Airbus will mögliche Boeing 797 mit Kampfpreisen kontern

22.05.2019 - 10:12 0 Kommentare

Airbus kündigt eine "Links-Rechts-Kombination" als Antwort auf die mögliche Neuentwicklung eines mittelgroßen Flugzeuges (NMA) durch Boeing an. Die Amerikaner wiederum vermeiden das Thema zwar öffentlich, evaluieren jedoch weiter ihre Möglichkeiten.

Logo der Airbus Group. - © © EPA/dpa - Guillaume Horcajuelo

Logo der Airbus Group. © EPA/dpa /Guillaume Horcajuelo

Boeing bereitet hinter den Kulissen weiter intensiv den Launch eines "New Middle of the Market"-Flugzeugs (NMA), einer möglichen 797, vor. Wie Reuters berichtet, hält der Flugzeughersteller das Thema jedoch derzeit aus der Öffentlichkeit raus, da man sich auf die Lösung der Krise um die 737 Max konzentrieren wolle. Die Nachrichtenagentur beruft sich auf Insider in Fluggesellschaften und bei Boeing.

Boeing trägt sich schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken, die Entwicklung eines 220-270-sitzigen Jets offiziell zu starten. Dieser soll sich zwischen den traditionellen Großraum-Modellen wie dem Airbus A330 oder der hauseigenen 787 und den in hoher Stückzahl produzierten Single-Aisle-Modellen der A320- und 737-Familien positioniert. Aufgrund der hohen Kosten für eine Neuentwicklung, kolportiert werden rund 10 Milliarden Dollar, zögerte der Konzern jedoch bisher mit dem Startschuss.

Airbus gibt sich ob der Aussicht auf einen neuen, hochmodernen Konkurrenten für die eigenen Modelle weiterhin entspannt. Wie Airbus-Verkaufschef Christian Scherer gestern am Rande der "Airbus Innovation Days" in Toulouse mitteilte, beabsichtige man, Marktanteile mit der A330 am oberen und der A321 Neo am unteren Ende des Middle-of-the-Market-Segments zu verteidigen.

Airbus setzt auf "Preisflexibilität"

"Diese beiden Programme sind so ausgereift, dass sie Airbus Preisflexibilität geben, um dieses mittlere Marktsegment anzusprechen", so Scherer und bezeichnete diese Kampfpreis-Taktik klingend als "Links-Rechts-Kombination". Die Fluggesellschaften würden in den kommenden Jahren vor allem Boeing 757 und einige größere 767 Flugzeuge ersetzen, wofür man das passende Angebot habe.

Boeing wiederum ist der Meinung, dass seine möglichen neuen Mittelklasse-Flugzeuge deutlich effizienter wären als beide Airbus-Modelle. Jedoch verweist Reuters auf die hohen Anschaffungskosten für die Fluggesellschaften, die sich bei Neuentwicklungen fast zwangsläufig ergeben und die Boeing bei der Entwicklung einem hohem Kostendruck aussetzen.

© AirTeamImages.com, Ido Wachtel Lesen Sie auch: Neues Boeing-Midsize-Flugzeug ohne Rolls-Royce-Triebwerke

Airbus wägt derweil Pläne ab, die A321 mit einer Langstreckenversion namens A321XLR zu ergänzen, um Boeing zuvorzukommen. Der neue Airbus-CEO Guillaume Faury deutete an, dass die Bestätigung für die XLR-Version auf der Paris Airshow im nächsten Monat kommen könnte, als er sagte, dass die A321LR das weltweit am längsten reichende Single-Aisle-Jet-Flugzeug "für den Moment" sei.

Bei den großen Jets hat Airbus das modernere Modell

Eine umgekehrte Rollenverteilung zwischen den beiden weltgrößten Flugzeugherstellern findet sich am oberen Ende des Marktes. Dort konkurriert Boeings kommender 400-Sitzer 777X - eine "Neo"-Version der klassischen Triple Seven mit neuen Triebwerken - mit der neu entwickelten und etwas kleineren A350-1000. Vertriebsleiter Scherer verspottete die 777X in seinen Äußerungen als "re-engined Humvee", einen schweren Jeep der auch vom US-Militär genutzt wird und der im Vergleich zur modernen A350 durch Übergewicht humpele.

Boeing setzt dem entgegen, dass die 777X das effizienteste Flugzeug pro Sitzplatz überhaupt werde und verweist auf den Auftragsbestand. Man habe bisher nahezu doppelt so viele 777X verkauft wie Airbus A350-1000. Laut Analysten sei der 777X-Auftragsbestand jedoch stark von den Golffluggesellschaften abhängig, deren Expansionspläne immer fragiler erschienen, so Reuters.

Airbus will effizientere Produktion in Europa

Ein weiteres Thema bei den "Airbus' Innovation Days" waren laut Teilnehmern Bemühungen des Herstellers, die europäischen Produktionsstätten effizienter zu machen. Ein Herausforderung, der sich auch der Augsburger Standort der Airbus-Tochter Premium Aerotec stellen muss.

Michael Schoellhorn, Chief New Operations, sagte, Airbus untersuche, ob man für kommende Kapazitätssteigerungen Lieferanten aufkaufen müsse. So spreche man mit Bombardier über der Kauf der Flügel-Produktion im nordirischen Belfast. Das Werk fertigt Flügel für das A220-Programm, das Bombardier im vergangenen Jahr mehrheitlich an die Europäer verkauft hat. Airbus kündigte zudem Pläne an, die Reichweite des Jets zu erhöhen.

© Airbus, Lesen Sie auch: Airbus macht A220 fit für die Langstrecke

Von: dk
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