Air Berlin rutscht immer tiefer ins Minus

26.05.2017 - 10:40 0 Kommentare

Über drei Millionen Euro Verlust pro Tag: Das ist die jetzt vorgelegte Bilanz der Air Berlin für die ersten drei Monate des Jahres. Airlinechef Thomas Winkelmanns Erklärungen lassen in Berlin aufhorchen.

Air-Berlin-Maschine am Flughafen Düsseldorf - © © Andreas Wiese/Flughafen Düsseldorf -

Air-Berlin-Maschine am Flughafen Düsseldorf © Andreas Wiese/Flughafen Düsseldorf

Air Berlin rutscht immer tiefer in die roten Zahlen. Wie aus dem vorgelegten Quartalsbericht hervorgeht, machte die Airline in den ersten drei Monaten des Jahres 293,3 Millionen Euro Verlust. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum ist das eine Steigerung von 60,8 Prozent.

Rein rechnerisch ergibt sich somit für die ersten drei Monate des Jahres ein täglicher Verlust von 3,3 Millionen Euro. Für das erste Quartal 2016 ergaben sich noch rund zwei Millionen Euro Minus pro Tag. Der Umsatz ging in den ersten drei Monaten 2017 ebenfalls zurück, nämlich um zwölf Prozent.

Konzernergebnisse Air Berlin in den ersten Quartalen 2013 - 2017
Angaben in Millionen Euro
Q1/2013 -196.3
Q1/2014 -209.8
Q1/2015 -210.1
Q1/2016 -182.3
Q1/2017 -293.3

Quelle: Unternehmensangaben

Langstrecken-Fokus auf Düsseldorf

Als Gründe führt Air Berlin den Streik der Bodenverkehrsdienste im Februar sowie die Probleme bei der Gepäckabfertigung durch den Dienstleister Aeroground in Tegel an. Airlinechef Thomas Winkelmann sagte: "Aufgrund der infrastrukturellen Grenzen in Berlin werden wir beim weiteren Ausbau unserer Langstrecke zunächst einen stärkeren Fokus auf Düsseldorf legen." Air Berlin betreibt ein Drehkreuz sowohl in Tegel als auch in Düsseldorf.

© dpa, Lesen Sie auch: BER als Drehkreuz "können Sie nicht befehlen"

Luftfahrtexperte Michael Santo von der Unternehmensberatung H&Z lässt die Aussage aufhorchen. "Das klingt, als wenn Thomas Winkelmann den Air-Berlin-Hub Tegel infrage stellt", so Santo zu airliners.de. Das wäre ein "radikaler Schritt", ordnet der Unternehmensberater ein: "Die Doppel-Hub-Strategie verursacht derzeit wohl mehr Komplexität und Kosten als Air Berlin vertragen kann."

Probleme mit Aeroground

"Tegel wird mehr und mehr zum Ärgernis und sorgt mit der Performance in Richtung Kunde eher für weitere Abwanderung denn für Kundenbindung", resümiert Santo mit Blick auf die aktuellen operationellen Probleme. Seit Aeroground Ende März die Bodenabfertigung von Air-Berlin-Passagieren in Tegel übernommen hat, häufen sich Beschwerden über Verspätungen. Hinzu kommen Probleme mit der Crew-Koordination.

Offizielle Zahlen nennt die Airline nicht. Der Flugdatenauswerter OAG errechnete für den April, dass bei der Airline jeder zweite Flug verspätet war oder ausfiel, schreibt die "FAZ". Grund dafür waren unter anderem fehlende Fluggasttreppen, falsche Parkpositionen und fehlendes Gepäck.

© AirTeamImages.com, Felix Gottwald Lesen Sie auch: Air Berlin hat immer noch Abfertigungsprobleme in Tegel

"Nach diesem erneut sehr hohen Quartalsverlust, braucht es dringend radikalere Signale als bisher", so Santo. Erste Signale sendete Air Berlin bereits am Donnerstag in Form mehrerer Streckenänderungen. So werden Anfang Juni drei Verbindungen aus dem Programm genommen, sagte eine Airline-Sprecherin. Die Langstrecke Berlin-New York soll zudem nur noch ein- statt zweimal pro Tag bedient werden. Mitte April hatte Air Berlin den Start zwei neuer US-Langstrecken ab Tegel verschoben.

Von: cs
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