Air Berlin wird eventuell noch mehr zerstückelt

26.09.2016 - 13:43 0 Kommentare

Neben dem Eurowings-Deal verhandelt Air Berlin einem Medienbericht zufolge mit der Tui über die Ausgründung einer gemeinsamen Ferienfluggesellschaft. Dabei geht es auch um die Air-Berlin-Tochter Niki.

Der Firmenschriftzug von Air Berlin an einem Messestand. - © © dpa - Wolfgang Kumm

Der Firmenschriftzug von Air Berlin an einem Messestand. © dpa /Wolfgang Kumm

Air Berlin steht offenbar vor der weiteren Zerschlagung. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, will sich die angeschlagene Fluggesellschaft angeblich von ihrer österreichischen Tochtergesellschaft Niki trennen.

Dem Bericht zufolge könnte Niki mit ihren 19 Flugzeugen zusammen mit den 13 Jets, die Tuifly aktuell für Air Berlin betreibt, in eine gemeinsame Gesellschaft mit Tuifly eingebracht werden. Air-Berlin-Hauptaktionär Etihad Airways verhandle mit dem Touristikkonzern Tui darüber, aus den zwei Teilflotten eine eigene Ferienfluggesellschaft aufzusetzen.

Die Pläne sollen Insidern zufolge noch diese Woche beschlossen werden, berichtete die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX und berief sich dabei auf das Umfeld der Verhandlungen. Air Berlin wollte sich nicht zu dem Bericht äußern. "Bitte haben sie Verständnis, dass wir Marktspekulationen nicht kommentieren", sagte eine Sprecherin. Ein Tui-Sprecher lehnte auf Anfrage mit der gleichen Begründung ebenfalls eine Stellungnahme ab. Bereits Ende vergangener Woche hatte es geheißen, Niki wolle sich an Tuifly beteiligen.

1000 Air-Berlin-Mitarbeiter sollen entlassen werden

Gleichzeitig steht bei Air Berlin den Angaben nach eine Entlassungswelle an. Die Zahl der Arbeitsplätze in der Verwaltung solle halbiert werden, schreibt die "Süddeutsche". Deshalb wolle sich das Unternehmen in den kommenden Monaten voraussichtlich von etwa tausend seiner insgesamt 8600 Mitarbeiter trennen.

Schon vorher war durchgesickert, dass Etihad mit der Lufthansa über ein breit angelegtes Geschäft verhandelt: Air Berlin will offenbar rund 40 Jets für die Eurowings betreiben, dem Billigableger der Lufthansa. Der Aufsichtsrat von Europas größter Fluggesellschaft wird sich wohl bei seiner nächsten Sitzung am Mittwoch damit beschäftigen.

© AirTeamImages.com, TT Lesen Sie auch: Deal zwischen Lufthansa und Air Berlin

Bei dem Deal würde Air Berlin den Teil ihres Netzes übertragen, der nicht die beiden Drehkreuze in Berlin und Düsseldorf berührt. Bei der Übernehme geht es für Lufthansa vor allem um die Slots. Sie könnte die Air-Berlin-Kapazitäten in ihre Billigsparte Eurowings integrieren und dabei den Flugplan steuern und die Tickets verkaufen.

Sollten die Verhandlungen mit Tui und Lufthansa erfolgreich verlaufen, würde Air Berlin künftig nur noch etwa 70 Maschinen unter eigenem Namen betreiben - also etwa halb so viele wie derzeit.

Flugzeuge in der Air-Berlin-Gruppe
gesamt 134 Flugzeuge
gesamt
Air Berlin:
60x A320-Familie
16x 737-Familie (inkl. 13 von TUIfly)
14x A330-200
90
LGW:
17x Dash-8
17
Niki:
5x A319
12x A320
2x A321
19
Belair:
2x A319
6x A320
8

Quelle: ch-aviation.com, Stand 26.09.2016

Piloten-Gewerkschaft fordert Transparenz

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit mahnte mehr Transparenz an. Die Kollegen bei Air Berlin und dem möglichen Kooperationspartner Tuifly seien verunsichert über die Zukunft ihrer Jobs, sagte VC-Sprecher Markus Wahl. "Wir brauchen zügig verlässliche Informationen." Das gelte auch für die Piloten der rund 40 Maschinen, die an die Lufthansa-Tochter Eurowings vermietet werden sollen.

© dpa, Soeren Stache GedankenflugAir Berlin: Was hat wer wovon?

Tuifly-Aufsichtsratschef Henrik Homann und Geschäftsführer Jochen Büntgen hatten vergangene Woche in einem Brief an die Belegschaft bestätigt, dass Tuifly "angesichts der wirtschaftlich schwierigen Situation der Air Berlin" immer wieder mit dem Unternehmen selbst und Partnern im Gespräch sei und mögliche Kooperationen auslote. Schließlich müssten sie die wirtschaftlichen Interessen ihres Unternehmens mit insgesamt 41 Flugzeugen wahren.

Tuifly-Mitarbeiter sind "sehr verunsichert"

Die Belegschaft der Tuifly reagiert mit zunehmender Verunsicherung auf Spekulationen über mögliche betriebliche Veränderungen. "Die Kollegen sind sehr verunsichert, die Stimmung ist explosiv", sagte der Tui-Konzernbetriebsratsvorsitzende Frank Jakobi. "Wir erwarten eine schnellstmögliche Klärung der Situation", so Jakobi, der im Tui-Aufsichtsrat sitzt.

Tuifly, eine Tochter des Reisekonzerns Tui, unterhält 41 Flugzeuge. Davon sind 13 Mittelstreckenjets des Typs Boeing 737 derzeit samt Personal noch für Air Berlin im Einsatz. Der Vertrag läuft bis 2019 und würde sich für weitere zehn Jahre verlängern, wenn er nicht von beiden Seiten gekündigt wird.

Das ist Air Berlin

Gegründet wurde Air Berlin von dem ehemaligen Flugkapitän Kim Lundgren im US-Bundesstaat Oregon, denn während der deutschen Teilung durften nur Jets der Alliierten Berlin ansteuern. Nach dem Mauerfall stieg Joachim Hunold 1991 in das Unternehmen ein und rief die deutsche "Air Berlin GmbH & Co. Luftverkehrs KG" ins Leben. Mehrere andere Privatleute beteiligten sich.

Eine Maschine der Air Berlin am Airport München. Foto: © dpa, Andreas Gebert


Seit Anfang 2006 ist Air Berlin eine Kapitalgesellschaft britischen Rechts. Im Mai 2006 ging das Unternehmen an die Börse. Im Streben um Wachstum übernahm Air Berlin die dba und LTU, auch die österreichische Niki und die Schweizer Fluglinie Belair kamen dazu.

Air Berlin hat seit dem Börsengang nur ein einziges Mal Gewinn gemacht. In den vergangenen drei Jahren hat das Unternehmen Verluste von insgesamt knapp 1,2 Milliarden Euro angehäuft.

Von: dh, ch, AFP, dpa-AFX
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