Air France/KLM zahlt Schadenersatz an Bahn

09.02.2018 - 11:06 0 Kommentare

Wegen eines Preiskartells bei Frachtflügen verklagte die Deutsche Bahn eine Reihe von Airlines. Nun zahlt Air France/KLM laut Medienberichten 60 Millionen Euro - mehr als andere Kartellmitglieder bisher.

Eine Maschine von KLM Cargo wird beladen. - © © KLM -

Eine Maschine von KLM Cargo wird beladen. © KLM

Eine weitere Airline zahlt Schadenersatz wegen illegaler Preisabsprachen für Frachtflüge: Air France/KLM hat sich auf einen außergerichtlichen Vergleich mit der Deutschen Bahn verständigt. Das bestätigten beide Unternehmen auf Anfrage von airliners.de, nannten aber keine Details der Vereinbarung. Laut "Handelsblatt" soll es um eine Summe von rund 60 Millionen Euro gehen.

Das dürfte der bislang größte Betrag sein, den die Bahn als Geschädigte des Cargo-Kartells von einem Unternehmen kassiert. Bisher hatte der Konzern laut Medienberichten angegeben, rund 82 Millionen Euro Schadenersatz von diversen Airlines erhalten zu haben.

Bahn klagte auf drei Milliarden Euro

Die Bahn verklagte 2014 Lufthansa Cargo und zehn weitere Fluggesellschaften auf Schadenersatz in Höhe von rund drei Milliarden Euro. Gegen weitere sieben Carrier wurden Verfahren in den USA angestrengt.

Dort einigte sich die Bahn Ende 2015 zuerst mit All Nippon Airways, SAS und Cargolux außergerichtlich. SAS war dann auch die erste Airline, die in Deutschland zu einem Vergleich bereit war. Im vergangenen Sommer kamen Singapore Airlines und Qantas hinzu.

Lufthansa Cargo und Swiss, die ebenfalls Teil des Kartells waren, sperren sich bislang gegen die Forderungen der Bahn. In einem Gutachten versuchten sie nachzuweisen, dass bei den Frachtkunden durch die widerrechtlichen Absprachen kein tatsächlicher Schaden entstanden sei und sie die "angeblich erhöhten Kartellpreise" eventuell an ihre eigenen Kunden weitergegeben hätten.

Lufthansa war Kronzeugin

Elf Airlines hatten zwischen 1999 und 2006 wettbewerbswidrige Absprachen für Frachtflüge getroffen, unter anderem über Kerosin- und Sicherheitszuschläge. Deswegen verhängte die EU-Kommission Bußgelder in Höhe von insgesamt 776 Millionen Euro gegen sie. Der größte Teil ging zulasten von Air France, KLM und der Tochtergesellschaft Martinair, nämlich 325 Millionen.

Lufthansa Cargo und Swiss mussten keine Strafe zahlen: Der Kranich-Konzern hatte das Kartell zur Anzeige gebracht und ging als Kronzeugin straffrei aus.

© airliners.de, Gunnar Kruse Lesen Sie auch: EU-Kommission bestätigt Millionen-Bußgeld gegen Luftfrachtkartell

Auf Schadenersatz wurde Lufthansa Cargo dennoch verklagt. Denn parallel zum EU-Bußgeldverfahren strengten die geschädigten Unternehmen Zivilklagen gegen die Beteiligten Airlines an. Die Bahn mit ihrer Logistik-Tochter Schenker ist eine der Hauptgeschädigten, ihr schlossen sich Großunternehmen wie Bosch, BMW, Continental und die Spedition Kühne + Nagel an.

Auch Bahn und Spediteure müssen Strafe zahlen

Die Deutsche Bahn und mehrere Spediteure waren jahrelang selbst an einem Luftfrachtkartell beteiligt: Wegen unerlaubter Preisabsprachen für Speditionsdienste im Luftverkehr zwischen 2002 und 2007 wurden sie von der EU-Kommission mit Geldbußen in Höhe von 169 Millionen Euro belegt. Gegen die 2012 verhängte Strafe zogen die Bahn, DB Schenker und Kühne + Nagel vor Gericht. Anfang Februar wies der Europäische Gerichtshof ihren Widerspruch in zweiter Instanz ab.

Von: pra
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