Interview

"Air Berlin war stets ein zuverlässiger Partner"

17.08.2018 - 07:15 0 Kommentare

ADV-Hauptgeschäftsführer Beisel spricht im Interview mit airliners.de über die Veränderungen an den deutschen Flughäfen im Jahr nach Air Berlin und welche Airlines er nun genau im Blick hat. Außerdem erklärt er, welche Airports noch mit Lücken kämpfen.

Ralph Beisel:

Ralph Beisel: "Im Rückblick hat das letzte Jahr die deutsche Luftfahrt gehörig durcheinandergewirbelt." © ADV

Die Pleite von Air Berlin hat zu großen Lücken an den Flughäfen geführt - nicht nur, aber vor allem an den beiden Drehkreuzen der Airline: Berlin-Tegel und Düsseldorf. Beide kämpfen noch mit dem Marktaustritt der ehemaligen Kundin, peilen aber auch schon wieder Wachstum an. Auch wenn dort noch nicht alle Lücken in den Flugplänen geschlossen sind, ist die Entwicklung bis hierher eine absolute Erfolgsstory", sagt Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen.

airliners.de: Herr Beisel, in einem Wort: Was war Ihr erster Gedanke, als Sie von der Insolvenz der Air Berlin gehört haben?
Ralph Beisel: Umbruch.

Und in lang?
Meine ersten Gedanken waren bei den Air Berlin Mitarbeitern, die in schwierigen Zeiten immer einen hoch engagierten Job gemacht haben. Auch war ich um das Wohl der Reisenden besorgt, die der Airline ihr Vertrauen geschenkt haben und die plötzlich völlig verunsichert waren.

Was ist ein Jahr nach der Insolvenz und sich anschließendem Marktaustritt anders?
Im Rückblick hat das letzte Jahr die deutsche Luftfahrt gehörig durcheinandergewirbelt. Wir beobachten voller Spannung den weiteren Aufbau der Eurowings und den Einstieg einer Easyjet im innerdeutschen Verkehr.

Über den Interviewpartner

Ralph Beisel ist noch bis mindestens Ende 2021 Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV. Das Amt hat er nun seit über elf Jahren inne. Er studierte in London, Nancy und Reutlingen Betriebswirtschaftslehre sowie European Business Administration. Danach leitete er unter anderem bei Arthur D. Little als Partner das Aviation Competence Center Europe und war im internationalen Hoteleinkauf für Thomas Cook tätig.

Kommen wir zu den Flughäfen. Die deutschen Airports scheinen im Jahr eins nach Air Berlin die Pleite des Carriers gut weggesteckt zu haben - oder täuscht der Eindruck?
Der Eindruck täuscht keineswegs, auch wenn die Auswirkungen an einzelnen Standorten und auf innerdeutschen Strecken noch spürbar sind. Die ADV-Auswertung des Sommerflugplans 2018 zeigt, dass von 182 ehemaligen Air Berlin- und Niki-Strecken nur 19 Strecken nicht mehr bedient werden. Dies betrifft die Drehkreuze der Air Berlin Düsseldorf und Berlin-Tegel. Hier kam es auch zu einer spürbaren Reduzierung von Interkontinental-Zielen.

Die beiden Ex-Hubs von Air Berlin kämpfen also noch?
Ja und nein. Man muss sehen: Berlin-Tegel und Düsseldorf waren von der Air Berlin Insolvenz besonders betroffen. Daher ist auch klar, dass dort noch nicht alle Lücken geschlossen sind. Gleichzeitig ist die Entwicklung dieser beiden Flughäfen eine absolute Erfolgsstory. Wenn einem Flughafen von heute auf morgen ein Drittel der Verbindungen wegbrechen und nach einem Jahr beide Airports sich mit anderen Airlines stark entwickeln, dann zeigt dies, wir erfolgreich im Markt diese beiden Standorte positioniert sind.

Haben speziell die beiden Airports den "Absprung" verpasst? Air Berlin schrieb ja jahrelang rote Zahlen, da hätte man sich doch schon gezielt nach neuen Airlines umgucken können?
Air Berlin war für die deutschen Flughäfen stets ein zuverlässiger Partner, es gab keinen Grund sich vorzeitig von ihr abzuwenden. Und dennoch hat das Wegbrechen der zweitgrößten deutschen Airline die deutschen Flughäfen nicht unvorbereitet getroffen. Von deutschen Flughäfen verbinden über 300 Fluggesellschaften mehr als 600 Ziele in über 100 Ländern im Direktflug. Die Leistung der Flughäfen besteht gerade darin, diese Vernetzung aufzubauen. Im Verbund mit den unterschiedlichsten Airlines werden neue Strecken und zusätzliche Frequenzen weiterentwickelt. Den Nutzen haben Privat- wie Geschäftsreisende.

Wie sieht die Zukunft aus? Bleiben Angebotslücken bestehen?
Hier bin ich zuversichtlich. Die Nachfrage nach Luftverkehr bleibt hoch und wird weiter zunehmen. Einzig fehlende Angebote im innerdeutschen und Interkont-Verkehr mindern das Wachstum an unseren Flughäfen. Ich gehe davon aus, dass zum Jahresende die prognostizierte Vier-Prozent-Wachstumshürde übersprungen wird

Herr Beisel, vielen Dank für das Gespräch.


Alle Themen in unserem Schwerpunkt zur Air-Berlin-Insolvenz:

Von: cs
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Stefan Schulte: "Die Aufsicht an den Kontrollen muss staatlich bleiben." "Große Airports wollen Verantwortung übernehmen"

    Interview Erster Arbeitstag bei der ADV: Fraport-Chef Schulte ist nun Verbandspräsident. Im Gespräch mit airliners.de erklärt er, an welchen Stellen es an den deutschen Airports hakt und was in anderen Ländern besser läuft.

    Vom 02.07.2018
  • Thomas Haagensen: "Tegel war schnell im Fokus." "Ohne Air Berlin gibt es weniger Sicherheit"

    Interview Easyjet-Europachef Thomas Haagensen spricht im Interview mit airliners.de über die Möglichkeit nach Air Berlin am Flughafen Berlin-Tegel einzusteigen, welche anderen interessanten Märkte er noch sieht und wie die Airline-Pleite den Markt verändert hat.

    Vom 14.08.2018
  • Andreas Gruber: "Niki hat immer gut performt." "Die Air-Berlin-Pleite führt zu mehr Wettbewerb"

    Interview Lauda-Motion-Chef Andreas Gruber spricht im Interview mit airliners.de über die Folgen der Insolvenz von Air Berlin, das Standing der Niki-Nachfolgerin und deren Engagement im Charter-Geschäft.

    Vom 16.08.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Air Berlin Jobs Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »