Airbus-Chef Enders wehrt sich gegen Korruptionsvorwürfe

16.10.2017 - 14:10 0 Kommentare

Airbus-Chef Tom Enders wehrt sich gegen den Vorwurf, sein Unternehmen habe über Jahre hinweg bestochen, um an Flugzeugaufträge zu kommen. Das Unternehmen nimmt nun Millionen für Anwälte in die Hand.

Airbus Group Präsident und CEO Tom Enders - © © dpa - Guillaume Horcajuelo

Airbus Group Präsident und CEO Tom Enders © dpa /Guillaume Horcajuelo

Airbus-Chef Tom Enders wehrt sich gegen die Korruptionsvorwürfe gegen sein Unternehmen. "Bis zum Beweis des Gegenteils" gehe er davon, dass es definitiv keine schwarzen Kassen bei Airbus gebe, sagte Enders dem "Handelsblatt". Um klare Antworten zu bekommen, stelle das Unternehmen den eigenen Laden auf den Kopf.

Enders sagte, die Leitung und Überwachung von Airbus funktioniere. "Sonst hätten wir nicht 2014 die Zahlungen gestoppt, mit viel Geld externe Untersuchungen begonnen, die Selbstanzeige gemacht. Niemand war naiv darüber, was das für Konsequenzen haben kann für das Unternehmen."

Das Unternehmen hatte sich im Jahr 2016 bei der britischen Antikorruptionsbehörde SFO selbst angezeigt. Parallel durchleuchten auch französische und deutsche Behörden das Unternehmen. Dabei geht es um Schmiergeldzahlungen beim Verkauf von Kampfflugzeugen, aber auch von Verkehrsflugzeugen.

Der Unternehmenschef bestätigte die Praxis, dass milliardenschwere Gegengeschäfte für erhaltene Aufträge vereinbart werden: "Ja, die gibt es immer noch im weltweiten Rüstungsgeschäft." Die Unternehmen seien "sicher keine Freunde davon. Man kann sie aber auch nicht in Bausch und Bogen kriminalisieren, wie das gerne und vor allem neuerdings in Österreich getan wird".

Airbus zahlt Anwälten Millionenhonorare

Der französischen Tageszeitung "Le Monde" hatte Enders bestätigt, dass der Konzern im Zusammenhang mit dem Korruptionsverdacht hohe Anwaltshonorare zu zahlen habe. Allein im vergangenen Jahr erreichten diese demnach 60 Millionen Euro oder sogar mehr. Gerüchte, wonach vom Konzern beauftragte Anwälte einer US-Kanzlei direkt US-Behörden über ihre Erkenntnisse informierten, seien aber frei erfunden. Auf die Frage, ob es auch in den USA eine Untersuchung gebe, sagte Enders dem Blatt: "Nein, nicht dass ich wüsste."

In der Affäre geht es auch um das Ansehen von Enders. "Wenn es hart auf hart kommt, zählt für mich zweierlei: Erstens: Was ist das Beste für das Unternehmen? Und zweitens: Wie schütze ich meine persönliche Reputation und Integrität?", sagte der Vorstandschef der Zeitung. Er klebe nicht an seinem Job. "Wenn ich nicht mehr Teil der Lösung bin, dann hoffe ich, dass ich das selbst erkenne und von mir aus die Konsequenzen ziehe - aber noch sehe ich den Punkt weiß Gott nicht."

Von: dh mit dpa, AFP
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