Keine Vorentscheidung im Air-Berlin-Poker

Die Gläubigerausschüsse zur Air-Berlin-Insolvenz sind zur ersten Sitzung zusammengetroffen - ohne eine schnelle Entscheidung zur Teilübernahme durch Lufthansa oder Easyjet zu fällen. Derweil wird das Geld schon wieder knapp.

Air Berlin ist insolvent. - © © dpa - Britta Pedersen

Air Berlin ist insolvent. © dpa /Britta Pedersen

Die Gläubigerausschüsse der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin und ihrer Technik-Tochter haben ihre ersten Sitzungen am Mittwochnachmittag beendet, ohne dass es bereits zu konkreten Entscheidungen wie etwa einer erwarteten Teilübernahme durch die Lufthansa gekommen ist.

Allerdings soll die Lufthansa Group ihr Angebot für Teile der insolventen Berliner Fluggesellschaft konkretisiert haben. Die Airline biete für die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki sowie weitere Teile der Gesellschaft, nicht aber für das komplette Unternehmen, hieß es aus Lufthansa-Kreisen.

"Die Ausschüsse haben einstimmig die weitere Betriebsfortführung sowie die Weiterführung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beschlossen", sagte Frank Kebekus, der Generalbevollmächtigte von Air Berlin in dem Insolvenzverfahren nach den Sitzungen in Berlin. Der vom Amtsgericht Charlottenburg eingesetzte Sachwalter Lucas Flöther sei in seinem Amt bestätigt worden.

Mitglieder des Gläubigerausschusses

Die Gremien setzt sich aus fünf Vertretern der wichtigsten Gläubigergruppen zusammen: der Bundesagentur für Arbeit, die das Insolvenzgeld an die rund 8000 Mitarbeiter zahlt; der Commerzbank als Vertreter der Kreditgeber; der Kanzlei CMS Hasche Sigle, die die Interessen der Leasinggeber wahren soll; und von Eurowings, da die Airline den größten Anteil der von Lufthansa bei Air Berlin geleasten Flugzeuge beheimatet. 

Im Detail ging es bei den heutigen Treffen um die konstituierenden Sitzungen der Gläubigerausschüsse für die "Air Berlin PLC", die "Air Berlin PLC & Co. Luftverkehrs KG" sowie die "Airberlin Technik GmbH". Die weiteren Verhandlungen würden nun mit Hochdruck vorangetrieben, sagte Kebekus: "Unser Ziel ist und bleibt, zügig zu tragfähigen Abschlüssen zu kommen und so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten."

Wir schon zuvor bekannt geworden war strebt der Kranich-Konzern eine Übernahme des Großteils der Air-Berlin-Flotte an. Es soll um die Übernahme von 90 Maschinen des insolventen Carriers gehen: 17 Langstreckenflugzeuge, zwei Mittelstreckenjets, die Maschinen der Tochter Niki und die 38 Flugzeuge, die schon im Wet-Lease für den Kranich-Konzern abheben. Auch Easyjet soll konkretes Interesse an Teilen der Air Berlin haben.

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Geld wird knapp

Gleichzeitig berichtet die "Süddeutsche Zeitung", dass sich Air Berlin wohl nicht mehr lange in der Luft halten kann. Denn der Carrier hat offenbar keinen Zugang zu Geld von Buchungen zukünftiger Flüge. Dieses landet wohl auf einem neutralen Konto, um sicherzustellen, dass Kunden ihr Geld zurückbekommen, falls Flüge gestrichen werden.

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Diese Regelung verschärfe offenbar die Geldknappheit des Unternehmens, das zwar im Augenblick einen Großteil der Löhne nicht mehr bezahlen und auch die Schulden nicht mehr bedienen muss. Doch der Flugbetrieb kostet trotzdem viel Geld - zumal viele Lieferanten und Flughäfen inzwischen Vorkasse verlangen.

"Bild": 70 Millionen Euro von der Bundesagentur für Arbeit

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung zahlt die Bundesagentur für Arbeit den rund 8000 Beschäftigten von Air Berlin knapp 70 Millionen Euro Insolvenzgeld. Dabei sind die Sozialversicherungsbeiträge (Kranken-, Renten, Arbeitslosenversicherung) nicht eingerechnet. Die Airline wollte auf Anfrage von "Bild" die Zahl aus juristischen Gründen nicht bestätigen.

Air Berlin hatte vergangene Woche Insolvenz in Eigenregie angemeldet. Damit die Airline nicht sofort gegroundet wurde, hatte der Bund für einen Kredit in Höhe von 150 Millionen Euro der staatseigenen KfW gebürgt.

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Von: cs, dh

Datum: 23.08.2017 - 08:39

Adresse: http://www.airliners.de/air-berlin-insolvenz-lufthansa-easyjet/42157