Air Berlin steigert Pünktlichkeit in Tegel

01.09.2017 - 12:27 0 Kommentare

Noch fliegt Air Berlin: Wie aus Flugplandaten hervorgeht, steigert der Carrier im August die Pünktlichkeitsquote der Abflüge am Hauptstadt-Hub. Von den selbst gesteckten Zielen ist die Airline aber weit entfernt.

Eine Maschine der Air Berlin im Anflug auf den Hauptstadt-Flughafen Tegel. - © © dpa - Jörg Carstensen

Eine Maschine der Air Berlin im Anflug auf den Hauptstadt-Flughafen Tegel. © dpa /Jörg Carstensen

Air Berlin und Niki haben im August die Pünktlichkeit am Drehkreuz Berlin-Tegel gesteigert. Waren im Juli nur knapp 40 Prozent der Abflüge am Hub pünktlich, stieg dieser Wert im abgelaufenen August um über zehn Prozentpunkte, Dies hat airliners.de auf Grundlage von Abflugdaten errechnet, die Air Berlin auf ihrer Homepage veröffentlicht.

Air-Berlin-Flüge ab Tegel
pünktlich unpünktlich annulliert
Juli 39.3 57.6 3.1
August 52.6 44.8 2.6

Die Grafik zeigt die prozentuale Verteilung der Air-Berlin-Abflüge vom Airport Berlin-Tegel in den Monaten Juli und August, aufgeteilt in die drei Kategorien pünktlich, unpünktlich (mehr als 15 Minuten Verspätung) und annulliert. Quelle: airberlin.com

Die Pünktlichkeitsquote zog nach Anmelden der Insolvenz in der Monatsmitte sogar noch einmal an. So erreichte sie mit rund 26 Prozent am 30. August zwar den niedrigsten Wert des ganzen Monats, lag mit gut 77 Prozent zwei Tage zuvor aber nah am von der Airline selbst ernannten Ziel von 80 Prozent. In der ersten Monatshälfte lag sie bei rund 51 Prozent, in der zweiten Monatshälfte bei über 56 Prozent.

Pünktlichkeitsquote im August
Angaben in Prozent
1.8. 33.0
2.8. 52.1
3.8. 30.1
4.8. 45.0
5.8. 58.1
6.8. 56.5
7.8. 61.9
8.8. 56.0
9.8. 71.2
10.8. 45.8
11.8. 42.0
12.8. 33.6
13.8. 45.3
14.8. 68.6
15.8. 62.3
16.8. 61.9
17.8. 69.1
18.8. 53.9
19.8. 33.3
20.8. 44.6
21.8. 47.8
22.8. 66.7
23.8. 68.7
24.8. 64.9
25.8. 59.0
26.8. 61.1
27.8. 61.2
28.8. 77.1
29.8. 67.3
30.8. 26.2
31.8. 44.3

Die Grafik zeigt den prozentualen Anteil der täglichen Air-Berlin- und Niki-Flüge ab Berlin-Tegel, die weder unpünktlich (mehr als 15 Minuten Verspätung) waren noch annulliert wurden. Angaben gerundet.

Die Daten stammen von airberlin.com und wurden täglich für den zurückliegenden Tag abgerufen. Die Zählung beschränkt sich auf alle Flüge der Air Berlin Group ab Berlin-Tegel im Zeitraum 1. bis 31. August 2017.

Die Verspätungen summieren sich täglich auf durchschnittlich 2496 Minuten - rund 42 Stunden pro Tag. Im Gegensatz zum Vormonat ist dies eine Verbesserung von rund 31 Prozent. Im Juli hatten Air Berlin und Niki im Schnitt etwa 60 Stunden Verspätung jeden Tag bei Abflügen in Tegel.

© AirTeamImages.com, Felix Gottwald Lesen Sie auch: Das Tegel-Problem von Air Berlin im Juli Analyse

94 der insgesamt 3644 Tegel-Abflüge von Air Berlin und Niki wurden annulliert. Dies ergibt eine Annullierungsquote von rund 2,6 Prozent. Auch dies ist eine leichte Verbesserung: Im Juli lag die Quote um 0,5 Prozentpunkte höher bei 3,1 Prozent. Zur Hochzeit der vom Konzern eingeräumten Verspätungswelle nach Ostern waren rund 40 Prozent der Flüge im gesamten Air-Berlin-Netz verspätet.

Airline ist "zufrieden"

Auf Anfrage teilt eine Air-Berlin-Sprecherin airliners.de mit, man sei mit der Performance im August "zufrieden". Auf Daten des Flughafens Tegel könne sie aufgrund des hohen "Anfragevolumens" aktuell nicht eingehen.

Definition und Methodik

Definition: In der internationalen Luftfahrt spricht man bei einer Verspätung von über 15 Minuten von einem "unpünktlichen" Flug. Eine Viertelstunde kann man schnell wieder reinholen, wenn man eine Maschine im Knotensystem am nächsten Airport schnell dreht, sagen Experten. Es habe keinen Sinn, Flüge enger zu takten, wenn die Maschinen vorhersehbar Zeit in einer Take-off-Warteschlange verbringen. "Mit 15 Minuten hat man alles gut im Griff."

Methodik: airliners.de hat täglich die Tegel-Abflugdaten der Air-Berlin-Homepage vom Vortag erfasst und die nach internationaler Definition verspäteten Flüge gezählt. Aus dem Quotienten von geplanten Flügen insgesamt (minus annullierter Verbindungen) und unpünktlichen Flügen ergaben sich 31 Pünktlichkeitsquoten, die in der oberen Grafik dargestellt sind.

Jedoch teilte sie mit, dass es im August im gesamten Air-Berlin-Netz 170 Annullierungen gab. 50 davon seien auf technische Gründe zurückzuführen und hätten keinen Bezug zur Insolvenz: "Das Flugprogramm der Air Berlin ist also stabil." Das Portal Flightright hatte aktuell errechnet, dass allein in der Woche nach der Insolvenz am 15. August 160 Flüge ausgefallen sein.

"Jenseits von Gut und Böse"

Die größte Verspätung im August hatte der Air-Berlin-Flug am 10. August (Freitag) von Tegel nach Kopenhagen. Dieser hatte fast fünfzehneinhalb Stunden Verspätung. Der Niki-Flug am 30. August (Mittwoch) von Tegel nach Palma de Mallorca erreicht mit zehn Stunden Verspätung den zweiten Platz. Am 29. und 30. August kam es in der Folge einer Flughafensperrung wegen einer Bombenentschärfung zu zahlreichen Flugausfällen bei allen Airlines.

Die täglichen Abflug-Daten im Einzelnen:
pünktlich unpünktlich annulliert
1 38 77 2
2 61 56 1
3 34 79 7
4 54 66 4
5 61 44 3
6 65 50 1
7 73 45 0
8 65 51 0
9 84 34 0
10 55 65 1
11 50 69 3
12 36 71 0
13 53 64 0
14 81 37 0
15 71 43 1
16 73 45 1
17 85 38 1
18 62 53 8
19 34 68 6
20 50 62 5
21 55 60 4
22 78 39 0
23 79 36 3
24 74 40 5
25 72 50 0
26 66 42 0
27 71 45 1
28 91 27 1
29 68 33 16
30 28 79 13
31 51 64 7

Hinweis: Jeder August-Tag hat einen eigenen Balken. Quelle: airberlin.com

Verkehrsexperte Karl-Friedrich Müller erkennt im Gespräch mit airliners.de an, dass sich zwar die Tegel-Pünktlichkeit der Air Berlin im Vergleich zu den Juli-Zahlen deutlich verbessert hat, aber die letztmonatige Performance immer noch ein Problem ist: "Mit einer durchschnittlichen Pünktlichkeitsquote von nicht einmal 60 Prozent kann man kein funktionierendes Knotensystem betreiben. Zwar kratzt die Leistung vereinzelt an der 70-Prozent-Marke, aber das ist immer noch zu wenig. Mit solchen Werten liegt Air Berlin jenseits von Gut und Böse."

Air Berlin hatte am 15. August Insolvenz angemeldet und hält sich nur noch dank einer Bürgschaft des Bundes über Wasser. Der Gläubigerausschuss des Carriers soll bereits Mitte September über vorliegende Angebote entscheiden. Als aussichtsreichstes Szenario gilt eine Zerschlagung, bei der die Lufthansa Group einen großen Teil der ehemaligen Konkurrentin bekommt. Doch auch andere Airlines hatten ihr Interesse angemeldet.

© airliners.de, David Haße Lesen Sie auch: Wer für Air Berlin bietet Überblick

Von: cs
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