Airbus lässt Boeing bei Neuaufträgen hinter sich

15.01.2018 - 14:05 0 Kommentare

Mit 718 ausgelieferten Flugzeugen feiert der Industriegigant Airbus einen Produktionsrekord im vergangenen Jahr - und setzt der US-Rivalin Boeing weiter kräftig zu. Doch Sorgen bleiben.

John Leahy. - © ©: dpa - Guillaume Horcajuelo/EPA

John Leahy. ©: dpa /Guillaume Horcajuelo/EPA

Airbus hat seinen Rivalen Boeing bei den Flugzeugbestellungen im vergangenen Jahr ein weiteres Mal abgehängt. Während sich die A320neo-Mittelstreckenjets bestens verkauften, sieht es beim weltgrößten Passagierjet A380 aber immer düsterer aus.

Der scheidende Chef der Verkehrsflugzeug-Sparte, Fabrice Brégier, fasste nun eine weitere Produktionskürzung ins Auge. Verkaufschef John Leahy, kurz vor der Rente, sprach von einem zwangsläufigen Ende der A380-Produktion, falls Großkundin Emirates keine neuen Maschinen bestellt. Ähnliches war bereits spekuliert worden.

Produktionsrekord für Airbus

Dabei befindet sich Airbus insgesamt eigentlich im Aufwind. 2017 verbuchte der Hersteller Aufträge über 1109 Verkehrsflugzeuge und damit 197 mehr als sein US-Konkurrent Boeing. Zwar blieben die Amerikaner mit 763 Auslieferungen auch 2017 der weltgrößte Flugzeugbauer.

Airbus gelang mit einer Steigerung von 688 auf 718 ausgelieferte Maschinen dennoch ein eigener Produktionsrekord. Im laufenden Jahr könnten es dann an die 800 Flugzeuge werden, sagte Brégier. Damit würde Airbus endgültig an Boeings Thron rütteln.

Bestellungen Airbus 2017
Bestellte Flugzeuge
A320-Familie
(inklusive ceo und neo)
1160
A330 25
A350
(-800, -900, -1000)
44
A380 0

Quelle: Airbus

Noch im Herbst hatte die Airbus-Führung bezweifelt, die angepeilte Marke von gut 700 ausgelieferten Jets 2017 zu schaffen. Grund waren vor allem technische Probleme beim Triebwerksbauer Pratt & Whitney, der Antriebe für den modernisierten Mittelstreckenjet A320neo beisteuert.

Der zu United Technologies gehörende Hersteller musste technische Probleme an seinen neuen Hightech-Antrieben lösen. Die Triebwerke sind maßgeblich für den geringeren Treibstoffverbrauch der A320neo verantwortlich, der das Flugzeug für Fluggesellschaften attraktiv macht.

Nur noch sechs A380 pro Jahr?

Erneut zeichneten die Mittelstreckenjets für den Löwenanteil bei Aufträgen und Auslieferungen verantwortlich. Airbus verbuchte Bestellungen über 926 "neos" und 128 Jets aus der herkömmlichen A320-Modellfamilie. Für die zweistrahligen Langstreckenjets der Typen A330, A330neo und A350 kamen zusammen nur 57 Aufträge herein.

Beim weltgrößten Passagierjet A380 setzte sich die Flaute fort. 2017 lieferte Airbus 15 Maschinen des Typs aus, verbuchte aber keine einzige Bestellung und kassierte obendrein zwei Stornierungen. Airbus will die Produktion in laufenden Jahr auf zwölf Maschinen und im nächsten Jahr auf nur noch acht A380 herunterfahren. Der Konzern könne auf bis zu sechs Flieger pro Jahr heruntergehen, sagte Brégier.

© AirTeamImages.com, Lesen Sie auch: Kein Flop, aber auch kein herkömmlicher Erfolg Kommentar zur A380

Ohne eine neue Bestellung der Golf-Airline Emirates steht die A380 nach Aussage von Verkaufschef Leahy jedoch über kurz oder lang vor dem Aus. "Ganz ehrlich: Wenn wir keinen Deal mit Emirates aushandeln können, gibt es glaube ich keine andere Wahl, als das Programm zu beenden", sagte er. Emirates sei derzeit wahrscheinlich die einzige Airline im Markt, die für einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren mindestens sechs Flugzeuge jährlich abnehmen könne.

Anstehende Personalwechsel

Boeings Konkurrenzmodell, der Jumbo-Jet 747-8, hat aber ähnliche Absatzprobleme. Er verkauft sich fast nur noch in der Frachtversion. Im Passagiergeschäft setzen Airlines inzwischen vor allem auf mittelgroße Langstreckenjets wie die Boeing 787 "Dreamliner" und den Airbus A350, die sich auch auf weniger stark gefragten Strecken rentabel einsetzen lassen.

So sieht sich Airbus auf Kurs, von seinem jüngsten Spross A350 von Ende 2018 an monatlich zehn Exemplare auszuliefern. Im abgelaufenen Jahr waren es insgesamt 78 Maschinen.

Sorgenkind A380. Foto: © dpa, Francois Mori/AP

Brégier und Leahy werden dann nicht mehr an Bord sein. So gibt der 67-jährige Leahy seinen Posten als Verkaufschef Ende Januar nach rund 24 Jahren an den bisherigen Rolls-Royce-Manager Eric Schulz ab. Brégier verlässt den Konzern im ersten Schritt eines Management-Umbaus im Februar. Sein Nachfolger an der Spitze des Verkehrsflugzeug-Geschäfts wird Guillaume Faury, bisher Chef der Hubschrauber-Sparte.

Von: cs, dpa
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