Auftragsboom Airbus in Feierlaune

10.03.2011 - 12:05 0 Kommentare

Airbus ist kaum zu bremsen - doch der Mutter EADS droht Stillstand im Rüstungsgeschäft. Und auch der doppelstöckige Großraumjet A380 verdient weiter kein Geld. Folgt nach der Feier der Kater?

A320-Endmontage in Hamburg - © © Airbus -

A320-Endmontage in Hamburg © Airbus

Airbus lässt die Korken knallen: Ein Milliardenauftrag jagt den anderen, die Begeisterung für den A320neo scheint kaum Grenzen zu kennen. Die amerikanische Leasinggesellschaft ILFC will gleich 100 Jets des Typs bestellen, es wäre der zweite Riesenauftrag für das neue Flugzeug seit Jahresbeginn. Doch nach der Feierlaune droht der Kater: Den Zeitplan für den neuen Langstreckenjet A350 bezeichnet das Management als «anspruchsvoll». Und der Airbus-Mutter EADS brechen die Rüstungsaufträge weg. Statt von Airbus unabhängiger zu werden, wird der Konzern immer mehr zur Geisel seiner wichtigsten Tochter - und ihres Erfolgs.

Denn Airbus lieferte 2010 so viele Verkehrsflugzeuge aus wie nie zuvor - und ließ die US-Konkurrenz weit hinter sich. Doch beim «Jahrhundertauftrag» der US-Luftwaffe für neue Tankflugzeuge musste sich EADS geschlagen geben: ausgerechnet im Militärgeschäft, in dem EADS stark wachsen will. Aus der Traum auch für eine eigene Flugzeugproduktion im alles entscheidenden Dollarraum. Schließlich werden Flugzeuge stets mit Dollar bezahlt. Das Zeichen, dass die USA ihren gigantischen Rüstungsmarkt weiter abschotten, ist überdeutlich. Dabei braucht EADS dringend neue Aufträge im Militärgeschäft. Die Sparte war 2010 noch der wichtigste Gewinnbringer des Konzerns. Die Neuaufträge brachen jedoch um die Hälfte ein.

A380 und A400M verdienen kein Geld

Auch an anderen Stellen lauern Risiken: Der Militärtransporter A400M soll im kommenden Jahr in Serie gehen - ob EADS damit jemals Geld verdient, ist allerdings fraglich. Noch hat EADS-Chef Gallois die Hoffnung auf zusätzliche Aufträge aus anderen Staaten nicht aufgegeben: Dass sich noch in diesem Jahr ein Land für den Militärtransporter entscheiden könnte, wäre allerdings wohl zu schön, um wahr zu sein.

Auch mit dem größten Passagierflugzeug der Welt, dem A380, verdient der Konzern kein Geld. Erst von 2014 oder 2015 an soll die Produktion rentabel laufen. Die Entwicklungskosten hat der Konzern dann noch lange nicht hereingeholt. Ab Mitte 2013 soll zudem das Gegenstück von Boeings mit technischen Problemen kämpfenden Hoffnungsträger 787 «Dreamliner», der High-Tech-Jet A350, abheben. Der Jet mit dem Karbonfaserrumpf habe von allen Entwicklungsprogrammen des Konzerns den «höchsten Risikofaktor», warnt die EADS-Spitze allerdings.

Neue Wettbewerber

Zugleich setzen neue Wettbewerber aus China und Russland die Platzhirsche Boeing und Airbus mit neuen Flugzeugmodellen unter Druck. Konkurrenz kommt auch von Bombardier aus Kanada. Airbus kontert mit einer Neuauflage seines Kassenschlagers A320. Der A320neo soll ab 2016 die Airbus-Kunden bei der Stange halten und so das Brot-und-Butter-Geschäft sichern. Mit möglichst geringem Risiko für die Europäer, wenn möglich. Schließlich kosten Risiken im Zweifel viel Geld.

Daimler will aussteigen

Kein Wunder, dass der Autobauer Daimler an seiner verbliebenen EADS-Beteiligung kein gesteigertes Interesse mehr hat. Das knappe Viertel der Anteile, das er zusammen mit Banken und Bundesländern hält, braucht nun einen neuen Besitzer. Nicht nur vor EADS-Chef Gallois liegen deshalb spannende Monate. Wenn sein Vertrag Mitte 2012 endet, muss auch eine neue deutsch-französische Doppelspitze gefunden sein - so sehen es die Statuten vor. Derzeit leitet der Daimler-Manager Bodo Uebber den Aufsichtsrat.

Steigt der Autobauer als Anteilseigner aus, ist auch auf diesem Posten ein Wechsel zu erwarten. Der französische Medienunternehmer und Miteigentümer Arnauld Lagardére hat seinen Hut schon in den Ring geworfen. Die eigentlichen Herausforderungen für die Airbus-Mutter, vom A350 bis zum Rüstungsdilemma, wären damit allerdings noch lange nicht bewältigt.

Von: Thomas Strünkelnberg, dpa, und Steffen Weyer, dpa-AFX
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