Keine Ermüdungserscheinungen Airbus: A380-Risse herstellungsbedingt

26.01.2012 - 13:53 0 Kommentare

Airbus-Programmchef Tom Williams hat die jüngst entdeckten Risse an den Tragflächen mehrerer Airbus A380 als material- und prozessbedingt bezeichnet. Mit neuen Fertigungsmethoden habe Airbus Grenzen antesten müssen.

Airbus A380 bei der EAA AirVenture Oshkosh 2009 - © © EAA -

Airbus A380 bei der EAA AirVenture Oshkosh 2009 © EAA

Die jüngsten Probleme des europäischen Flugzeugbauers Airbus mit seinem A380 liegen nach Angaben des Unternehmens am Fertigungsprozess. Airbus muss auf Anweisung der europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA fast ein Drittel der weltweit 67 Jets auf Risse an den Tragflächen untersuchen lassen. Airbus-Programmchef Tom Williams (60) erklärte am Mittwoch in einer Telefonkonferenz in Dublin, das Problem habe mit dem Herstellungsprozess zu tun. Die Ursache der Risse sei in erster Linie Material- und prozessbedingt: Das Einbauverfahren wäre mit einem anderen Material durchaus richtig gewesen.

Bei den defekten Teilen handelt es sich nicht um tragende Teile, sondern eine Art Klammer, die die Flügelrippen mit der Außenfläche der Flügel verbinden. Die wichtigste Aufgabe dieser Klammern ist es, eine aerodynamische Form der Tragfläche zu garantieren. Insgesamt 4.000 gibt es davon in einer A380 - gerade mal eine Handvoll pro Maschine wies bisher feine Risse an der Unterseite auf. Williams bezeichnete das Problem als Kinderkrankheit, wie sie bei ehrgeizigen neuen Flugzeugprogrammen eher zur Normalität gehören.

«Wir haben bei diesem Flugzeug ein wenig die Grenzen antesten müssen», meinte Williams mit Blick auf neue Fertigungsmethoden, bei der etwa Aluminium und Faserverbundstoffe kombiniert werden mussten. Es handele sich aber auf keinen Fall um Ermüdungserscheinungen, die zugesicherte Lebenszeit der Riesenflugzeuge von mindestens 19.000 Flugzyklen (Starts und Landungen) bleibe gewährleistet. Williams, der in Dublin an einer Investoren-Konferenz teilnahm, nannte das Problem sehr begrenzt. Allerdings müsse zur Untersuchung auch das Innere eines Flächentanks inspiziert werden, was zeitintensiv sei.

Die EASA-Anweisung betrifft alle Flugzeuge, die bereits mehr als 1.300 Starts und Landungen hinter sich haben. Maschinen, die bereits auf mehr als 1800 Flüge kommen, müssen innerhalb von vier Tagen untersucht werden. Anfang Januar war bekannt geworden, dass an mehreren Flugzeugen des Jets Risse in Tragflächen-Teilen aufgetreten sind. Ursprünglich hatte Airbus angenommen, die Mängel bei den alle vier Jahre vorgesehenen Wartungsprüfungen reparieren zu können. Betroffen sind nach bisherigen Angaben die Fluggesellschaften Qantas und Singapore Airlines sowie drei Testflugzeuge.

Singapore erklärte am Mittwoch in einer Erklärung, bei den Inspektionen seien an allen vier der bereits untersuchten A380-Flugzeuge Haar-Risse entdeckt worden. Eine A380 sei bereits repariert worden und wieder im Einsatz. Singapore muss bis zum 28. Januar entsprechend der EASA-Direktive insgesamt sechs Maschinen überprüfen. Die Lufthansa hatte angegeben, bei ihren A380 keine Risse entdeckt zu haben. Auch die Fluggesellschaften Emirates, China Southern, Korean Air Lines und Air France-KLM haben die A380 im Einsatz.

Der erste Riss war an der A380 aufgefallen, die im November 2010 einen schweren Triebwerksschaden hatte. Zunächst war deswegen von einem Zusammenhang ausgegangen worden. Bei Qantas-Flug QF32 war kurz nach dem Start in Singapur in einem Triebwerk Öl ausgelaufen und in Brand geraten.

Von: dpa
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