steht auch im Kontrast zum Start ebendieser Anfang 2016, als Siemens-Chef Joe Kaeser und der damalige Airbus-Boss Tom Enders eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten. Damals sagte Enders, dass die Entwicklung elektrischer und hybrid-elektrischer Antriebe für einen emissionsfreien Luftverkehr zu den "größten industriellen Herausforderungen unserer Zeit" gehörten. Man sei überzeugt, dass bis zum Jahr 2030 Verkehrsflugzeuge mit einer Kapazität von unter 100 Passagieren mit hybriden Antriebssystemen fliegen könnten.

Übersicht über die von Airbus, Siemens und Rolls-Royce entwickelte Architektur eines hybrid-elektrische angetriebenen Flugzeugs. Ob ein geplanter Demonstrator realisiert wird, ist offen. Foto: ©Airbus

Die beiden Top-Manager waren im Rahmen der damaligen Kooperationsverkündung auch gemeinsam an der Grundsteinlegung für ein neues "Systemhaus Elektrisches Fliegen", ein Airbus-Forschungslabor, beteiligt und erweckten insgesamt den Eindruck einer langfristigen Partnerschaft, an deren Ende ein ausgereifter, neuer Triebwerkstyp für Verkehrsflugzeuge stehen würde.

Beide Unternehmen wollen Geschäfte mit Dritten machen

Aufschlussreich ist nun die Aussage des Siemens-Mannes Frank Anton, dass man sich darauf freue, die in der Zusammenarbeit mit Airbus erworbenen Kompetenzen weiteren Partnern in "industrialisierter Form zugänglich zu machen." Siemens positioniert sich als möglicher Lieferant der Elektro-Antriebe für die gesamte Branche, während sich Airbus nach Ansicht von Branchenbeobachtern auch Siemens' Mitbewerbern öffnen möchte. Weiter erklärte der Siemens-Sprecher, dass die beiden Unternehmen künftig als Kunde und Lieferant in verschiedenen Projekten zusammenarbeiten möchten.

Denn die Zahl der ambitionierten Projekte für elektrisch angetriebene Flugzeuge wächst weltweit: Das US-Start-Up Zunum Aero entwickelt derzeit gemeinsam mit Boeing einen Hybrid-Regionaljet für zwölf Passagiere und 1100 Kilometern Reichweite, der 2022 erstmals abheben soll. In Israel entwickelt Eviation Aircraft einen rein elektrisch angetriebenen Flieger mit einer extragroßen Batterie, die für 1000 Kilometer Reichweite sorgen soll.

Bei Easyjet, die schon lange mit der Vision vom Elektro-Flug kokettiert, soll die Zusammenarbeit mit Wright Electric schon bald ein erstes kleine Elektro-Flugzeug in die Luft bringen. Der US-Riese United Technologies bezeichnet seine in der Entwicklung befindlichen Hybrid-Flugzeuge als "X Planes" und ist gerade dabei, eine Bombardier Dash 8 Q 400 in einen Technologie-Demosntrator umzubauen.

Neue Airbus-Spitze hat weitergehende Elektro-Pläne

Zudem wird in der Branche spekuliert, dass die vorzeitige Trennung auch etwas mit einer neuen Marschrichtung des Flugzeugherstellers unter dem neuen französischen Chef Guillaume Faury und Neubesetzungen im Technik-Ressort zu tun haben könnte. Der neue Airbus-Chef hatte als Ziel ausgegeben, Flugzeuge zu bauen, die keinerlei schädliche Substanzen mehr ausstoßen. "Unser Ziel ist das vollkommen emissionsfreie Fliegen", sagte er am ersten Tag als Vorstandsvorsitzender und nannte Ende des kommenden Jahrzehnts oder Anfang des darauffolgenden Jahrzehnts als Zeithorizont.

Das Ende der offiziellen Kooperation mit Airbus fällt in eine Zeit intensiver Diskussionen über die Rolle der Luftfahrt bei der Erderwärmung und Möglichkeiten der Emissionsreduzierung, wie sie auch beim vierten wissenschaftlichen Symposium zur langfristigen Entwicklung des Bauhaus Luftfahrt im Mittelpunkt standen. Noch hat sich allerdings keine technische Lösung für einen weitgehend emissionsfreien Luftverkehr herausgebildet, wie das Experten-Treffen im deutschen Luftfahrt-Think-Tank feststellte, vor allem nicht für den Langstreckenbetrieb.

Erfolg synthetischer Kraftstoffe wäre entscheidende Innovation

Auch laut der internationalen Klima-Organisation "Energy Transitions Commission" ist die Akku-Technologie gegenwärtig noch nicht für längere Flüge geeignet. Der Strom für die Triebwerke sollte besser an Bord hergestellt werden, so wie es auch für den E-Fan X von Siemens und Airbus vorgesehen war. Dabei stelle sich nun zunächst die Frage nach der Praktikabilität und den tatsächlichen Umweltvorteilen hybrid-elektrischer Antriebe. Dabei werde dann die weitere Entwicklung und der großflächige Einsatz synthetischer Kraftstoffe entscheidend für die CO2-Bilanz Branche. Realistisches Ziel sei ein klimaneutraler Luftverkehr in den 2050er Jahren.

© dpa, Klaus-Dietmar Gabbert Lesen Sie auch: Elektrische Flugzeugantriebe: Utopie oder gangbarer Weg?

Einen ähnlichen Ansatz für eine kurzfristige Reduktion der Emissionen verfolgt auch die Aviation Initiative for Renewable Energy in Germany e.V. (Aireg) und fordert dabei auch explizit die Fluggesellschaften zum Handeln auf: Es sei das Gebot der Stunde, dass Fluggesellschaften, Kerosinproduzenten und Flughäfen zusammenkämen, um gemeinsam den großflächigen Einsatz nachhaltiger synthetischer Treibstoffe zu ermöglichen. So könnten nicht nur die CO2- Emissionen um bis zu 80 Prozent reduzieren werden, sondern insbesondere auch die Partikelemissionen wie Feinstaub um bis zu 70 Prozent sinken.

Dabei drückt die Zeit mittlerweile gewaltig. Denn die Icao-Mitgliedstaaten in der UN haben der Branche eine Deckelung der CO2-Abgase im internationalen Luftverkehr auferlegt. Ziel der Staatengemeinschaft ist, den Ausstoß im internationalen Luftverkehr ab 2020 zu begrenzen. Die International Air Transport Association (Iata) hatte daraufhin einen Plan ausgearbeitet, der für 2050 eine Halbierung der Emissionen im Vergleich zu 2005 anpeilt. Bis alternative Treibstoffe und gänzlich neue Technologien aber tatsächlich eine Netto-Reduzierung der Emissionen der Luftfahrt ermöglichen, soll das weitere Wachstum im Luftverkehr zunächst über ein Offsetting-System zur Emissions-Kompensation CO2-neutral gestaltet werden.

Von: dk

Datum: 10.05.2019 - 13:39

Adresse: http://www.airliners.de/airbus-siemens-forschung-hybrid-antrieben/50032