Airbus A350: Enge wird Teil des Programms

07.03.2018 - 12:06 0 Kommentare

Der neue Airbus A350-1000 ist ein großer Twinjet, mit dem die Europäer auch der kommenden Boeings 777-9 Konkurrenz machen wollen. Dafür muss die A350 aber sehr eng bestuhlt werden.

Darstellung einer A350-1000 im Flug. - © © Airbus -

Darstellung einer A350-1000 im Flug. © Airbus

Airbus hat die erste A350-1000 ausgeliefert. Die Langversion des neuen europäischen Großraumjets soll rund 366 Passagiere über 14.000 Kilometer weit befördern können. Das ist beeindruckend - aber die kommende Boeing 777-9 soll bei ähnlicher Reichweite rund zehn Prozent mehr Passagiere befördern können.

Bei der Übergabezeremonie an Qatar Airways gab sich Airbus dennoch betont gelassen. Die lange Boeing 777X vollzubekommen sei gar nicht so einfach, verbreitet das Marketing des europäischen Konzerns. Bei gleicher Sitzplatzbelegung würde die A350 zudem noch 15 Prozent effizienter sein.

Glaubt man der Airbus-PR, bietet die A350 den Passagieren auch noch mehr Komfort als der kommende Riesen-Twinjet aus Seattle: Mit der A350-1000 biete Airbus eine 3-3-3-Bestuhlungsvariante, die Economy-Reisenden mehr Platz zum Sitznachbarn ermögliche als die enge 3-4-3-Bestuhlung der 777X.

Kein Garant für "gemütliche" Ausstattung

Dabei lässt der europäische Flugzeugbauer allerdings gekonnt aus, dass für die Triple-Seven von Boeing ursprünglich auch eine 3-3-3- beziehungsweise 2-5-2-Sitzkonfiguration vorgesehen war. Stattdessen verbauen aber mehr und mehr Kunden eine engere 3-4-3-Sitzkonfiguration in der Economy Class. Das Komfortversprechen für den Airbus A350 wird also spätestens dann obsolet, wenn auch die Europäer dem Druck der Airlines nachgeben und mehr Sitzplätze in ihren neuen Twinjet einbauen.

Interessanterweise sieht Airbus selbst genau darin ein großes Potenzial. Laut Airbus-Marketing-Abteilung gibt es sogar schon zwei Kunden, die sich für die 3-4-3-Konfiguration im A350 entschieden haben - und auch Fabrice Brégier, der scheidende Chef der Jetsparte von Airbus, sprach bei der Erstauslieferung an Qatar von dieser Möglichkeit, die Sitzplatzkapazität des neuen Airbus-Flaggschiffs zukünftig weiter zu erhöhen.

Airbus vs. Boeing - Aktuelle Langstreckenübersicht

Modell Reichweite (in km) Bestuhlung (typisch) Status Auslieferungen Bestellungen
Boeing 787-8 13.620 2 Klassen/242 Ausgeliefert 2011 350 418
Boeing 787-9 14.140 2 Klassen/290 Ausgeliefert 2014 294 705
Boeing 787-10 11.910 2 Klassen/330 Erstauslieferung 2018 0 171
Boeing 777-8 (X) 16.110 2 Klassen/350 -375 kommt zwei Jahre nach der -9 0 53
Boeing 777-9 (X) 14.075 2 Klassen/400-425 Erstflug 2019 0 273
Airbus A350-800 15.270 2 Klassen/276 Wird durch A330-800neo ersetzt 0 8
Airbus A350-900 15.000 2 Klassen/325 Auslieferung 2015 146 677
Airbus A350-1000 14.750 2 Klassen/366 Auslieferung 20.02.2018 0 169
A330-800neo 13.900 2 Klassen/257 Erstes Testflugzeug wird seit Dez. 2017 produziert 0 6
A330-900neo 12.310 2 Klassen/287 Auslieferung Sommer 2018 0 214

Stand: Februar 2018 | Quelle: Hersteller

Airbus plant weitere Optimierungen der A350-Serie

Neben der Bestuhlung soll die A350 aber auch noch in anderen Bereichen weiter optimiert werden, um etwa die Reichweite perspektivisch noch etwas weiter in Richtung Boeing-Konkurrenz zu bringen. Die neue 1000er-Variante setzt beispielsweise um die Türen mehr kohlefaserverstärkten Verbundstoff ein, um das Gewicht zu reduzieren. Später soll dies auch bei den kleineren 900er Varianten passieren.

Einer A350-800-Variante hat Airbus bei der Vorstellung der neuen -1000 erneut eine Absage erteilt. Für geringere Kapazitäten wird Mitte 2018 stattdessen die A330-900neo ausgeliefert, die ihren Rollout in den Farben von TAP Portugal gerade erst hatte. Später folgt noch eine A330-800neo und damit die Neuauflage für das kleinste Airbus-Widebody-Flugzeug.

Beliebtheit sorgt für lange Wartezeiten

Gegen Boeings neue 777 und den anderen Angeboten sieht sich Airbus also gut gerüstet. Das liegt allerdings in der Natur der Ankündigung. Fakt ist aber auch, dass sowohl die Langstreckenjets der beiden großen Hersteller so beliebt sind, dass die Maschinen über die nächsten Jahre kaum spontan zu bekommen sein werden.

© airbus, Lesen Sie auch: Flugzeughersteller müssen Produktion erhöhen

Das gilt auch für die neue A350-1000. Derzeit liegen Airbus 169 Bestellungen von elf Kunden vor. Leasingfirmen zeigen sich allerdings bisher zögerlich. Laut Airbus liegt das schlicht an der Größe der Maschine. Derartig große Maschinen seien schwerer von einem zum anderen Kunden transferierbar, was sie für Leasingunternehmen nicht sonderlich attraktiv mache, so Airbus.

Von: as
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