«Rentabler als Konkurrenz»

Air France-KLM mit Gewinneinbruch

20.11.2008 - 18:21 0 Kommentare

Air France-KLM durchfliegt die derzeitige Krise nach eigenen Angaben mit höheren Betriebsgewinnen als die europäische Konkurrenz. Ein Sparplan und weniger Flüge im Winter sollen ein «klar positives Betriebsergebnis» für das Gesamtjahr sichern.

Die Weltfinanzkrise hat den führenden europäischen Airlinekonzern Air France-KLM in heftige Turbulenzen geführt. Im zweiten Geschäftsquartal (bis 30. September) brach der Betriebsgewinn um 44,1 Prozent auf 405 Millionen Euro ein. Air France-KLM bleibe aber deutlich rentabler als der Hauptkonkurrent Lufthansa und baue seinen Vorsprung am Markt aus, sagte Konzernchef Jean-Cyril Spinetta am Donnerstag in Paris. «Ich bin sicher, dass wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden.»

Finanziell hinterlässt die Krise bereits kräftige Schrammen in den Bilanzen. Alleine die Treibstoffkosten schossen im ersten Halbjahr um 700 Millionen auf fast drei Milliarden Euro in die Höhe. Für das Gesamtjahr strebt Spinetta nur noch ein positives Betriebsergebnis an, schließt also unter dem Strich Verluste nicht aus. Die Geschäfte zur Absicherung gegen die hohen Treibstoffpreise wurden dabei zur teuren Falle: Weil die Marktpreise um mehr als die Hälfte gefallen sind, muss der Konzern im laufenden Halbjahr deutlich mehr für den Treibstoff bezahlen als auf dem freien Markt.

Der Überschuss sank von 736 auf 28 Millionen Euro. Um Sondergrößen bereinigt halbierte er sich von 479 auf 244 Millionen Euro. Für das erste Halbjahr buchte Air France-KLM damit einen Rückgang des Betriebsergebnisses um 43,9 Prozent auf 639 Millionen Euro und des bereinigten Überschusses um 47,8 Prozent auf 385 Millionen Euro. «Wir haben in einem schwierigen Umfeld ein gutes Ergebnis erzielt», hieß es.

Bei einem Passagierwachstum von 1,7 Prozent stieg der Umsatz im zweiten Quartal um 3,2 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Ohne Währungseffekte wäre der Umsatz sogar um 7,1 Prozent gestiegen. Im gesamten Halbjahr expandierte das Geschäft um 4,4 Prozent auf 12,98 Milliarden Euro. Die Treibstoffkosten stiegen um 700 Millionen auf fast drei Milliarden Euro.

Keine großen Spuren hinterließ die Krise bisher beim Umsatz der Air France-KLM. Der Quartalsumsatz stieg weiter um 3,2 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro und hätte ohne die Euro-Aufwertung gegen Währungen wie das britische Pfund und den Franken sogar um 7,1 Prozent zugelegt. Vor allem im Fernverkehr von und nach Europa bauten die Franzosen zudem ihren Vorsprung aus. Air France-KLM stellen jetzt 13,8 Prozent der Kapazitäten, Lufthansa/Swiss neun Prozent und British Airways acht Prozent. Allerdings verschlechtern sich die Marktaussichten in allen Weltregionen von Monat zu Monat.

Sparplan: Kapazitäten runter, Flugzeugauslieferungen strecken

Wegen der Preisschwankungen und der Marktabschwächung dehnt der Konzern die Kapazitäten für das Wintergeschäft weniger stark aus als geplant und spart zusätzlich 260 Millionen Euro ein. «Ich bin sicher, dass wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden», erklärte Spinetta.

So tritt Air France-KLM nun auch bei den Investitionen in neue Flugzeuge auf die Bremse und verschärft sein Sparprogramm. Optionen auf Flugzeuge werden nicht gezogen und Auslieferungen gestreckt. Das betrifft vor allem Boeing-777-Frachter und Regionalflugzeuge von Embraer. Die Franzosen wollen die Kapazitäten weltweit nur noch um 1,7 statt um 4,1 Prozent ausweiten und in Europa sogar leicht kürzen.

Das soll die Kasse schonen, weil die Banken derzeit mit Krediten knausern, und zudem die Kosten senken. Für das laufende Geschäftsjahr wurde das Einsparungsziel von 430 auf 690 Millionen Euro aufgestockt. Im kommenden Geschäftsjahr sollen nun weitere 530 statt 410 Millionen Euro eingespart werden. Die Finanzkosten sanken im Quartal kräftig um 37,5 Prozent. «Das zeigt die sehr gute finanzielle Gesundheit des Konzerns», sagte Spinetta. Air France-KLM habe nach der Finanzierung der Investitionen 173 Millionen Euro frei verfügbar.

Von: dpa
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