Mehrheitsbeteiligung Air Berlin verkauft TopBonus an Etihad

18.12.2012 - 15:35 0 Kommentare

Air Berlin verkauft die Mehrheit ihres Vielfliegerprogramms an ihren Partner Etihad. Die Araber wollen Air Berlin mit dem Kauf offenbar weiter stützen. "Topbonus" soll als eigene Gesellschaft weiterentwickelt und ausgebaut werden.

Air Berlin topbonus-Karten - © © Air Berlin -

Air Berlin topbonus-Karten © Air Berlin

Air-Berlin-Großaktionär Etihad Airways hat die Mehrheit am Vielfliegerprogramm "Topbonus" seines kriselnden deutschen Partners übernommen. Das Geschäft spült der verlustreichen Air Berlin 184,4 Millionen Euro in die Kasse, wie die deutsche Fluggesellschaft am Dienstag in London mitteilte.

An der neuen Gesellschaft Topbonus Ltd. werden Etihad zunächst zu 70 Prozent und Air Berlin zu 30 Prozent beteiligt sein. Air Berlin hat demnach das Recht, zehn Prozent der Etihad-Anteile zurückzukaufen. Das Bundeskartellamt habe dem Geschäft bereits zugestimmt, erklärte Air Berlin.

Jetzt soll das Vielfliegerprogramm mit Etihad als Mehrheitseigentümer weiterentwickelt und ausgebaut werden. "Topbonus"-Mitglieder können bislang Bonuspunkte bei mehr als 120 Partnern erwerben und einlösen, von Fluggesellschaften über Hotels und Autovermietungen bis zur Tageszeitung.

An der Börse kam der Deal gut an: Aktien von Air Berlin sind am Dienstag von der Nachricht über den Verkauf kräftig nach oben getrieben worden. In der Spitze stand ein Plus von 9,91 Prozent auf 1,663 Euro zu Buche. Analyst Robert Czerwensky von der DZ Bank spricht von guten Nachrichten für die Investoren in Air Berlin. Das Volumen von 184 Millionen Euro sei schon bedeutend und liege am oberen Rand der aktuellen Markterwartungen.

Die Commerzbank ließ ihre Einstufung für Air Berlin nach dem Verkauf der Mehrheit an seinem Vielfliegerprogramm auf "Hold" mit einem Kursziel von 1,55 Euro. Angesichts der Kundenzahl von "Top Bonus" mache der von Etihad gezahlte Preis einen ambitionierten Eindruck, schrieb Analyst Johannes Braun. Vermutlich wolle der Großaktionär damit das Überleben des Billigfliegers sichern.

Bei Air Berlin sollte der Schritt dazu führen, dass zum Jahresende doch noch ein operativer Gewinn in den Büchern steht. Klar positiv dürften die reduzierten Bilanzrisiken und die verbesserte Liquidität aufgenommen werden. Der Verkauf an Etihad Airport Services war bereits erwartet worden.

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft steckt tief in den roten Zahlen und fährt einen harten Sparkurs. Im dritten Quartal hatte Air Berlin netto 67 Millionen Euro verdient, doppelt so viel wie im Vorjahresquartal. Den Verlust aus der ersten Jahreshälfte konnte das Unternehmen aber damit nicht ausgleichen. So stand nach neun Monaten unterm Strich ein Minus von 103 Millionen Euro.

Etihad hatte der finanziell angeschlagenen Air Berlin bereits vor einem Jahr aus einer Klemme geholfen. Die arabische Fluggesellschaft mit Sitz in Abu Dhabi war im Dezember 2011 mit einem Anteil von fast 30 Prozent bei Air Berlin eingestiegen und hatte dem deutschen Partner damit eine dringend benötigte Kapitalspritze verschafft.

 

Von: dpa, dapd
Interessant? Beitrag weiterempfehlen: