Flugzeuge der Air Berlin am Flughafen Berlin-Tegel © airliners.de /Oliver Pritzkow
Air Berlin ist trotz überraschend großer Sparerfolge im zweiten Quartal erneut in die roten Zahlen geflogen. Die deutlich gestiegenen Treibstoffkosten ließen den Verlust unter dem Strich um 51 Prozent auf 66 Millionen Euro steigen, wie der Lufthansa-Konkurrent überraschend am Mittwochabend mitteilte. Das Eigenkapital schrumpfte zugleich weiter. Im operativen Geschäft lief es etwas besser: Trotz des zusammengestrichenen Flugplans nahm Air Berlin mehr Geld ein, zudem kommt das Sparprogramm von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft schneller voran als gedacht.
An der Börse wurden die Nachrichten am Donnerstag mit Enttäuschung aufgenommen. Bis zum späten Vormittag verlor die Air-Berlin-Aktie 0,47 Prozent auf 1,91 Euro und gehörte damit zu den schwächeren Werten im SDax. Zugleich korrigierte Europas größter Reiseveranstalter Tui Travel den Wert seiner Air-Berlin-Aktien nach unten. Ein Grund dafür: die anhaltenden Verluste von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft.
Die Luft wird dünn
Die Finanzlage von Air Berlin verschlechterte sich trotz der Erfolge im eigentlichen Geschäft weiter. Die Eigenkapitalquote habe inzwischen ein besorgniserregendes Niveau erreicht, schrieb Commerzbank-Analyst Johannes Braun.
Ende Juni stellte die arabische Fluglinie Etihad dem angeschlagenen Unternehmen ein Darlehen über 163 Millionen Euro zur Verfügung. Bereits im Januar hatten die Araber Air Berlin eine Kapitalspritze von 73 Millionen Euro verabreicht und waren dadurch mit knapp 30 Prozent zum größten Einzelaktionär aufgestiegen. Von der damals versprochenen Kreditlinie hat Air Berlin inzwischen den größten Teil abgerufen.
Sanierungskurs zeigt Wirkung
Der Sanierungskurs des neuen Konzernchefs Hartmut Mehdorn zeigte unterdessen Wirkung. Der Umsatz von Air Berlin stieg trotz eines reduzierten Flugangebots um knapp zwei Prozent auf über 1,1 Milliarden Euro. Der operative Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) verringerte sich trotz gestiegener Treibstoffkosten um neun Prozent auf 29 Millionen Euro. Das laufende Sparprogramm kommt dem Management zufolge gut voran: Die Einsparungen hätten zwischen April und Juni statt der geplanten 45 Millionen sogar 50 Millionen Euro erreicht. Insgesamt soll das Programm den operativen Gewinn in diesem Jahr um mehr als 200 Millionen Euro verbessern. "Die Umsatzerhöhung zeigt, dass wir den richtigen Kurs eingeschlagen haben", sagte Mehdorn. Dass es unter dem Strich nicht besser lief, führte das Management auf die Ticketsteuer, den Dollarkurs und den hohen Ölpreis zurück: Obwohl Air Berlin das Flugangebot um fast sechs Prozent zusammengestrichen hatte, musste das Unternehmen zwischen April und Juni insgesamt zehn Prozent mehr Geld für Treibstoff ausgeben als ein Jahr zuvor.
Mehdorn setzt nun weiter auf die Verkleinerung der Flotte und den Ausbau des Langstreckengeschäfts, um das Unternehmen 2013 nach jahrelangen Verlusten wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen. Mit der verkleinerten Flotte will der Manager die Abhängigkeit von saisonalen Schwankungen reduzieren. Seit Jahren ist Air Berlin vor allem im Sommer als Ferienflieger groß im Geschäft. Im Winter ist die Nachfrage nach Urlaubsflügen allerdings deutlich geringer.
Auch an der Lufthansa geht der hohe Ölpreis nicht spurlos vorüber. Vorstandschef Christoph Franz will mit einem harten Sparkurs den operativen Gewinn bis 2015 um mindestens 1,5 Milliarden Euro anheben. In der Verwaltung sollen dazu 3.500 Stellen wegfallen. Im zweiten Quartal blieb der Dax-Konzern auch dank erster Sparerfolge klar in der Gewinnzone.
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