Airbus dementiert A350-XXL-Gedankenspiel

02.10.2018 - 14:14 0 Kommentare

Airbus liefert eine Sonderedition ihrer A350-Reihe aus und dementiert gleichzeitig, an einer weiteren Vergrößerung zu arbeiten. Dabei unterscheiden sich die beiden bisher ausgelieferten Standard-Versionen in nur wenigen Punkten.

Ein Airbus A350-1000 in der Konzern-Livery. - © © Airbus -

Ein Airbus A350-1000 in der Konzern-Livery. © Airbus

Zum Wochenstart hat Airbus mit der A350-900 ULR (Ultra Long Range) eine weitere Version ihrer A350-Familie an Erstkundin Singapur Airlines übergeben. Den immer wieder aufkeimenden Gerüchten über eine nochmals verlängerte Version ihrer XWB-Baureihe -einer "A350-2000 "- erteilt Airbus eine Absage. So sagte eine Sprecherin zu airliners.de: "Unsere Priorität ist derzeit die erfolgreiche Konsolidierung der A350-900/-1000-Familie mit Weiterentwicklungen wie der ULR".

Dabei seien die Unterschiede der bereits bestehenden Modellserien 900 und 1000 laut Beobachtern nicht gravierend. Airbus zufolge sind 95 Prozent der Ersatzteile identisch. Der größte Unterschied liegt bei der Passagierkapazität. So bietet die A350-1000 in einer typischen Dreiklassenkonfiguration 366 Reisenden Platz. Bei der kleineren Schwester 900 sind es laut Herstellerangaben lediglich 325 Plätze.

A350-1000 ist länger als A380

Airbus hat für die erhöhte Sitzplatzkapazität den Rumpf der A350-1000 gegenüber dem des 900er-Modells um sieben auf 73,8 Meter gestreckt. Damit ist die bisher größte Version sogar um 80 Zentimeter länger als der Airbus A380. Die Rumpf-Verlängerung zieht eine Reihe konstruktionstechnischer Anpassungen nach sich, was auch gleichzeitig die größten Unterschiede der beiden Modelle begründet.

Das Maximalgewicht der 1000er-Baureihe gibt Airbus mit 316 Tonnen. Damit ist der Jet rund 36 Tonnen schwerer als das kleine Schwestermodell (280 Tonnen). Durch das gestiegene Gewicht besteht das Hauptfahrwerk der 1000-Version aus sechs Rädern, während die "leichtere" A350-900 lediglich vier Räder nutzt. Auch die Flügelfläche ist um 16 Quadratmeter auf 370 Quadratmeter erhöht worden. Die Tanks der 1000er-Serie fassen mit 156.000 Litern rund 15.000 mehr Kerosin als die der kleinen Schwester mit 141.000 Litern.

900er-Modell kommt weiter

Bei beiden Modellen setzt Airbus auf Trent XWB Triebwerke von Hersteller Rolls Royce. Allerdings ist das bei der A350-1000 verwendete Trent XWB-97 mit einem Schub von 431 Kilonewton leistungsstärker als das bei der 900er-Version verbaute Trent XWB-84 mit 374 Kilonewton. Airbus verspricht, es handele sich dabei um die modernsten und geräuschärmsten Triebwerke aller Großraum-Jets. Auch soll der Geräuschpegel in der Kabine beider Versionen bis zu viermal leiser als in Boeings "Dreamliner" sein.

Die technischen Daten generieren für beide Maschinen eine Reichweite von rund 15.000 Kilometern, allerdings schafft die 900er-Serie mit 15.500 noch 500 Kilometer weiter und liegt leicht vor ihrer großen Schwester. Deutlich weiter kommt die jetzt ausgelieferte Erweiterung der A350-900 in der ULR-Version. Airbus gibt die Reichweite mit nahezu 18.000 Kilometern an.

Erreicht wird diese enorme Distanz nicht durch den Einbau zusätzlicher Tanks, sondern durch eine Änderung am Treibstoffsystem und einer Sperrung des vorderen Frachtraums. Außerdem werden die Maschinen mit rund 50 Zentimeter längeren Winglets (9,95 Meter) ausgestattet.

Bei Verkäufen liegt die A350-900 vorn

Zusammen hat Airbus bisher 890 Festaufträge für die A350-Reihe erhalten. Besonders gut verkauft sich seit ihrer Indienststellung im Januar 2015 die "kleinere" A350-900. Neben Erstkundin Qatar Airways ist sie bisher 188-mal an 19 Betreiber ausgeliefert worden. In den Airbus-Büchern finden sich noch 534 offene Bestellungen. Allein die Lufthansa hat 25 Maschinen bestellt, von denen elf Jets schon Teil der Flotte sind.

So gut verkauft sich die 1000er-Version bisher nicht. Als erster Carrier hat Qatar Airways die Maschine im Februar übernommen und setzt sie seit August täglich auf der Strecke zwischen Doha und Frankfurt ein. Airbus liegen Bestellung für ihre zweigrößte Widebody-Maschine vor. Mit Stand August konnte der Carrier fünf Maschinen schon an die Airlines übergeben Laut aktuellen Zahlen wird Qatar Airways mit 37 Bestellungen größte Einzelkundin.

Bestellungen der beiden A350-Modelle
Singapore Airlines United Airlines Etihad Airways Qatar Airways Cathay Pacific British Airways Iran Air Japan Airlines Übrige Airlines
A350-900 67 45 40 34 26 0 0 0 603
A350-1000 0 0 22 42 0 18 16 13 31

Die Grafik zeigt die jeweils fünf größten Abnehmer der A350-900 und -1000Quelle: Airbus

Bei Airbus beziffert man den weltweiten Bedarf an Langstrecken-Jets in den nächsten 20 Jahren auf rund 8100 neue Großraum Passagier- und Frachtflugzeuge. Gleichzeitig schätzen beide großen Hersteller den Markt für Mittelstrecken-Jets mit knapp 31.000 Maschinen deutlich höher ein. Gerade die größten Flugzeugtypen wie der Jumbo-Jet Boeing 747-8 und der doppelstöckige Airbus A380 sind bei den Airlines kaum noch gefragt. Normalgroße Langstreckenjets wie Boeings "Dreamliner" und der Airbus A350 verkaufen sich hingegen gut.

© dpa, Elaine Thompson/AP Lesen Sie auch: Boeing sieht die Nachfrage gestiegen

Von: br
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