Die Born-Ansage (54) ( Gastautor werden )

Air Berlin will mit "Hi fly" starten

02.03.2017 - 09:42 0 Kommentare

Air Berlin und Hi Fly klingt gut. Eigentlich zu gut, um wahr zu sein. Leider ist es auch genau umgekehrt: Es ist wahr, aber nicht gut, findet Kolumnist Karl Born.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Weil Air Berlin einen Kapazitätsengpass auf der Fernstrecke hat, wird ein A330 der portugiesischen Chartergesellschaft "Hi Fly" gechartert - und das ausgerechnet für die Strecke Düsseldorf-Abu Dhabi (zum Heimathafen von Anteilseigner Etihad). Leider ist die Innenausstattung dieses Fluggerätes genau das Gegenteil der tollen Air-Berlin-Werbung. Ordentliche Bestuhlung, hervorragendes Bordprogramm, Monitore am Sitz, PC-Anschluss am Sitz? Denkste. Alles deutlich schlechter als bei Air Berlin. Die Ersatzairline heißt ja auch "Hi Fly" und nicht "High Fly".

Im obigen Fall wurde der Flieger mit der amtlichen Kennung CS-TQW bereits 1999 in Dienst gestellt und hat damit mehr Dienstjahre auf dem Rumpf als der gesamte Air-Berlin-Vorstand zusammen Vorstandsjahre auf dem Rücken hat. Auch die internationale Karriere des Airbus A330 ist interessant, er war in der Vergangenheit bei Malaysia Airlines und Vietnam Airlines im Einsatz und hat inzwischen auch Erfahrung mit Abschiebeflüge für Flüchtlinge gesammelt (laut Artikel der NRZ online vom 28.2.17).

Als ich gelesen hatte, dass das Flugzeug am Rosenmontag in Düsseldorf bereitgestellt wurde, habe ich nur noch darauf gewartet, dass der Hoppeditz mit fröhlichem Helau um die Ecke kommt.

Eine Art Staubsauger der Flugwelt

Die Fluggesellschaft Hi Fly ist ein Art Staubsauger, die in der europäischen Flugwelt übriggebliebene Krümel wegsaugt, die andere Carrier nicht fliegen konnten oder wollten. Was dabei an Leistung geboten wird, ist fast immer deutlich schlechter als das Niveau der Airline, die das „letzte Hilfsangebot“ in Anspruch nimmt.

Liebe Air Berlin, du hast es nicht leicht. Zugegeben. Du musst sparen. Aber nichts ist schlimmer, als an der falschen Stelle zu sparen. Du riskierst den Ruf, künftig auf der Fernstrecke mit Qualität punkten zu wollen. "Gut" zu sein ist schnell versprochen, aber "sehr gut" ist man nur, wenn man dieses Versprechen immer - also auch in Krisensituationen - einhält. Auch wenn es im Moment Kosten verursacht. Verärgerte Kunden, die nicht mehr zurückkommen, kosten langfristig mehr, als man kurzfristig eingespart hat.

Die Fehlentscheidung mit Hi Fly, noch vor dem geplanten Ende (21. März) zu korrigieren, wäre eine gute ITB-Nachricht, wie ernst du es mit deinen Kunden meinst.

Nicht, dass es euch wie Tuifly geht!

Im schlimmsten Fall geht es dir sonst wie Tui/Tuifly, die mit der Kündigung der Kundenverträge wegen der Massenkrankmeldungen ihrer Crews auch den (vermeintlich preiswerteren) easy way gehen wollten. Jetzt haben sie Tausende von Klagen am Hals und von den Gerichtskosten abgesehen, generieren sie über Wochen hinweg immer wieder aufs Neue negative Schlagzeilen.

Es gibt Dinge, die sind so vorhersehbar, dass man sie sich wirklich ersparen könnte.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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