Airbus bittet Fluggesellschaften um Hilfe im Zollstreit mit den USA

03.06.2019 - 15:45 0 Kommentare

In einem Brief hat sich Airbus an Fluggesellschaften gewandt und darum gebeten, im ewigen Streit mit Boeing um Subventionen, mäßigend auf die amerikanische Seite einzuwirken. Denn es drohen saftige Zölle.

Vorstandsmitglieder von Airbus bei der Hauptversammlung.  - © ©Airbus -

Vorstandsmitglieder von Airbus bei der Hauptversammlung. ©Airbus

Nachdem die Iata auf ihrer Jahresversammlung in Seoul vor den wirtschaftlichen Folgen der fortgesetzten Handelskonflikte zwischen den USA und anderen großen Wirtschaftsräumen für die weltweite Luftfahrt gewarnt hat, wurde jetzt der Inhalt eines Briefes bekannt, den Airbus im Rahmen des Treffens an die Chefs großer Fluggesellschaften schickte.

In diesem wirbt der europäische Flugzeughersteller um Unterstützung im seit Jahrzehnten andauernden Subventions-Streit mit Boeing und warnt vor hohen zusätzlichen Kosten für die Branche, sollte sich der Zoll-Konflikt zwischen den USA und der EU weiter verschärfen.

Wie Reuters berichtet ist es das erste Mal, dass einer der Hersteller versucht, die Airlines in die Auseinandersetzung mit einzubeziehen, die längst die größte ist, die jemals vor der Welthandelsorganisation (WTO) verhandelt wurde. Airbus und Rivale Boeing werfen sich gegenseitig vor, illegale Subventionen zu erhalten und tragen den Streit darum über die EU und die USA durch alle Instanzen der Welthandelsorganisation (WTO) aus.

Wie du mir, so ich dir

Vergangenes Jahr urteilte die WTO zugunsten der USA, dass die EU weiterhin Airbus unrechtmäßig unterstütze. Eine Steilvorlage für den konfrontativen Kurs der Trump-Regierung, die umgehend mit zusätzlichen Zöllen auf EU-Produkte im Wert von elf Milliarden Dollar, unter anderem auf Flugzeugteile, drohte.

Ende März 2019 wiederum kam die WTO zu dem Schluss, dass Boeing ebenso nach wie vor illegale Beihilfen von den USA bekomme. Grund genug für die EU, ihrerseits neue Zölle anzudrohen. Dass die EU und vor allem Airbus sich gezwungen sehen zu reagieren, den Zoll-Konflikt als Ganzes aber eigentlich lieber heute als morgen beendet sähen, zeigt der Brief an die Airline-Bosse. Airbus warnt die ganze Luftfahrt-Branche, dass alle verlieren würden, wenn Boeing und die USA die Eskalation weiter suchen.

"Wenn die Zölle angewendet werden, würden die Auswirkungen stark erhöhte Kosten für US-amerikanische und europäische Fluggesellschaften, Luftfahrtzulieferer und Hersteller mit sich bringen", zitiert Reuters den Airbus-Vertriebsleiter Christian Scherer aus dem Schreiben. Die Fluggesellschaften sollten Boeing direkt auffordern, die von der EU und Airbus vorgeschlagenen Verhandlungen aufzunehmen.

Delta ist der Meinung, der Handelskonflikt schadet Amerika

Airbus hofft, auch bei den großen US-Carriern Gehör zu finden, die bis auf Southwest mittlerweile alle größere Airbus-Flotten betreiben und viele weitere Maschinen bestellt haben. Delta Air Lines hat bereits angekündigt, dass man gegen die angedrohten Zölle sei, da diese US-Interessen zuwider laufen würden. Eine Schlussfolgerung, die das Weiße Haus bekanntlich nicht teilt.

Im Gespräch mit Reportern in Seoul sagte Delta-CEO Ed Bastian: "Natürlich sind wir besorgt. Wir sind ein großer Boeing-Kunde, wir sind ein großer Airbus-Kunde. Die Zölle würden die Investitionskosten für alle unsere Flugzeuge erhöhen."

Laut Reuters gibt es unter den Delegierten der Airlines bei der Iata-Versammlung in Seoul jedoch auch Bedenken, direkt in die Streitigkeiten der Herstellerindustrie einzugreifen. Der harte Wettbewerb der beiden großen Hersteller um die Gunst der Airlines werde schließlich auch durch den Subventions-Streit angetrieben. Mit anderen Worten: Zu viel Harmonie zwischen Airbus und Boeing könnte auch nicht förderlich für geringe Anschaffungskosten beim Flugzeugbau sein.

© Gage Skidmore, Lesen Sie auch: Donald Trump, ein Freund der Luftfahrt? Gedankenflug

Von: dk
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