Air-Berlin-Insolvenz bringt Tuifly in Bedrängnis

19.09.2017 - 12:54 0 Kommentare

Mit der Air-Berlin-Pleite bekommt eine weitere deutsche Fluggesellschaft Probleme: Tuifly hat rund ein Drittel der Flotte samt Personal langfristig an die insolvente Airline vermietet. Jetzt drohen herbe Einschnitte.

Eine Boeing 737-800 der Fluggesellschaft TuiFly am Flughafen Hannover. - © © dpa - Julian Stratenschulte

Eine Boeing 737-800 der Fluggesellschaft TuiFly am Flughafen Hannover. © dpa /Julian Stratenschulte

Die ungewisse Zukunft der insolventen Air Berlin zwingt auch Tuifly auf einen Sparkurs. Die Tui-Tochter müsse ihre Kosten um mindestens 30 Millionen Euro senken, um wettbewerbsfähig zu werden, berichtete die "Hannoversche Allgemeine Zeitung".

Der Sparkurs solle insbesondere die Piloten treffen, hieß es in dem Bericht. Gespräche mit der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit sind laut Zeitung schon im Gange. Aktuell laufen Informationsveranstaltungen der Gewerkschaft an verschiedenen Tuifly-Stationen.

Tuifly hatte im vergangenen Jahr einen neuen Tarifvertrag mit ihren Piloten vereinbart. Vorausgegangen war ein wilder Streik gegen die damals geplante Zusammenlegung mit der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki unter dem Dach von Etihad und Tui. Für die Piloten der Fluggesellschaft gilt daher aktuell die Friedenspflicht.

© dpa, Julian Stratenschulte Lesen Sie auch: Bei Tuifly brodelt es schon lange

Wie airliners.de nun aus Verhandlungskreisen erfuhr, geht es bei den von der Geschäftsführung geforderten Einsparungen unter anderem um eine Aufweichung von Zusatzleistungen für Piloten: Der Verzicht auf eine anstehende Gehaltserhöhung von 2,5 Prozent sowie der Wegfall tariflich vereinbarter Ausgleichszahlungen für kurzfristige Dienstplanänderungen stünden zur Disposition.

Eurowings hat Interesse an Tuifly-Flotte

Lufthansa soll nach airliners.de-Informationen Interesse an einer Übernahme der aktuell für Air Berlin im Einsatz befindlichen Tuifly-Maschinen signalisiert haben. Der Kranich wolle die Kapazitäten für seinen Billigflieger Eurowings einsetzen - allerdings nur zu Preisen, die bei Tuifly unter den derzeitigen Tarifkonditionen nicht kostendeckend wären.

Tuifly hat derzeit noch rund ein Drittel ihrer Flotte samt Besatzung langfristig an Air Berlin vermietet. Im Rahmen eines Wet-Leasings sind insgesamt 14 Flugzeuge und rund 700 Tuilfy-Mitarbeiter für die insolvente Airline beschäftigt..

Der für Tuifly angeblich extrem vorteilhafte Vertrag wird laut Beobachtern im Zuge der Air-Berlin-Insolvenz nicht mehr zu halten sein. Tuifly-Mutter Tui hatte darum bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert. Er könne sich vorstellen, dass Tui ein Teil der Maschinen zurücknimmt, hatte Tui-Chef Friedrich Joussen erklärt.

Seit Anfang des Jahres fliegen alle Tuifly-Maschinen für Niki. Das belastet die finanziell relativ gut aufgestellte Air-Berlin-Tochter offenbar stark.

© dpa, Sophia Kembowski Lesen Sie auch: Bieterfrist für insolvente Air Berlin abgelaufen

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, vergangene Woche endete die Frist für verbindliche Kaufangebote für Unternehmensteile oder die gesamte Airline. Mehrere Unternehmen haben Gebote abgegeben.

Von: dh mit dpa, AFP
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