Airbus verdreifacht den Jahresgewinn

15.02.2018 - 10:57 0 Kommentare

Die Airbus Group verdreifacht ihren Gewinn, trotz der anhaltenden Probleme mit dem A400M. Aber nicht nur der Militärtransporter bereitet dem Flugzeugbauer Schwierigkeiten.

Airbus-Chef Tom Enders. - © © dpa -

Airbus-Chef Tom Enders. © dpa

Airbus hat seinen Gewinn im abgelaufenen Jahr unter dem Strich auf nahezu fast 2,9 Milliarden Euro verdreifacht, wie das europäische Unternehmen am Donnerstag in Toulouse mitteilte. Vor allem die Rekord-Lieferungen beim Mittelstreckenflugzeug Airbus A320 hätten sich positiv ausgewirkt, erklärte Konzernchef Tom Enders.

Probleme bereitet weiter das Militär- und Transportflugzeug A400M. Die Maschine hat den Luftfahrt- und Rüstungskonzern eine weitere Milliardensumme gekostet - 1,3 Milliarden Euro mussten dafür zurückgestellt werden. Im vergangenen Jahr litt Airbus noch stärker unter den A400M-Problemen. Damals wurden Sonderbelastungen von 2,2 Milliarden Euro verbucht

"Dank unserer sehr guten operativen Ergebnisse - insbesondere im letzten Quartal - haben wir all unsere Ziele für 2017 übertroffen"

Airbus-Chef Tom Enders

Vor allem das zentrale Verkehrsflugzeug-Geschäft konnte dank der gesteigerten Produktion zulegen. Der um Sonderposten bereinigte operative Konzerngewinn (bereinigtes Ebit) wuchs um acht Prozent auf 4,25 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr will Konzernchef Tom Enders ihn um 20 Prozent steigern. Der Airbus-Umsatz blieb 2017 stabil bei 67 Milliarden Euro.

Aktionäre werden belohnt

Die Papiere schnellten am Vormittag als einer der Favoriten im Index der mittelgroßen Werte MDax um 9,18 Prozent auf 91,90 Euro nach oben. Nach dem jüngsten Rückschlag bis auf 77,80 Euro nahmen sie damit wieder Kurs auf ihr Rekordhoch vom Januar: Bis zu den 93,76 Euro fehlten nur rund 2 Prozent. Die Aktionäre sollen mit einer von 1,35 auf 1,50 Euro je Anteilsschein erhöhten Dividende am Erfolg beteiligt werden.

A320neo könnte Wachstumspläne trüben

Der A320neo, der sich so gut verkauft wie kein anderes Flugzeug, sorgt allerdings weiter für Negativschlagzeilen. Bei einem Teil der Baureihe drohen die Triebwerke während des Flugs auszufallen. Laut Enders sind 32 ausgelieferte A320neo-Jets mit Pratt & Whitney-Antrieben betroffen. Die Flugsicherheitsbehörden in Europa und den USA haben bereits Betriebseinschränkungen verhängt, manche der betroffenen Maschinen müssen am Boden bleiben.

Die Airbus-Führung macht es nun von der Lösung dieses Problems abhängig, ob sie ihr Ziel erreichen kann, in diesem Jahr insgesamt 800 Verkehrsflugzeuge auszuliefern. Denn auch beim Konkurrenzantrieb des Herstellers CFM, der bisher bei den meisten A320neo zum Einsatz kommt, habe es teilweise Probleme bei der Einsatzreife gegeben. Dennoch hatte Airbus 2017 mit insgesamt 718 ausgelieferten Verkehrsmaschinen einen Rekord aufgestellt - auch wenn der amerikanische Erzrivale Boeing weiter die Nase vorn hat.

Dem Triebwerkshersteller P&W tritt Airbus schon seit 2016 auf die Füße, weil die Lösung von Hitze- und Softwareproblemen an den Triebwerken die Auslieferung vieler Jets verzögerte. Dadurch wackelten Airbus' Auslieferungsziele auch 2017 bis kurz vor Jahresende. Derzeit stehen laut einem Sprecher erneut 30 praktisch fertige Maschinen ohne Antriebe auf dem Hof.

Eine Milliarde für A400M

Beim A400M-Programm ist Airbus zuversichtlich, die verbleibenden Risiken durch eine Vertragsanpassung mit Deutschland und den anderen Käuferstaaten deutlich zu reduzieren. Eine Absichtserklärung, unter anderem den Zeitplan für die Auslieferung anzupassen, hatten beide Seiten kürzlich unterzeichnet. Die A400M gilt als modernstes militärisches Transportflugzeug der Welt. Der Flieger hatte aber in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme bereitet.

Airbus steht ein Führungswechsel bevor

Der Konzern steckt in turbulenten Zeiten: Korruptionsermittlungen in Großbritannien und Frankreich haben den Flugzeugbauer erschüttert. Zudem wird das Top-Management umgebaut, Konzernchef Enders scheidet im Frühjahr 2019 aus. Verkehrsflugzeugchef Fabrice Brégier, die Nummer zwei des Konzerns, übergibt seinen Job schon in diesem Monat an den bisherigen Chef der Hubschrauber-Sparte, Guillaume Faury.

© Airbus, Lesen Sie auch: "Mr. Airbus" geht von Bord Hintergrund

Von: br. dpa-AFX
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