Airbus droht mit Rückzug aus Großbritannien

22.06.2018 - 14:11 0 Kommentare

Der Flugzeugbauer Airbus schlägt Alarm: Bei einem harten Brexit ohne ausreichende Übergangsfristen wären die Standorte in Großbritannien in Gefahr. Der Konzern fürchtet Milliarden-Verluste.

Im Airbus-Werk im britischen Broughton werden Tragflächen hergestellt. - © © Airbus -

Im Airbus-Werk im britischen Broughton werden Tragflächen hergestellt. © Airbus

Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat einen klaren Brexit-Deal gefordert und andernfalls mit seinem Rückzug aus Großbritannien gedroht. "Einfach ausgedrückt gefährdet ein Szenario ohne Deal direkt die Zukunft von Airbus im Vereinigten Königreich", erklärte Airbus-Chef Tom Enders in der Nacht zum Freitag.

"Airbus ist zunehmend besorgt über den Mangel an Fortschritten im Brexit-Prozess", teilte das Unternehmen mit. Falls das Land im März 2019 ohne Deal aus der EU aussteige und damit im kommenden Jahr Binnenmarkt und Zollunion sofort und ohne Übergangsphase verlasse, würde dies laut Airbus zu einer "schweren Störung und Unterbrechung" der Produktion führen.

Airbus fürchtet Verluste von mehreren Milliarden Euro

"Dieses Szenario würde Airbus dazu zwingen, seine Investitionen im Vereinigten Königreich und seinen langfristigen Fußabdruck im Land zu überdenken", betonte der Konzern. Denn ein ungeregelte Austritt aus der EU könnte für sein Geschäft Produktionsausfälle und Folgekosten in Höhe von mehreren Milliarden Euro mit sich bringen.

Airbus beschäftigt nach eigenen Angaben 14.000 Mitarbeiter an 25 Standorten in Großbritannien, in seiner britischen Zulieferkette unterstütze es 110.000 Jobs. Der Konzern unterhält vier große Produktionsstätten in dem Land. In den Werken Filton und Broughton werden alle Flügel der Airbus-Verkehrsflugzeuge entworfen und hergestellt.

Übergangsfrist bis Ende 2020 reicht nicht aus

In einer Risikobewertung schreibt Airbus, dass ein geordneter Rückzug mit einem Brexit-Abkommen vorzuziehen sei. Die derzeit angedachte Übergangsphase bis Dezember 2020 reiche aber nicht aus, damit EU und Großbritannien die offenen Fragen regeln können.

Auch für Airbus sei sie zu kurz, um die notwendigen Änderungen in seiner umfangreichen Zulieferkette umzusetzen. So müssten sämtliche 4000 britischen Partnerunternehmen ihre Genehmigungen in die EU übertragen lassen.

© dpa, Fotomontage: airliners.de Lesen Sie auch: Was kommt nach dem Brexit? Luftrechtskolumne (62)

Großbritannien hatte per Referendum den Brexit beschlossen und will bis März 2019 aus der Europäischen Union austreten. Bis Ende 2020 bleibt das Land in einer Übergangsphase aber noch im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion - in der Zeit sollen unter anderem die Handelsbeziehungen zwischen dem Land und der EU klar definiert werden.

Von: pra, dpa, AFP
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • A380 von Emirates: Großkundin des Doppelstöckers. Das Comeback der A380 im Leasing

    Hintergrund Hifly übernimmt eine gebrauchte A380 und bietet sie im kurzfristigen Leasing an. Das wird angenommen: Der Doppelstöcker ist non-stop im Einsatz. Gibt diese Entwicklung dem Airbus-Programm den Schub, den es braucht?

    Vom 10.08.2018
  • Neo-Triebwerk von Pratt & Whitney. Airbus' neues Problem mit den Neo-Motoren

    Pratt & Whitney kämpft offenbar erneut mit einem Problem bei A320neo-Triebwerken. Indes wachsen die Zweifel am Auslieferungsziel von Airbus - unter anderem aufgrund eines Lufthansa-Kommentars.

    Vom 04.09.2018
  • Die D-AINK trägt den Namen "Heidenheim an der Brenz". Neo-Probleme: Lufthansa bestellt weitere A320ceo

    Lufthansa sattelt im Zuge der A320neo-Probleme um und bestellt mehr Maschinen mit herkömmlichen Triebwerken. Es ist nicht das erste Mal, dass die Airline statt langer Wartezeiten lieber die ältere Airbus-Generation einflottet.

    Vom 10.09.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus