Air-Berlin-Insolvenzverfahren eröffnet und Übernahme-Prüfung eingeleitet

01.11.2017 - 11:58 0 Kommentare

Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat den Insolvenzantrag der Air Berlin genehmigt und die Verfahren eröffnet. Jetzt müssen die Gläubiger bedient werden. Lufthansa meldet die Air-Berlin-Übernahme derweil in Brüssel an.

Flugzeuge der Air Berlin sind nun in Berlin-Schönefeld geparkt. - © © dpa -

Flugzeuge der Air Berlin sind nun in Berlin-Schönefeld geparkt. © dpa

Die Großteile der Air Berlin sind verkauft, der Flugbetrieb ist eingestellt: Erwartungsgemäß hat das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg am Mittwoch die Insolvenzverfahren für die britische Air Berlin PLC, die Air Berlin PLC & Co. Luftverkehrs-KG und die Air Berlin Technik GmbH eröffnet. Laut einer ad-hoc-Mitteilung von Air Berlin ist in allen drei Verfahren die Eigenverantwortung angeordnet.

Die nicht insolventen Töchter der Air Berlin, Niki und LGW, sollen (inklusive ihrer AOCs) nach der wettbewerbsrechtlichen Prüfung durch die EU-Behörden an die Lufthansa Group verkauft werden. Der Konzern hat die kartellrechtlichen Überprüfung in Brüssel nun auch beantragt. Die entsprechenden Unterlagen seien am Dienstag bei der EU-Kommission eingereicht worden, teilte Lufthansa mit. Man rechne noch im Dezember mit einer Entscheidung.

Die EU-Kommission prüft auf Grundlage der europäischen Fusionskontrollverordnung, ob ein Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung erlangt. Zuständig auf EU-Ebene ist Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Sie hat bereits angedeutet, dass Lufthansa möglicherweise einige Strecken abgeben muss. Das deutsche Kartellamt wird das Brüsseler Verfahren begleiten.

Einen Großteil des Air-Berlin-Betriebs am Standort Berlin-Tegel übernimmt Easyjet - inklusive vieler Buchungen. Auch für die Air Berlin Technik hat sich ein Käufer gefunden.

Insolvenzmasse dürfte klein sein

Die Gläubiger können ihre Forderungen bis zum 1. Februar kommenden Jahres beim als Sachverwalter bestellten Rechtsanwalt Lucas Flöther anmelden. Er hatte diese Funktion vorläufig bereits nach dem Insolvenzantrag Mitte August übernommen. Die Gläubigerversammlung findet am 24. Januar in Berlin statt.

Was mit Stichtag der Insolvenzeröffnung noch bei Air Berlin verblieben ist, muss zugunsten der Gläubiger veräußert werden. Laut deutscher Insolvenzordnung wird nun kein Gläubiger bevorzugt: Die Gesamtvollstreckung schreibt die regelhafte Verteilung an alle Gläubiger gemäß einer Quote vor. Laut Branchenkennern dürfte die Insolvenzmasse im Fall der Air Berlin allerdings sehr gering sein. Flöther teilte bereits offiziell mit, dass die Masse voraussichtlich nicht ausreichen werde, um die bestehenden, über die Kosten des Insolvenzverfahrene hinausgehenden Masseverbindlichkeiten im Zeitpunkt der Fälligkeit zu erfüllen.

© dpa, Fotomontage: airliners.de Lesen Sie auch: Was ein Insolvenzantrag für die Gläubiger bedeutet Die Luftrechts-Kolumne (54)

Das Amtsgericht hatte ein von Flöther erstelltes Gutachten geprüft und festgestellt, dass die Gesellschaft "zahlungsunfähig und zugleich überschuldet ist". Air Berlin wies zuletzt rund 1,5 Milliarden Euro Schulden aus. Die Airline hatte Mitte August Insolvenz angemeldet.

Transfergesellschaft

Die Transfergesellschaft für bisherige Verwaltungsmitarbeiter von Air Berlin hat die Arbeit aufgenommen. Wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte, haben nach aktuellen Zahlen 1128 Beschäftigte die Möglichkeit, in dieses Unternehmen zu wechseln, das sich um eine Vermittlung der Arbeitnehmer an andere Unternehmen kümmern soll. In einer ersten Welle wurden nach Verdi-Angaben rund 400 Beschäftigte des Bodenpersonals von Air Berlin Anfang der Woche freigestellt. Die Transfergesellschaft wird von Air Berlin und dem Land Berlin finanziert. (dpa)

Von: cs, dh mit dpa
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