Airbus dank guter Halbjahreszahlen im Höhenflug

31.07.2019 - 09:04 0 Kommentare

Gut ein Viertel mehr Umsatz und ein mehr als verdoppelter operativer Gewinn lassen Airbus im ersten Halbjahr 2019 sehr gut dastehen. Die A320 Neo bringt dem Konzern viel Geld ein und das A350-Programm könnte die Gewinnschwelle erreichen. Die Zahlen im Detail.

Airbus-Flotte im Flug - © © Airbus - S. Ramadier

Airbus-Flotte im Flug © Airbus /S. Ramadier

Die A320 Neo macht dem europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus im ersten Halbjahr 2019 viel Freude. Das Programm trägt zusammen mit dem A350 maßgeblich zu den sehr guten Umsatz- und Gewinnzahlen bei. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigt der Konzern-Umsatz in den ersten sechs Monaten um 24 Prozent auf 30,9 Milliarden Euro, teilte Airbus am Mittwoch in Toulouse mit.

Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn (konsolidiertes bereinigtes Ebit) legte um 118 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zu. Für das Gesamtjahr soll das bereinigte Ebit um etwa 15 Prozent steigen.

Unter dem Strich beträgt das Konzernergebnis des Boeing-Rivalen knapp 1,2 Milliarden Euro und damit fast eineinhalb mal so viel wie in der ersten Jahreshälfte 2018. In der Vorjahresperiode hatten hohe Steuern und Bewertungseffekte das Ergebnis belastet.

Zivilflugzeuge sind die Cash Cows

Mit einer Steigerung von 30 Prozent beim Umsatz auf nun 24 Milliarden Euro bleibt der Zivilflugzeugbau mit Abstand die größte Sparte des Airbus-Konzerns. Auch beim Gewinn sind die zivilen Flieger ganz vorn. Das bereinigte Ebit stieg im ersten Halbjahr um 170 Prozent auf etwa 2,3 Milliarden Euro.

"Das Finanzergebnis des ersten Halbjahres spiegelt hauptsächlich den Produktionshochlauf bei der A320-Familie und die Umstellung auf die effizientere Neo-Version sowie weitere Fortschritte bei der Performance des A350-Programms wider", so Airbus-Chef Guillaume Faury zu den Zahlen. Der operativer Fokus soll nun laut Faury hauptsächlich auf dem weiteren Produktionshochlauf bei der A320-Neo-Familie liegen.

Im Vergleich zum zivilen Flugzeugbau sind die anderen Sparten deutlich kleiner. Der Umsatz von Airbus Helicopters kommt mit 2,3 Milliarden Euro nur etwa auf ein Zehntel der Erlöse, der operative Gewinn sinkt hier um sieben Prozent auf 125 Millionen Euro. Die Sparte Defence and Space kommt auf etwa fünf Milliarden Euro Umsatz, muss aber beim bereinigten Ebit ebenfalls Verluste hinnehmen. Mit einem Minus von 25 Prozent beläuft sich der operative Gewinn auf 233 Millionen Euro, also nur etwa zehn Prozent der Zivilflugzeugsparte.

Weniger Neuaufträge aber mehr Auslieferungen

Eine dunkle Wolke muss Airbus allerdings in der Bilanz verkraften. 57 Prozent Rückgang bei den Flugzeugbestellungen wurden verbucht, womit der Hersteller im ersten Halbjahr 2019 netto auf 88 Orders kommt. Der Auftragsbestand bleibt dessen ungeachtet mit zwei Prozent Plus nahezu unverändert und beläuft sich nun auf 7276 Maschinen. Im Vergleich zum US-Konkurrenten Boeing stehen die Europäer damit allerdings immer noch sehr gut da.

© dpa, Michel Euler Lesen Sie auch: Airbus fliegt Boeing in dessen schwerer Krise davon

Airbus lieferte in den ersten sechs Monaten insgesamt 389 Verkehrsflugzeuge aus, für das Gesamtjahr werden 880 bis 890 Deliveries angepeilt. Im Gegensatz zu den 303 Flugzeugen des Vorjahreszeitraums ist das eine Steigerung von 28 Prozent. Insgesamt wurden 21 A220 ausgeliefert, 294 Maschinen der A320-Familie, 17 Widebodies vom Typ A330, 53 Stück des neuen Großraummodells A350 sowie vier A380.

A350 kurz vor Gewinnschwelle

Beim A320-Programm waren 234 der insgesamt 294 Auslieferungen Neo-Versionen. Der Produktionshochlauf der neuen Airbus-Cabin-Flex-Version (ACF) der A321 bleibt laut Hersteller herausfordernd. Offenbar ist die immer weitere Steigerung der Produktion der gesamten A320-Programm-Familie für Airbus schwer zu stemmen. Zuletzt hatte IAG-Chef Willie Walsh seinen Unmut über die Verzögerungen bei Auslieferungen von A320-Neo-Maschinen öffentlich gemacht. Angesichts der guten Verkäufe der A321-Version ACF und XLR auf der Paris Air Show sondiert Airbus nun allerdings auch Möglichkeiten, den Anteil der A321 an der aktuellen Produktionskapazität der A320-Familie zu erhöhen.

Beim A330-Programm soll der Fokus auf dem Hochlauf der Neo-Produktion liegen, um die geplanten Auslieferungen in der zweiten Jahreshälfte 2019 zu gewährleisten.

Der neue Widebody A350 steht nach Airbus-Angaben kurz vor der Gewinnschwelle. Es hätten gute Fortschritte erzielt werden können und die laufenden Kosten näherten sich den Zielvorgaben an, womit das Programm noch dieses Jahr die Gewinnschwelle erreichen könne.

A380 belastet die Bilanz nur schwach

Angesichts von nur noch wenigen zu bauenden Flugzeugen und dem damit verbundenen absehbaren Ende des Riesen-Airbus A380 sind die Belastungen aus dem Programm relativ gering. Laut Airbus-Mitteilung laufen mittlerweile die Vorbereitungen zur Produktionseinstellung und zur Sicherstellung des In-Service Support für die kommenden Jahrzehnte. Die von der A380 verursachte Belastungen belaufen sich im ersten Halbjahr auf 136 Millionen Euro.

Airbus will Verhandlungen im Handelsstreit

Im Hinblick auf die aktuellen politischen Entwicklungen im Handelsstreit zwischen den USA und vielen anderen Staaten teilte Airbus mit, dass Zölle auf Airbus-Produkte und andere Waren aus der EU erhebliche Auswirkungen auf die Auslieferung neuer Flugzeuge und Hubschrauber in die USA haben könnten und damit die Finanz- und Ertragslage von Airbus negativ beeinflusst würde. Airbus unterstütze weiterhin ein durch Verhandlungen erzieltes Ergebnis.

Von: hr
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