Airbus und Bombardier gründen C-Series-Joint-Venture

Airbus und Bombardier gründen ein Joint Venture. Geld fließt nicht, dafür hilft Airbus bei der Produktion und beim Vertrieb der C-Series-Mittelstreckenjets. Die findet zukünftig auch in den USA statt - um Strafzölle zu umgehen.

Pierre Beaudoin (Bombardier-Vorstandsvorsitzender), Tom Enders (Airbus CEO), Alain Bellemare (Bombardier President & CEO),  Fabrice Brégier (Airbus COO). - © © Airbus - P. Pigeyre

Pierre Beaudoin (Bombardier-Vorstandsvorsitzender), Tom Enders (Airbus CEO), Alain Bellemare (Bombardier President & CEO), Fabrice Brégier (Airbus COO). © Airbus /P. Pigeyre

Der europäische Flugzeugbauer Airbus steigt mit einem Mehrheitsanteil in das C-Series-Programm des kanadischen Herstellers Bombardier ein. Das gaben beide Unternehmen am Montagabend bekannt. Airbus werde 50,01 Prozent einer gemeinsamen Gesellschaft zur Produktion und Vermarktung halten.

Bombardier wird 31 Prozent behalten. Die staatliche Investmentgesellschaft, die vor zwei Jahren eingestiegen ist, um Bombardier zu stützen, ist mit rund 19 Prozent beteiligt. Das Geschäft werde schuldenfrei übergeben.

Die Vereinbarung zwischen Airbus und Bombardier dürfte nach Angaben der Unternehmen die Herstellungskosten der C-Series-Mittelstreckenflugzeuge deutlich verringern, außerdem könne Bombardier von den weltweiten Vertriebsstrukturen seines europäischen Partners profitieren.

Die C-Serie mit 100 bis 150 Plätzen vervollständigt das Angebot von Airbus im Mittelstreckensektor, in dem der A320 mit rund 140 Plätzen rangiert. Produktionsstandort für die C-Serie bleibt das kanadische Québec. Dort sei auch der Sitz des neuen Gemeinschaftsunternehmens "C Series Aircraft Limited Partnership" (CSALP).

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) erklärte, die Allianz eröffne für Airbus "wichtige Chancen" und sei ein "gutes Signal für die Vertiefung der europäisch-kanadischen Wirtschaftsbeziehungen". Deutsche Zulieferer seien bereits heute an dem Programm der C-Serie beteiligt, daher sei der Einstieg von Airbus auch eine Chance, Arbeitsplätze bei den Zulieferern in Deutschland zu sichern, erklärte die Ministerin.

Produktion in USA umgeht Strafzölle

Die spektakuläre Annäherung erfolgte vor dem Hintergrund eines Handelskriegs zwischen Bombardier und den US-Behörden. Diese haben dem kanadischen Konzern für den Verkauf der Flugzeuge CS100 und CS300 in die USA eine 80-prozentige Anti-Dumping-Steuer sowie einen Ausgleichszoll von 220 Prozent auferlegt. Der US-Flugzeugbauer Boeing wirft Bombardier vor, die C-Serie mit Hilfe staatlicher Subventionen zu bauen und die Maschinen billig in die Vereinigten Staaten zu verkaufen.

Airbus steigt mehrheitlich in Mittelstrecken-Serie von Bombardier ein. Foto: © Airbus

Airbus und Bombardier wollen die Endfertigung der Maschinen für den US-Markt nun künftig ins Airbus-Werk im US-amerikanischen Bundesstaat Alabama verlegen. Ein Boeing-Sprecher nannte die Vereinbarung "zweifelhaft". Mit Airbus und Bombardier schlössen sich "zwei Mitbewerber zusammen, die in großem Ausmaß von staatlichen Subventionen profitieren", sagte er.

Airbus bezahlt mit Produktionskapazitäten und Marketing

Airbus-Chef Tom Enders sagte, die Gespräche für die Partnerschaft hätten im August begonnen. Die C-Serie sei "ein großartiges Flugzeug", meinte Enders. "Aber das Flugzeug braucht jemanden wie Airbus, um seine Flügel rund um die Welt auszubreiten." Viele Kunden hätten gezögert, weil sie nicht sicher gewesen seien, was die Zukunft des Programms angeht.

Airbus-Chef sprach von einer "Win-Win"-Vereinbarung. Er habe "keinen Zweifel, dass unsere Zusammenarbeit mit Bombardier die Verkäufe und den Wert dieses Programms enorm steigern werden", erklärte er. Bombardier-Chef Alain Bellemare nannte Airbus einen "perfekten Partner" für sein Unternehmen.

Aus dem Unternehmen hieß es, für die Partnerschaft solle kein Bargeld fließen, da Airbus seine Kapazitäten für Verkauf und Marketing einbringe. Airbus muss somit für den Kauf nichts direkt zahlen, sondern nur die Kosten für die Weiterentwicklung tragen.

© Bombardier Aerospace, Lesen Sie auch: Bombardier sucht weiter nach Partner für die C-Serie

kanadische Zug- und Flugzeugbauer Bombardier kämpft seit einiger Zeit mit finanziellen Problemen und musste bereits tausende Stellen streichen. Deshalb wollte der Hersteller die Mehrheit der C-Flugzeugreihe bereits zuvor an Airbus verkaufen, blitzte dabei aber vor zwei Jahren ab. Nun muss Bombardier im Joint Venture mit Airbus in den kommenden drei Jahren für finanzielle Lücken von bis zu 700 Millionen Dollar geradestehen.

Bombardier ist vor allem für Geschäftsreise- und Regionaljets bekannt. Mit der C-Series zielte der Konzern erstmals auf das Segment der Mittelstreckenjets, das bisher von Boeing und Airbus beherrscht wird. Bei der Entwicklung hatte Bombardier aber mit einer Vielzahl von Problemen und Verzögerungen zu kämpfen. Nach fast drei Jahren Verspätung und sechs Milliarden Dollar Kosten ging die C-Series dann 2016 beim Erstkunden Swiss in Betrieb.

Die Bombardier C-Series

Foto: © Swiss

Die bislang größte Bombardier-Jetfamilie soll die erfolgreichen Mittelstreckenmuster Airbus A320 und Boeing 737 "von unten" angreifen. Die CS100 kann rund 100 bis 125 Passagiere aufnehmen, die größere CS300 kommt je nach Kabinenlayout auf bis zu 160 Sitze. Vor allem will Bombardier mit der C-Series aber gegen die erfolgreiche Embraer-EJet-Familie kontern.

Die beiden Versionen der komplett neu entworfenen FlugzeugfFamilie haben eine Reichweite von 4.000 bis rund 5.400 Kilometern (ER-Version). Beim Antrieb hat sich Bombardier für das PurePower PW1500G von Pratt & Whitney entschieden. Dieser Getriebefan (GTF-Geared Turbofan) basiert auf einer völlig neuen Triebwerksarchitektur. Das Einsparpotential kommt von einem Untersetzungsgetriebe zwischen Fan und Niederdruckturbine. Das macht das Triebwerk leiser und reduziert den Verbrauch.

An der Börse wurde die Übernahme gefeiert. Die Airbus-Aktie kletterte bis zu 3,7 Prozent und steuert wieder auf ihr Rekordhoch von Anfang Oktober zu. Das Papier steht seit einiger Zeit bei Anlegern hoch im Kurs - in den vergangenen zwölf Monaten stieg der Börsenwert um fast 50 Prozent auf zuletzt mehr als 60 Milliarden Euro. In den vergangenen Tagen hatten hingegen Korruptionsvorwürfe die Papiere belastet.

Aber auch bei den Aktionären von Bombardier sorgte die Ankündigung für Freude. An der Frankfurter Börse zog der Kurs der Bombardier-Anteile um rund sieben Prozent an - die Aktie hatte allerdings in den vergangenen Jahren deutlich an Wert verloren, da Bombardier nicht nur im Flugzeuggeschäft mit starken Problemen zu kämpfen hat, sondern auch in der Bahntechnik. Hier war unter anderem zuletzt der Versuch eines Zusammenschluss mit der Siemens-Zugsparte gescheitert./

Von: dh mit AFP, dpa

Datum: 17.10.2017 - 15:42

Adresse: http://www.airliners.de/airbus-bombardier-series-joint-venture/42611