Air-Berlin-Chef zweifelt am Drehkreuz Tegel

21.06.2017 - 12:13 0 Kommentare

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann hat Kritik am Airport Berlin-Tegel als Drehkreuz geäußert. Die Umsteiger im Europa-Verkehr kosten die Airline demnach Millionen. Beim Ausbau der Langstrecke setzt Air Berlin bereits auf einen anderen Standort.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann. - © © dpa - Sven Hoppe

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann. © dpa /Sven Hoppe

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann hat Zweifel am Flughafen Berlin-Tegel geäußert. "Der Flughafen Tegel ist, anders als unser ebenfalls großer Standort Düsseldorf, nicht für den Umsteigebetrieb ausgelegt", sagte er jetzt dem "Tagesspiegel". Solange der neue Hauptstadtflughafen BER nicht geöffnet sei, wolle er in Berlin auch kein Drehkreuz betreiben.

Air Berlin sagte auf Anfrage von airliners.de, dass dies keineswegs ein Ende der Aktivitäten am Flughafen Tegel bedeutet. "Im Gegenteil: Die Drehkreuze Berlin und Düsseldorf sind die beiden wichtigen strategischen Knotenpunkte der Air Berlin", teilte ein Sprecher mit. "Sie spielen eine zentrale Rolle im Umbau unseres Unternehmens."

Air Berlin werde die Kosten erheblich senken, wenn sie in Berlin auf Europa-Strecken zwei Einzeltickets verkaufe als nur ein Ticket für Umsteigeflüge über Berlin-Tegel, so Winkelmann. Jedes Prozent weniger Umsteigepassagiere in Berlin im Europa-Verkehr würde die Airline um rund zwei Millionen Euro im Jahr entlasten. Dies gelte nicht für Langstreckenflüge - "hier kann man sehr wohl Geld mit Umsteigern verdienen".

Kein Langstrecken-Ausbau in Tegel

Schon bei Vorlage der Quartalszahlen vor einigen Wochen hatte Winkelmann gesagt, dass der Fokus des Langstrecken-Ausbaus fortan komplett auf Düsseldorf liege, weil es in Berlin "infrastrukturelle Grenzen" geben würde. Branchenkenner sprachen da bereits von einem "radikalen Schritt".

Aus Aktionärskreisen erfuhr airliners.de, dass Winkelmann auf der Hauptversammlung vergangene Woche einen Ausbau der Langstrecke in Berlin bis zur BER-Eröffnung abgesagt hat. Das Langstreckengeschäft ist ein wichtiger Teil der Neuausrichtung von Air Berlin. Die Fluggesellschaft hatte im vergangenen Jahr einen Rekordverlust von 782 Millionen Euro eingefahren.

"Tagesspiegel": 50 Millionen Euro Einsparungen jährlich

Finanzielle Hilfe vom Staat will Air Berlin aber nun doch nicht. "Eine Absicherung von Krediten durch die öffentliche Hand ist nicht mehr nötig", so Winkelmann. Vor zwei Wochen hatte die finanziell angeschlagene Fluggesellschaft Voranfragen auf staatliche Hilfen gestellt.

© AirTeamImages.com, Yochai Lesen Sie auch: Air Düsseldorf, ick hör Dir trapsen! Gedankenflug

Diese waren "als eine von mehreren möglichen Maßnahmen mit dem Ziel, unsere Kreditkosten zu senken" gedacht. Doch die finanzielle Lage der Airline hat sich laut Winkelmann sich verbessert. So sei man unter anderem den Leasing-Deal über 14 Tuifly-Flugzeuge nachjustiert worden und man spare nun auch durch andere Vertragsänderungen 50 Millionen Euro pro Jahr, schreibt der "Tagesspiegel". Ein Sprecher der Air Berlin wollte dies auf Anfrage nicht bestätigen.

Air Berlin mietet aktuell 14 Maschinen der Tuifly an. Die Flugzeuge heben für die Touristktochter Niki ab. Die Konditionen dieses Deals schätzen Experten als schlecht für Air Berlin ein. So ist der Vertrag beispielsweise nur einseitig von Tuifly aus kündbar. Die 14 Maschinen sollten in die Flotte des gemeinsamen Joint-Ventures aus Niki und Tuifly eingehen. Die Verhandlungen über eine Partnerschaft sind jüngst gescheitert.

Von: cs
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