Farnborough-Interview Airbus macht Tempo beim A320neo

11.07.2012 - 16:54 0 Kommentare

Airbus will seinen Zeitvorsprung bei neuen Mittelstreckenjets mindestens halten. Das sagte Airbus-Vize Butschek auf der Luftfahrtmesse im britischen Farnborough. Noch führt die A320neo-Familie in der Käufergunst - Boeing holt aber mit der 737 MAX gewaltig auf.

Airbus setzt bei der A320neo-Familie auf Tempo. "Wir sprechen bei der A320neo weiterhin von einer Erstauslieferung im Herbst 2015, aber mit der Produktion der ersten Teile haben wir jetzt schon früher angefangen als geplant", sagte der neue Airbus-Vizechef Günter Butschek am Mittwoch im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Damit will Airbus seinen zeitlichen Vorsprung vor Boeing bei den neuen spritsparenden Mittelstreckenjets mindestens halten. Boeing stellt die Erstauslieferung seines Konkurrenzmodells 737 MAX weiterhin erst für 2017 in Aussicht. Mit der Neuauflage seiner 737-NG-Familie musste Boeing auf den Erfolg des Konkurrenzmodells Airbus A320neo reagieren und kam so zumindest zeitlich ins Hintertreffen.

Airbus hat binnen anderthalb Jahren bereits mehr als 1.400 Festbestellungen für die Maschine eingesammelt, die 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen soll als ihre Vorgängerin A320. Boeing will bis Ende des Jahres 1.000 Festbestellungen erreichen und will mit einer gesteigerten Reichweite und geringeren operativen Kosten punkten.

"Die Erwartung unserer Kunden ist groß, dass wir die Aufträge abarbeiten", sagte Butschek. Insgesamt reicht das Auftragsbuch für die kommenden sieben bis acht Jahre. Daher fährt Airbus die Produktion der A320neo und des herkömmlichen Modells A320 in den kommenden Jahren weiter hoch.

Die A320-Produktion hat Airbus bereits in den vergangenen Monaten weiter ausgebaut, ab Ende 2012 sollen jeden Monat 42 neue Flieger die Werkshallen verlassen. Wichtig ist dabei auch das geplante neue Airbus-Werk in den USA. Ab Ende 2017, wenn die Endmontagelinie in Mobile im US-Staat Alabama auf volle Auslastung schalten soll, kommen von dort vier Maschinen pro Monat hinzu.

Auf die Arbeitsplätze in Europa habe das keine negativen Auswirkungen, sagte Butschek. "Es wird ja nichts verlagert." Vielmehr schaffe die Endmontage in den USA auf dem alten Kontinent weitere Nachfrage und zusätzliche Stellen beim Airbus-Mutterkonzern EADS und den Zulieferern.

Einen Fachkräftemangel in den USA fürchtet der deutsche Manager im Gegensatz zum Konkurrenten Boeing nicht. Airbus könne zudem Mitarbeiter aus den Vereinigten Staaten in seinem Werk in Hamburg ausbilden. Boeing-Chef Jim McNerney hatte vor wenigen Tagen den Fachkräftemangel im Heimatland seines Konzerns als Bedrohung für die Branche bezeichnet.

Weitere Nachfrage für die "neo" erwartet Butschek aus den USA. "Wir haben dort heute 20 Prozent Marktanteil, und der müsste deutlich zu steigern sein." Viele US-Fluggesellschaften haben noch alte Spritschlucker aus den 80er Jahren im Einsatz, die angesichts hoher Ölpreise dringend ersetzt werden müssten. Auch wenn Boeing sein vor einem Jahr vorgestelltes Konkurrenzmodell 737-MAX als die wirtschaftlichere Alternative bewirbt, verweist Butschek auf die Absatzzahlen: "Dass die 'neo' das sich am besten verkaufende Flugzeug der Geschichte ist, spricht eigentlich für sich."

Von: dpa-afx mit airliners.de
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