Halbjahreszahlen erfreulich

Air Berlin streicht unrentable Verbindungen

28.08.2008 - 18:19 0 Kommentare

Air Berlin hat im ersten Halbjahr 2008 ihren Umsatz gesteigert und den Nettoverlust verringert, das teilte die Gesellschaft heute mit. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft will weiter sparen und unrentable Strecken «vorübergehend» aus dem Programm nehmen.

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin hat im ersten Halbjahr 2008 ihren Umsatz gesteigert und den Nettoverlust verringert. Die Erlöse erhöhten sich im Vergleich zum ersten Halbjahr 2007 um 5,4 Prozent auf 1,524 Milliarden Euro, heißt es in einer Ad-hoc-Mitteilung vom Donnerstag. Das Netto-Konzernergebnis lag bei minus 50,8 Millionen Euro nach minus 60,4 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2007. Im Gesamtjahr wolle man ein positives operatives Ergebnis erzielen. Negativ wirkten sich die Konjunktur, steigende Kerosinpreise, die Kosten für die abgesagte Condor-Übernahme und hohe Anlaufkosten für die China- Strecken aus, hieß es. Der Konzern hatte zuvor bereits angekündigt, sein Angebot zum Winterflugplan im November verkleinern zu wollen.

Zukäufe sind keine "Gewinnfresser"

Air Berlin-CEO Joachim Hunold verwies darauf, dass das Optimierungsprogramm zur Kapazitäts- und Yieldsteuerung zunehmend Wirkung zeige und man noch bis zum Jahresende ein Optimierungspotenzial von 35 Millionen Euro habe. Er sagte: „Trotz aller Herausforderungen durch die sich abschwächende Weltkonjunktur und die Explosion des Kerosinpreises bleiben wir daher zuversichtlich, im laufenden Jahr ein positives operatives Ergebnis zu erzielen.“

Bei Air Berlin sind die Zeiten großer Umsatzsprünge einstweilen vorbei, räumte auch Air-Berlin-Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer ein. «2008/2009 konzentrieren wir uns mehr auf das Gewinnwachstum.» Im Frühjahr sah es eher nach Verlust aus. Die Zahlen des zweiten Quartals mit einem Plus von 8,3 Millionen Euro machen Air Berlin wieder etwas Hoffnung.

Hüttmeyer sagte, alle wichtigen Finanzkennzahlen seien verbessert worden. Nicht nur die Auslastung, sondern auch der Erlös pro Passagier und Kilometer sei gestiegen. Von seinem Effizienzprogramm verspricht sich Air Berlin Einsparungen von mehr als 150 Millionen Euro. Hüttmeyer räumte ein, dass der Konzern ohne seine Zukäufe LTU und Belair «in absoluten Zahlen» besser dastehen würde. Dennoch seien die neuen Töchter «keine Gewinnfresser». Ohne sie hätte Air Berlin das Streckennetz nicht optimieren können und beispielsweise keinen Zugang zum Flughafen Düsseldorf.

Auch Hunold bestritt, sich mit dem LTU-Langstreckennetz übernommen zu haben. Die Strategie sei richtig gewesen: «Ohne die Akquisitionen hätten wir nicht das optimale Streckenportfolio.» Damit meinte er auch die seit 2006 erworbene dba.

Zumindest öffentlich spielt Hunold derweil die Bedrohung einer großen "Billigflug-Koalition" aus Germanwings, TUIfly und Condor herunter. Für Air Berlin «würde sich nicht allzu viel ändern», sagte er. Die Wettbewerber blieben dieselben, mit denen man sich jetzt schon auseinandersetze. Andererseits zeigt er sich überzeugt, dass das Bundeskartellamt den Zusammenschluss nicht genehmigen würde.

Unretable Verbindungen werden gestrichen

Dieses Ziel vor Augen will Air Berlin daher weiter sparen und dabei auch Verbindungen streichen. Als erstes würden zum 15. September die Flüge von Berlin nach Bremen eingestellt, zum 29. September dann die nach Dortmund. Die Route von Tegel nach London-Stansted werde zum 1. November entfallen, sagte ein Sprecher der "Berliner Zeitung" (Donnerstag). Grund für die Sparmaßnahmen seien die stark gestiegenen Kerosinpreise.

Betoffen sind bei den Streckeneinstellungen insbesondere auch Verbindungen des Kooperationspartners Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW). Diese bietet zum Winterflugplan keine Verbindungen mehr ab Dortmund an, teilte der Flughafen mit. Betroffen sind neben der Strecke nach Berlin auch Stuttgart und Sylt. „Wir bedauern die Entscheidung der Fluglinie, da sich vor allen Dingen das Angebot für Geschäftsreisende verringert“, sagt Manfred Kossack, Geschäftsführer der Flughafen Dortmund GmbH.

Die Luffahrtgesellschaft Walter mbH ist eine Regionalfluggesellschaft, die im innerdeutschen Liniendienst sechs 18-sitzige Luftfahrzeuge vom Typ Dornier 228 betreibt. Die Airline kooperiert seit Oktober 2007 mit der Air Berlin Group, die das Marketing und den Vertrieb für LGW übernimmt. In diesem Zusammenhang betreibt sie auch für Air Berlin eine Dash-8 Flotte.

Von: dpa, airliners.de
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