Air-Berlin-Mitarbeiter sollen sich arbeitslos melden

10.11.2017 - 10:25 0 Kommentare

Viele Mitarbeiter bei Air Berlin sind freigestellt, doch bei der Arbeitsagentur haben sich viele noch nicht gemeldet. In einem internen Schreiben ermahnt die Personalchefin des Carriers, dies nun zu tun. 

Mitarbeiter der Air Berlin auf dem Vorfeld des Flughafens Tegel. - © © dpa -

Mitarbeiter der Air Berlin auf dem Vorfeld des Flughafens Tegel. © dpa

Air Berlin ruft ihre Mitarbeiter in einem internen Brief dazu auf, sich schnellstmöglich arbeitslos zu melden. Das Schreiben der Personalchefin Martina Niemann liegt airliners.de vor. Viele Mitarbeiter sind freigestellt worden. Sie zögern noch, sich arbeitslos zu melden, auch weil sie eine Kündigungsschutzklage stellen wollen, erfuhr airliners.de von Betroffenen.  

"Es hat uns erstaunt, dass bei der Bundesagentur für Arbeit bisher nur wenige Arbeitslosmeldungen eingegangen sind", so Niemann in dem Schreiben. Dies belegen auch aktuelle Zahlen der Behörde. Demnach hatten sich bis zur Wochenmitte gerade einmal rund 400 Angestellte der insolventen Fluggesellschaft arbeitslos gemeldet, davon knapp 300 in Berlin, sagte der Leiter der Arbeitsagentur Berlin Nord, Christoph Möller - eigentlich hatten die Arbeitsagenturen über 1200 Meldungen erwartet. Zuletzt beschäftigte die insolvente Fluggesellschaft rund 8000 Mitarbeiter.

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Martina Niemann, Personalchefin der Air Berlin

Auch die Personalvertretung Kabine von Air Berlin ruft ihre Mitglieder dazu auf, sich als arbeitssuchend zu melden und stellt klar: "Durch die Beantragung von Arbeitslosengeld verliert Ihr nicht die Möglichkeit, eine Kündigungsschutzklage nach Ausspruch der Kündigung zu erheben."

Freigestellte bekommen kein Geld mehr

Bislang wurde das Gehalt der Mitarbeiter von der Arbeitsagentur von dem Insolvenzgeld bezahlt. Da das Insolvenzverfahren seit dem 1. November allerdings eröffnet ist, greift dieser Umstand nicht mehr. Aufgrund der drohenden Masseunzulänglichkeit, die Insolvenzverwalter Lucas Flöther gleichzeitig geltend machte, erhalten die freigestellten Mitarbeiter seitdem auch kein Gehalt mehr. 

Die Situation stelle sich für die unterschiedlichen Berufsgruppen laut Niemann wie folgt dar:

  • Für die Bodenbeschäftigten gibt es eine sechsmonatige Auffanggesellschaft. Bislang seien dort 260 der 375 freigestellten Bodenmitarbeiter gewechselt.
  • Für die (Co-)Piloten verhandelt Air Berlin zusammen mit der Personalvertretung Cockpit noch über einen Sozialplan - hier wird bis zum 21. November mit einem Ergebnis gerechnet. 
  • Für die Kabinenmitarbeiter hat die Personalvertretung Kabine noch keinen "Gesprächstermin vereinbart, um einen gesetzlich vorgeschrieben Interessenausgleich abzuschließen". 

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet und blieb nur durch einen Kredit des Bundes in der Luft. Nach dem letzten Flug wurde Anfang November das Insolvenzverfahren auch offiziell eröffnet. Lufthansa und Easyjet wollen die größten Teile der Air Berlin übernehmen. Auch für die Air Berlin Technik hat sich ein Käufer gefunden.

Dabei übernimmt Eurowings die rund 1700 Mitarbeiter bei LGW und Niki direkt. Weitere 1300 Air-Berlin-Beschäftigte sollen sich allerdings neu bewerben. Auch Easyjet will in den kommenden Monaten bis zu 1000 ehemalige Air Berliner einstellen. Auch beim britischen Billigflieger müssen sich die Mitarbeiter neu bewerben. Allerdings hat die Airline mit Verdi bereits eine Vereinbarung für die Einstellungen getroffen und will sogar Übergangsgeld zahlen.

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Piloten kippen Eurowings-Tarifeinigung

Von: cs
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