Knappes Verkaufsrennen zwischen Boeing und Airbus in Paris

19.06.2019 - 17:58 0 Kommentare

Ausgerechnet American Airlines wird mit 50 Bestellungen vorerst größter Kunde der A321 XLR. Insgesamt sind die Bestellungen aber fast ausgeglichen. Außerdem verkauft ATR neue Versionen ihrer Turboprops mit Kurzstart-Fähigkeiten.

Visualisierung des Airbus A321 XLR in der Livery von American Airlines - © © Airbus -

Visualisierung des Airbus A321 XLR in der Livery von American Airlines © Airbus

Auf der Pariser Luftfahrtmesse hat Airbus mit seinem neuen Langstreckenjet A321 XLR seinen Rivalen Boeing bei den Aufträgen wieder überholt. Von Montag bis Mittwoch sammelte der europäische Flugzeugbauer auf der weltgrößten Branchenmesse in Le Bourget bei Paris insgesamt Bestellungen und Vorverträge über 293 zusätzliche Flugzeuge ein.

Zudem schrieben Airlines bestehende Aufträge auf den kleinen Langstreckenjet A321 XLR um, der Flüge etwa von Europa nach Amerika bewältigen kann - und solche Verbindungen dank seines geringen Spritverbrauchs auch zwischen kleineren Flughäfen rentabel machen soll.

Nachdem Airbus den Bau des Jets am Montag angekündigt hatte, lagen am Mittwoch bereits mehr oder weniger verbindliche Verträge über 206 Maschinen des Typs vor. Größter Abnehmer ist ausgerechnet American Airlines aus den USA - die mit dem Airbus A321 XLR voraussichtlich auch alte Boeing-Jets vom Typ 757 ersetzen will.

Boeing ist nur knapp hinter Airbus

Doch auch der bisher weltgrößte Flugzeugbauer Boeing konnte auf der Messe punkten - trotz des weltweiten Startverbots für seinen bisher meistbestellten Flugzeugtyp 737 Max. Insgesamt sammelte der US-Konzern bisher Bestellungen und Vorverträge über 272 Passagier- und Frachtmaschinen ein. Am Dienstag hatte der Mutterkonzern von British Airways, die International Airlines Group (IAG), mit seiner erklärten Kaufabsicht für 200 Exemplare der 737 Max die Messebesucher überrascht.

IAG-Chef Willie Walsh, der früher selbst als Pilot das Vorgängermodell der 737 Max geflogen war, sprach Boeing und dem Jet sein Vertrauen aus. "Wenn Sie mich fragen: Ich würde schon morgen in eine Max einsteigen", sagte er in Le Bourget.

© dpa, Michel Euler Lesen Sie auch: Boeing kann in Paris Großauftrag für 737 Max verkünden

Laut Preisliste hätten die 200 Max-Maschinen einen Gesamtwert von rund 24 Milliarden US-Dollar (21,4 Milliarden Euro). Allerdings sind bei Flugzeugbestellungen immense Rabatte üblich, die sich durchaus auf 50 Prozent belaufen können. Vor allem auf wenig gefragte Modelle und Neuentwicklungen, bei denen der Käufer die Kinderkrankheiten mit ausbaden muss, gibt es hohe Nachlässe.

Verkauf des A321 XLR läuft gut an

Unterdessen setzt Airbus den Rivalen Boeing mit dem Langstreckenjet A321 XLR weiter unter Druck. Neben American Airlines sind auch die Billigflieger Wizz Air aus Ungarn, Frontier aus den USA und Jetsmart aus Chile scharf auf den Jet. Gemeinsam wollen sie 50 A321 XLR kaufen, wie Airbus und der US-amerikanische Airline-Investor Indigo Partners mitteilten. Indigo Partners - der nichts mit der indischen Fluglinie Indigo zu tun hat - hat sich auf Beteiligungen an Billigfluggesellschaften spezialisiert und hält große Anteile an Wizz Air, Frontier und Jetsmart. Durch gemeinsame Großaufträge erreichen die Airlines beim Flugzeugkauf in eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber dem Hersteller.

Weitere 36 Maschinen der Reihe bestellte die australische Fluggesellschaft Qantas. Der Konzern und seine Billigtochter Jetstar planen, den Flieger im Punkt-zu-Punkt-Verkehr in Australien, Asien und dem Pazifik-Raum einzusetzen. China Airlines aus Taiwan möchte mit 25 "normalen" A321 Neo ihre Flotte modernisieren.

Der Rumpf der A321XLR ist so groß wie derjenige anderer Mittelstreckenjets - mit einem Gang in der Mitte der Kabine und auf jeder Seite jeweils drei Sitzen nebeneinander in der Economy Class. Auf Kurz- und Mittelstreckenflügen sind diese Flugzeugtypen Standard, der Großteil der Airline-Flotten besteht in diesem Bereich heute aus Boeings 737-Reihe und der Airbus-Modellfamilie A320.

Boeing punktet bei Cargo-Fliegern

Die längere, aus den 1980er-Jahren stammende Boeing 757, die auch längere Strecken bewältigen kann, wird hingegen längst nicht mehr gebaut. Mit der A321 XLR will Airbus einer möglichen Neuentwicklung von Boeing zuvorkommen. Denn der US-Konzern will die Lücke zwischen den kleineren Mittelstreckenjets wie der 737 und den großen Langstreckenjets wie der Boeing 787 mit einer kompletten Neuentwicklung füllen. Das "New Midsize Aircraft" (NMA) soll 2025 fertig sein, Airbus will seine A321 XLR schon im Jahr 2023 erstmals ausliefern.

Auf der Messe schlug Boeing am Mittwoch vor allem Frachtflugzeuge los. Die Fluggesellschaft ASL aus Dublin will 20 kleine Frachter auf Basis einer älteren Version der Boeing 737 NG kaufen, die von dem Flugverbot nicht betroffen ist. China Airlines aus Taiwan und Qatar Airways unterzeichneten Vorverträge über insgesamt bis zu elf große Frachtjets vom Typ Boeing 777. Und Turkmenistan Airlines kündigte den Kauf einer 777-200LR an.

Auch kleinere Hersteller melden Verkäufe

Der europäische Turboprop-Hersteller ATR konnte ebenfalls Erfolge vermelden. Mit Air Tahiti und der irischen Leasingfirma Elix Aviation Capital wurden Verträge über die neue ATR 42-600S unterzeichnet. Elix wird mit zehn Exemplaren Erstkunde des neuen Modells, das auf nur 800 Meter langen Pisten starten und landen kann. Das S in der Typenbezeichnung steht für "STOL", was wiederum die Abkürzung für Short Take Off and Landing ist.

Embraer gab bekannt, dass KLM für die Regionaltochter Cityhopper 15 feste Orders für den E195-E2 Jet sowie weitere 20 Optionen auf das Flugzeug abgegeben hat. Die Vereinbarung umfasse einen Listenpreis von gut 2,5 Milliarden US-Dollar.

Von: hr, dpa-AFX
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