Airbus-Konzern schließt drittes Quartal mit Gewinneinbruch ab

26.10.2016 - 10:39 0 Kommentare

Das dritte Quartal hat dem Luftfahrtkonzern Airbus weniger Umsatz als im Vorjahreszeitraum gebracht. Auch operativer Gewinn und Konzernüberschuss gingen zurück.

Blick auf einen im Bau befindlichen Airbus A350 XWB bei Airbus in Toulouse. - © © dpa - EPA/Caroline Blumberg

Blick auf einen im Bau befindlichen Airbus A350 XWB bei Airbus in Toulouse. © dpa /EPA/Caroline Blumberg

Anlaufprobleme bei neuen Flugzeugtypen haben dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus im Sommer einen herben Gewinneinbruch eingebrockt. Kurz vor Jahresende versucht der Konzern noch einmal aufzudrehen: Statt gut 650 Verkehrsflugzeugen, wie bisher geplant, sollen in diesem Jahr jetzt mehr als 670 neue Jets die Werkshallen verlassen, wie Finanzvorstand Harald Wilhelm ankündigte. Probleme mit Zulieferern für den neuen Großraumjet A350 und die Verhandlungen um den Pannen-Militärflieger A400M halten den Konzern aber weiter in Atem.

Im dritten Quartal erzielte der Airbus-Konzern mit knapp 14 Milliarden Euro ein Prozent weniger Umsatz als ein Jahr zuvor. Der um Einmaleffekte bereinigte operative Gewinn (Ebit) sackte wegen hoher Anlaufkosten und vergleichsweise niedrigen Verkaufspreisen für die ausgelieferten Jets um 21 Prozent auf 731 Millionen Euro zusammen. Neben der Verkehrsflugzeugsparte warfen auch das Rüstungs- und Raumfahrt-Geschäft sowie die Hubschraubertochter deutlich weniger ab als ein Jahr zuvor. Der Konzernüberschuss brach sogar um 87 Prozent auf nur noch 50 Millionen Euro ein. Letzteres erklärte Wilhelm mit einer deutlich gestiegenen Steuerquote.

Von Januar bis September ging der Umsatz des Konzerns nach Airbus-Angaben um ein Prozent auf rund 42,7 Milliarden Euro zurück. Gleichzeitig sank das EBIT im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent auf knapp 2,4 Milliarden Euro.

Konkurrent Boeing konnte dank einer Steuergutschrift teure Probleme an anderer Stelle übertünchen. Im dritten Quartal fuhr der Konzern unter dem Strich einen Gewinn von 2,3 Milliarden US-Dollar (2,1 Milliarden Euro) ein. Das ist gut ein Drittel mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Konzernchef hält an Jahreszielen fest

Airbus-Konzernchef Tom Enders machte von seinen Zielen für 2016 dennoch keine Abstriche. "In den verbleibenden Monaten bis zum Jahresende konzentrieren wir uns voll und ganz auf die Auslieferungen, um unsere Gewinn- und Liquiditätsprognosen zu erfüllen." So soll der um Einmaleffekte bereinigte operative Gewinn genauso hoch ausfallen wie im Vorjahr - wenn man Übernahmen und den Verkauf von Konzernteilen herausrechnet. Faktisch dürfte er damit von 4,1 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf 3,9 Milliarden Euro zurückgehen.

© dpa, Christian Charisius Lesen Sie auch: Airbus will Boeing bei Auslieferungen bis 2020 überholen

Einmaleffekte gibt es bei Airbus in diesem Jahr zuhauf. Wegen der Verspätungen bei der A350 und schwerwiegenden Problemen mit den Turboprop-Triebwerken des Militärtransporters A400M hatte der Konzern zur Jahresmitte 1,4 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Abgefedert wurden die Belastungen durch Sondergewinne aus dem Verkauf verbliebener Anteile an dem Flugzeugbauer Dassault und der Gründung eines Raumfahrt-Gemeinschaftsunternehmens mit dem Partner Safran.

Probleme in der A350-Lieferkette

Beim jüngsten Großraumjet-Typ A350 machen Airbus weiterhin Probleme in der Lieferkette zu schaffen. Es gebe einige Verbesserungen, aber noch sei nicht alles gelöst, sagte Wilhelm. Dennoch hält der Vorstand an seinem Ziel fest, in diesem Jahr 50 Maschinen des Typs auszuliefern. Stand heute seien es 29 Stück. Bei dem Streit mit Zulieferern geht es um Verspätungen und Mängel bei der Innenausstattung wie Sitzen und Toiletten. Ende Mai hatte Brégier von Toilettenkabinen mit kaum schließenden Türen und anderen Fehlern an zugelieferten Teilen berichtet. Schon 2015 hatte Airbus weniger A350-Jets ausgeliefert, weil ein Zulieferer nicht genügend Sitze lieferte.

© dpa , Guillaume Horcajuelo Lesen Sie auch: Defekte Toilettentüren für A350 machen Airbus-Chef sauer

Zudem muss Airbus wegen Modellumstellungen bei den Mittel- und Langstreckenjets A320 und A330 kürzer treten. In der Übergangszeit musste das Unternehmen niedrigere Preise für die Flieger akzeptieren. Bei der im Januar erstmals ausgelieferten Neuauflage A320neo verzögerten Hitzeprobleme mit den neuartigen, sparsameren Triebwerken den Großteil der Auslieferungen aufs zweite Halbjahr. Dennoch habe es kaum Stornierungen oder Verschiebungen von Aufträgen gegeben, sagte Wilhelm. Inzwischen sollen die Probleme an den Antrieben gelöst sein. Der modernisierte Langstreckenjet A330neo, der wie die A320neo mit einem verringerten Spritverbrauch punkten soll, ist für 2017 geplant.

Unterdessen verhandelt Airbus beim Militärtransporter A400M weiterhin mit den Käuferstaaten und der europäischen Beschaffungsbehörde Occar über einen neuen Auslieferungsplan für den Problemflieger. Derzeit lasse sich "nicht belastbar einschätzen, wie das Ergebnis dieser Verhandlungen ausfallen wird", hieß es beim Konzern.

Von: gk, dpa-AFX
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