Air Berlin verschiebt Bilanzvorlage erneut

27.03.2014 - 00:45 0 Kommentare

Abschied von der Börse, Übernahme oder Fusion zu einem neuen Branchenriesen? Über die Zukunft der angeschlagenen Air Berlin wird viel spekuliert. Heute sollte es Antworten geben - doch der Termin wurde kurz zuvor erneut verschoben.

Wolfgang Prock-Schauer - © © dpa - Paul Zinken

Wolfgang Prock-Schauer © dpa /Paul Zinken

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin braucht dringend frisches Geld - Verhandlungen darüber sind offenkundig aber ins Stocken geraten. Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche musste die angeschlagene Airline ihre Bilanzvorlage verschieben - diesmal gleich um mehrere Wochen. «Air Berlin arbeitet weiter an Maßnahmen für eine Rekapitalisierung, die Eigenkapital und Liquidität der Air Berlin Gruppe stärken würde», teilte das Unternehmen mit. Weitere Einzelheiten drangen am heutigen Donnerstag zunächst nicht durch.

Die Fluggesellschaft verhandelt mit Gesellschaftern, aber auch mit «weiteren Parteien», die nicht näher genannt wurden. In der vergangenen Woche hieß es, diese Gespräche seien bereits «fortgeschritten», dennoch gab es augenscheinlich keine Einigung. Gleichzeitig werde an der Finalisierung des Konzernabschlusses für 2013 gearbeitet. Die Bilanz soll nun «spätestens Ende April» präsentiert werden, erklärte ein Unternehmenssprecher. Ursprünglich sollten die Zahlen bereits in der vergangenen Woche vorgestellt werden.

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Air Berlin ist sei Jahren schwer angeschlagen und steckt schon im zweiten Sparprogramm. Vorstandschef Wolfgang Prock-Schauer und Finanzchef Ulf Hüttmeyer hatten bereits im November ein Minus für 2013 angekündigt - es wäre das fünfte Negativ-Ergebnis in sechs Jahren. In dem einzigen Ausnahmejahr 2012 hatte einzig der Verkauf des Vielfliegerprogramms an den Großaktionär Etihad die Gesellschaft in die schwarzen Zahlen gerettet.

Dass ein solches Kunststück auch 2013 gelingen würde, hatte der Vorstand im November nicht mehr in Aussicht gestellt. Erhoffte Sondererlöse sollten lediglich den Verlust eindämmen. Analysten, die ihre Schätzungen seit Anfang 2014 aktualisiert haben, erwarten laut der Nachrichtenagentur Bloomberg für das abgelaufene Jahr im Schnitt einen operativen Jahresverlust von 110 Millionen Euro. Unter dem Strich dürfte das Minus mit 175 Millionen Euro noch größer ausfallen.

Etihad als treibende Kraft für Veränderungen

Der arabische Großaktionär Etihad sei sehr unzufrieden mit der Sanierung, heißt es. Berichten zufolge will sich Air Berlin nun von der Börse zurückziehen und Etihad mehr Einfluss verschaffen. Die Araber sind derzeit mit knapp unter 30 Prozent an Air Berlin beteiligt.

Der «Wirtschaftswoche» zufolge würden sie Deutschlands kriselnde Nummer zwei gern komplett übernehmen. Doch wenn mehr als die Hälfte der Anteile in ausländischer Hand liegen, verliert die Airline Verkehrsrechte in Deutschland. Etihad bräuchte daher deutsche oder europäische Investoren, die die Mehrheit der Stimmrechte halten, den Arabern aber Einfluss gewähren.

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Mehrere Zukunfts-Szenarien

Gehandelt werden dafür mehrere Szenarien: Air Berlin könnte von der Börse genommen und in eine GmbH umgewandelt werden. Die Kleinaktionäre, die bisher 38,5 Prozent halten, würden abgefunden. Deutsche Großaktionäre wie der ehemalige Air-Berlin-Chef Joachim Hunold könnten die Mehrheit übernehmen.

Spekuliert wird aber auch, dass Etihad mit mehreren europäischen Airlines eine eigene Regional-Gesellschaft aufbauen könnte. Zunächst müssten die Araber die angeschlagene italienische Alitalia schlucken - die Verhandlungen dazu seien bereits nahezu abgeschlossen, hatten sie Anfang Februar berichtet. Die italienische Airline würde ihre Verkehrsrechte behalten und dann Air Berlin übernehmen. Auch Aer Lingus aus Irland, Air Serbia und die schweizer Darwin Airline, die bereits als "Etihad Regional" fliegt, könnten der Gruppe beitreten. Denkbar wäre zudem eine enge Kooperation mit Air France-KLM.

In einem weiteren Szenario würde Air Berlin in mehrere Gesellschaften aufgeteilt. Etihad könnte die Zubringerdienste zum Drehkreuz Abu Dhabi übernehmen. Die Ferienflüge blieben in einer kleineren Gesellschaft. Als weitere Möglichkeit gilt die Übernahme durch einen Investmentfonds.

Von: dpa, AFP
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