Jahresrückblick

Air Berlin zwischen Neuanfang und Neuanfang

30.12.2014 - 09:35 0 Kommentare

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft steht heute kaum besser da, als zum Jahresanfang. Ein neuer Chef soll die Geschicke von Air Berlin in profitable Bahnen lenken. Ein Air-Berlin-Jahresrück- und Ausblick.

Der Firmenschriftzug von Air Berlin an einem Messestand. - © © dpa - Wolfgang Kumm

Der Firmenschriftzug von Air Berlin an einem Messestand. © dpa /Wolfgang Kumm

"2013 war enttäuschend. Jetzt kommt alles auf den Prüfstand." Mit diesen Worten kündigt Air-Berlin-Vorstandschef Wolfgang Prock-Schauer im Frühjahr 2014 seinen Kurs für das neue Jahr an. Den Worten folgen kaum Taten. Jetzt ist 2014 vorbei und Air Berlin steht wieder dort, wo die Airline vor einem Jahr gestartet ist - nämlich vor einem Neuanfang.

Der neue Neuanfang wird nach dem Rücktritt Prock-Schauers von einem anderen CEO gestaltet. Neben einer Verkleinerung von Flotte und Flugangebot hatte der Österreicher nicht viel von der angekündigten "grundlegende Neuausrichtung" umsetzen können und musste offiziell zurückrudern: "Viele haben den ganz radikalen großen Wurf erwartet", sagt er noch wenige Tage vor seiner Rücktrittsankündigung und klingt dabei fast reumütig: Es habe sich aber gezeigt, dass Air Berlin mit den drei Segmenten Europa, Touristik und Langstrecke genau richtig positioniert sei. Die Fluggesellschaft müsse nur effizienter werden.

© Andreas Spaeth, Lesen Sie auch: Neuer Air-Berlin-Chef Pichler: "Weiterwursteln funktioniert nicht mehr"

Neuer Chef will alles anders machen

Diese Einstellung teilt Prock-Schauer offenbar nicht mit seinem designierten Nachfolger. Zum Februar soll der frühere Lufthansa-Vorstand und Thomas-Cook-Chef Stefan Pichler als Air-Berlin-Chef folgen. Der will hart durchgreifen: Einfach Weiterwursteln funktioniere nicht mehr, wird Pichler zitiert. Warum? Ganz einfach: Dazu fehlen die finanziellen Mittel, weiß der noch-Fiji-Airways-Chef.

In der Tat übernimmt Pichler eine Fluggesellschaft, die in erster Linie von millionenschweren Finanzspritzen des Großaktionärs Etihad Airways in der Luft gehalten wird. Entsprechend turbulent war das Finanzjahr: Air Berlin sagt die Bilanzvorlage zunächst überraschend ab, um sie dann mehrfach um Wochen zu verschieben. Die Spekulationen um die Zukunft der Airline erreichen einen Höhepunkt. Schließlich wird klar: Etihad pumpt noch mehr Geld in die Fluggesellschaft.

© Air Berlin, Lesen Sie auch: Air Berlin verbindet jetzt Stuttgart und Abu Dhabi

Air Berlin als Spielball der Politik

Der arabischen Fluggesellschaft gehören derzeit 29,9 Prozent an Air Berlin. Würde Etihad allerdings sämtliche erworbenen Wandelanleihen in Stimmrechte umwandeln, könnte das Unternehmen seinen Stimmrechtsanteil an Air Berlin auf weit über die Hälfte ausbauen. Das ist aber nicht geplant, denn es wäre verboten: Würde Etihad Mehrheitseigner, würde Air Berlin seine europäischen Verkehrsrechte verlieren. Diese Rechte sind aber für die Zubringerflüge aus Deutschland zum Etihad-Drehkreuz in Abu-Dhabi wichtig und der Grund für die Beteiligung der Araber an der deutschen Airline.

In der Tat hat das Luftfahrtbundesamt bereits geprüft, ob Etihad Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft schon jetzt beherrscht. Das Thema war überlebenswichtig für Air Berlin. Die Mitte Dezember bekanntgegebene Genehmigung wurde dann von Air Berlin auch trotz der einhergehenden Auflagen begrüßt.

Dennoch muss Air Berlin weiter um einen wichtigen Bestandteil in der Partnerschaft mit ihrem Geldgeber Etihad Airways bangen: Ein verhängtes Verbot für gemeinsam vermarktete Flugverbindungen nach Abu Dhabi wurde zwar zunächst wieder aufgehoben. Ob das Luftfahrt Bundesamt die Codeshareflüge für den Sommerflugplan wieder erlauben wird, bleibt aber offen. Die bilateralen Verhandlungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Deutschland laufen.

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Aber auch abseits der Politik steht Air Berlin heute kaum besser da, als zum Jahresanfang. Insgesamt könnte Ende 2014 ein Verlust von mehr als 350 Millionen Euro stehen, räumte die Airline nach einer dramatischen Sommersaison ein. Im vergangenen Jahr hatte der Nettoverlust bei rund 316 Millionen Euro gelegen. Mit einem neuen Sparprogramm sollen nun weitere 400 Millionen Euro eingespart werden.

Genau wie 2013 war 2014 also enttäuschend. Er werde bei Air Berlin alles auf den Prüfstand stellen, hat der neue Air-Berlin-Vorstandschef Pichler bereits für 2015 angekündigt. Den Worten sollten diesmal wirklich Taten folgen.

Weitere Jahresrückblicke finden Sie hier:

Von: airliners.de
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