Air-Berlin-Übernahme war "teils zu ambitioniert"

16.07.2018 - 13:34 0 Kommentare

Über 70 Maschinen von Air Berlin will Eurowings in die Luft bringen. Dies geschehe laut Airline-Chef Dirks zwar "in Rekordzeit", aber nicht ohne Probleme, gibt sich der Lufthansa-Manager selbstkritisch.

Thorsten Dirks. - © © Eurowings -

Thorsten Dirks. © Eurowings

Eurowings-Chef Thorsten Dirks hat die Expansionsstrategie seiner Airline nach der Air-Berlin-Pleite für teilweise "zu ambitioniert" erklärt: "Wir sind selbstkritisch genug, um zu sehen, dass wir bei diesem Integrationsprojekt hier und da zu ambitioniert waren", sagte der Manager im Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Nach dem Marktaustritt von Air Berlin hat die Lufthansa-Tochter Eurowings über 70 Maschinen der Konkurrentin übernommen und ihr Angebot an vielen deutschen Airports schnell ausgebaut. Unter anderem bietet sie nun auch Langstrecken vom ehemaligen Air-Berlin-Drehkreuz Düsseldorf aus an. Dirks betont, dass der Ausbau "in Rekordzeit" geschehen sei.

Die laufende Übergangsphase ist ein Kraftakt, für den es keine Blaupause gibt.

Thorsten Dirks, Chef von Eurowings

Mit dem Ende des Flugbetriebs von Air Berlin gingen "von heute auf morgen mehr als 140 Flugzeuge aus dem Markt. Wir haben an erster Stelle dafür gesorgt, dass es nicht zu einem Kollaps des Luftverkehrs kam." Dennoch gehe das Transferieren der ehemals von der Pleite-Konkurrentin genutzten Flugzeuge nicht ohne Hürden.

Es hakt im Flugplan

Jede einzelne Maschine müsse beim Luftfahrt-Bundesamt (LBA) zertifiziert werden: "Das ist ein langwieriger Prozess und ungleich komplexer als bei einem Auto." Die technische Dokumentation für einen zehn Jahre alten Airbus umfasst laut Dirks etwa 80.000 Seiten. "Das heißt bei 70 Maschinen, dass wir innerhalb weniger Monate 15 Tonnen Papier geprüft haben."

Es ist uns zwar im Rekordtempo gelungen, mehr als 70 Maschinen der früheren Air Berlin zu transferieren. Aber es ist uns eben nicht ohne Verzögerungen gelungen.

Thorsten Dirks, Chef von Eurowings

Angesichts dieses Aufwands mag es wenig verwunderlich sein, dass es im Flugplan von Eurowings aktuell hakt. In diesem Jahr mussten bislang zwei Prozent der Flüge gestrichen werden, so Dirks - dies sei aber kein spezifisches Problem der Lufthansa-Tochter: "Unsere direkten Wettbewerber haben Flüge in vergleichbarer Größenordnung annulliert."

Die Anzahl der "nicht beeinflussbaren Störfaktoren, die sich auf den Luftverkehr auswirken" sei aktuell sehr hoch. "Das sind wachsende infrastrukturelle Probleme, vor allem akute Personalengpässe und Serien-Streiks bei Flugsicherungen." Und: "Wir können derzeit leider nicht versprechen, dass es schon morgen besser wird."

"Schwierigste Etappe fast geschafft"

Gleichzeitig habe sich die Performance von Eurowings in diesem Monat "signifikant verbessert": "Mit Übertragung der letzten Ex-Air-Berlin-Flugzeuge haben wir die wohl schwierigste Etappe jetzt fast geschafft. Durch die jüngsten Flottenzugänge konnten wir die zwischenzeitlich knappen Flugzeug-Reserven in den vergangenen Wochen deutlich erhöhen." Mehrere Reisebüros, die zuletzt über viele Flugänderungen geklagt hatten, bestätigen diesen Trend.

© AirTeamImages, Matthieu Douhaire Lesen Sie auch: Weniger Änderungen bei Eurowings

Die Idee, dass die Mutter Lufthansa bei Engpässen einspringen könnte, hält Dirks für "nicht realisierbar" und ergänzt: "Angesichts der anhaltend starken Nachfrage im Luftverkehr sind auch die Lufthansa-Kapazitäten voll ausgelastet."

Von: cs
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